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Niemandsbrunnen

von Sara Grob

Erholt von zwei Wochen Ferien begann ich heute wieder mit meiner Arbeit im buchplanet.ch. Die Unmengen an Büchern, die wir im buchplanet.ch haben, zogen mich sofort wieder in ihren Bann und der Morgen verging wie im Fluge. In einer angelieferten Schachtel entdeckte ich heute drei gleich aussehende Bücher, nach kurzem Stutzen stellte ich fest, dass die Bücher zwar denselben Inhalt haben, aber in verschiedenen Sprachen geschrieben sind. Buch 1 heisst „Zürcher Brunnen“, Buch 2 heisst „Zurich’s Fountains“ und Buch 3 heisst „Les Fontaines de Zurich“.

Wussten Sie, dass Zürich zu den brunnenreichsten Städten der Welt gehört? Es hat in Zürich nämlich 1224 Brunnen, die mit Trinkwasser gespiesen werden (Mischverhältnis fürs Züri Wasser: 70% aus dem Zürichsee, 15% Quellwasser, 15% Grundwasser). In Zürich findet man alle Arten von Brunnen: prächtig verzierte Betonbrunnen, schlichte Brunnen, Notwasserbrunnen (1973 schrieb die Wasserversorgung Zürich einen Wettbewerb aus um Entwürfe für einen typisierten Trinkbrunnen zu erhalten. Aus über 100 Modellen von 51 Teilnehmern wählte die Jury den Entwurf von Alf Aebersold zur Weiterverarbeitung aus.), Märchenbrunnen und viele weitere.

Mein Lieblingsbrunnen in Zürich hat eine Verbindung zu einem Schweizer Schriftsteller und deshalb möchte ich Ihnen diesen Brunnen kurz vorstellen. Das Jahr 2011 war ein doppeltes Jubiläumsjahr für Max Frisch. Sein Geburtstag jährte sich zum 100. Mal und sein 20. Todestag war am 4. April 2011. Es gab viele Veranstaltungen zu Max Frisch in diesem Jahr. Eine neue Biografie von Max Frisch wurde veröffentlicht. Und es gab sogar eine silbrige Sondermünze und eine Sonderbriefmarke zu Ehren von Max Frisch. Über Max Frisch wurde damals viel geredet und geschrieben. Eine Erwähnung des Niemandbrunnens suchte ich in diesem Jahr aber vergebens. Deshalb möchte ich das hier in unserem Blog nachholen.

Der Rosenhof ist leider kein Rosenhof, Rosen suchen Sie dort vergebens, es ist ein ausgekernter Hinterhof zwischen Limmatquai und Niederdorfstrasse. 1967 erhielt Benedicta Huber von der Stadt Zürich den Auftrag zur Neugestaltung des Rosengartens, der Brunnen wurde vom Bildhauer Peter Meister erschaffen, der schliesslich Max Frisch anfragte für den Text auf dem Brunnen. Mit den Behörden gab es noch einige Diskussionen über den Text, er wurde schlussendlich aber genehmigt. Peter Meister sagt dazu: „Natürlich wurde dieser Text nicht ohne Diskussion von den Behörden genehmigt. Ich denke, wenn ein junger Lyriker anstatt des bekannten Max Frisch ihn geschrieben hätte, wären wir kaum durchgekommen.“
Sie fragen sich, wie denn nun der Text geht? Bitteschön:

HIER RUHT 1967

kein großer

ZÜRCHER

DENKER und

STAATSMANN

oder REBELL

weitsichtiger

PLANER

der freiheit

usw.

niemand,

kein

ZEITGENOSSE

Patriot

REFORMATOR

DER SCHWEIZ

im XX. Jahrhundert

BEGRÜNDER

der ZUKUNFT,

die trotzdem kommt

kein berühmter flücht-

ling wohnte hier oder

starb ungefähr hier zum

ruhm unsrer Vaterstadt,

kein ketzer wurde hier

verbrannt, hier kam es

zu keinem sieg, keine

sage, die uns ehrt, erfor-

dert hier ein denkmal

aus stein, hier gedenke

unserer taten heute

dies denkmal ist frei

hier ruht kein

kalter krieger

1967

dieser stein der

stumm ist, wurde

errichtet zur zeit

des krieges in

VIETNAM.

Im Buch „Zürcher Brunnen“ steht dazu: „Seine Eigenart besteht darin, dass er sich selbst widerspricht. Er will nämlich an nichts erinnern, an keinen Helden, keinen Märtyrer, keine Sagengestalt und keinen Krieg, und tut es dann doch.“

Der Standort des Brunnens, der Rosenhof, finde ich sehr, sehr passend. Zürich, die kalte, unbarmherzige Business-Stadt zeigt sich im Rosenhof nämlich von einer ganz anderen Seite. Von März bis Dezember findet im Rosenhof jeden Donnerstag und Samstag ein Kunsthandwerksmarkt statt. Künstler und Händler aus aller Welt verkaufen dann dort ihre Kostbarkeiten. (Unbedingt die ungarischen Langos versuchen, köstlich!) Es herrscht eine gelöste, familiäre und friedliche Stimmung, wirklich passend zum Niemandsbrunnen.

Leider habe ich kein Foto des Brunnens. Auf der Homepage von Zueri-Graffiti finden sich aber viele Bilder des Ronsehofs. Hier klicken

1967 schrieb „Die Zeit“ einen Text über den Brunnen. Hier klicken 

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Leider habe ich nun keine Zeit mehr die Brunnen-Bücher in den Verkauf zu stellen. Ich werde das morgen nachholen.

 

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