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„Die Emanze der Schweiz“

von Simone Gröbli

Geschätzte Blog-Leser,

Dank meinem Boss Sara (ist ja nicht schlecht, wenn der Chef weiss woran man gerade arbeitet) wissen sie ja das ich mich weiterhin mit Schweizer Autorinnen und Autoren befasse.

Also ich habe auch heute Dienstag mein tägliches Date mit diesen Herrschaften und dabei fällt mir ein Buch in die Finger mit dem patriotischen Titel „Heil Dir Helvetia.“ In diesem Buch geht um die Freude an der Macht; politischer Natur. Das wäre an und für sich schon ein Thema wert, aber als ich anfing mangels Inhaltsbeschrieb, den Inhalt in die buchplanet-Maske zu übertragen stiess ich auf die Überschrift „Jetzt auch die Frauen.“

In diesem Augenblick wurde mir eine Frau präsent, die man getrost als Mutter des Frauenrechts und des Feminismus in der Schweiz betiteln kann; Iris von Roten nämlich. Diese Iris von Roten hatte eine Gemeinsamkeit mit Simone Beauvoir. Genau wie die grosse Französin hat Iris von Roten in den 40er und 50er des letzten Jahrhunderts über die Unterdrückung der Frau geschrieben. Bevor ich aber darauf im Detail darauf eingehe, will ich ihnen, geschätzte Blog-Leser, diese Iris von Roten kurz vorstellen.

Iris von Roten

Hineingeboren in eine gutbürgerliche und gutsituierte Familie studierte Iris Meyer, wie damals noch hiess, an der Universität Bern und promovierte in Rechtswissenschaften. Sie heiratete den Waliser Aristokraten Peter von Roten und gebar eine Tochter. Aber nur Hausfrau und Mutter zu sein, oder wie Iris von Roten so schön formulierte. „Für die private Atmosphäre des Familienlebens ist es nicht nötig, dass die Frau und Mutter; als des Weibes natürliches Los stundenlang mit Geschirr klappert und Staub wedelt“, war für sie undenkbar.

Sie wurde also Partnerin in der Anwaltskanzlei ihres Mannes, aber öfters kam es vor, dass sie für die Sekretärin ihres Mannes gehalten wurde. Und mit diesen negativen Erfahrungen wurde Iris von Roten zur Feministin und Frauenrechtlerin der ersten Stunde in der Schweiz

Sie wurde publizistisch tätig; 1943 bis 1945 war sie Redakteurin bei der Zeitschrift „Schweizer Frauenblatt“

Und dann folgte, wie oben bereits angedeutet, die Gemeinsamkeit mit Simone Beauvoir.

Aber während Beauvoirs Buch „Das andere Geschlecht“ als philosophisches Werk Anklang fand und von den Intellektuellen Frankreichs Rückhalt bekam, wurde von Rotens Schrift regelrecht verdammt.

„Frauen im Laufgitter“ so der Titel des im Jahr 1958 erschienen Buches, zog, zitiert mit den Worten der Basler Nachrichten; “564 Seiten gegen die Männerwelt vom Leder. Politische, wirtschaftliche, berufliche und sexuelle Freiheiten für die Frau wurden gefordert. Sogar von der fraulichen Zwangsarbeit im Haushalt war die Rede, die, so Roten, wie jede Zwangsarbeit nicht bezahlt werde.

Das Buch erschien ein halbes Jahr vor der ersten Abstimmung in der Schweiz über das Frauenstimmrecht, die im Februar 1959 stattfand. Es hatte die gleiche Wirkung, wie die Axt im Wald; erst recht für die Frauen, die sich im Bund Schweizerischer Frauenvereine BSF zusammengeschlossen hatten. Ihre Mitglieder wollten mit Kompromissen und Taktgefühl, Vereinbarungen mit den wahlberechtigten Männern treffen und nicht wie von Roten, mit Konfrontation. Denn nach Meinung des BSF sollte am grundsätzlichen zeitgenössischen Bild der Hausfrau und Mutter nicht gerüttelt werden.

Es unterlag die Konfrontation; am 1.Februar 1959 wurde mit einer Zweidrittelmehrheit das Frauenstimmrecht von den Schweizer-Männern verworfen. Wer für den negativen Wahlausgang mitverantwortlich war, lag auf der Hand; Iris von Roten. Sie wurde zur meist kritisierten Person in der Schweiz der damaligen Zeit, eine „streitsüchtige Hysterikerin“ und „giftspeiende Fürsprecherin“ hiess es. So gekonnt und analytisch von Roten austeilen konnte, mit der harschen Kritik kam sie nicht klar. Erst recht nicht, als sie von den Frauenorganisationen Ächtung erfuhr. Sie zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, genauso wie aus der Frauenthematik, und reiste, ganz im Sinne ihrer eigenen unkonventionellen Ehe, für sechs Monate alleine durch die Türkei. Aber sie wurde den Geist der Verfemten nicht mehr los. Als sie über diese Türkeireise ein Buch schrieb, fand sie vorerst kein Verlag.

Mit weiteren Reisen verbrachte von Roten die nächsten Jahre. Nahen Osten, den Maghreb, Sri Lanka und Brasilien hiessen die Stationen. Die an diesen Orten gesammelten Reiseerlebnisse hielt sie ab den 1970er nicht schreibend, sondern malend fest.

Und eben diese Malerei war schlussendlich der Grund, dass Iris von Roten den Freitod wählte. Denn neben schweren Schlafstörungen, schwand ihre Sehkraft zunehmend so stark, dass es das Malen verunmöglichte.

Genauso wie sie ein selbstbestimmtes Leben geführt hatte, bestimmte Iris von Roten ihr Ableben selber oder wie sie in einem Interview sagte. „Wie ein Gast wissen muss, wann es Zeit ist zu gehen, so sollte man sich auch rechtzeitig vom Tisch des Lebens erheben.“

Iris von Roten erhob sich am 11.September 1990 vom „Tisch des Lebens.“

3000 Exemplare wurden von „Frauen im Laufgitter 1958 gedruckt, in elf Wochen war das Buch ausverkauft, ein Nachdruck gab es aber erst 1991 wieder. Und der wurde ein grosser Erfolg und so kam Iris von Roten posthum noch zu der berechtigten und von ihr verlangten Wertschätzung.

Soweit, geschätzte Blog Leser, ein kurzer Abriss zu Iris von Rotens Leben.

Gestatten sie mir zum Abschluss den Hinweis zum Buch und zu dessen Kapitel das mich quasi zu Iris Roten geleitet hat:

 

Heil Dir Helvetia

Die Freude an der Macht

Christian Fehr (Hrsg.)

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