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Das Versprechen

von Josef Beda

»Das Versprechen« ist der Titel einer der drei hervorragenden – auch »etwas anderen« – Kriminalromane, die der Schweizer Schriftsteller und Maler Friedrich Josef Dürrenmatt geschrieben hat. Über diesen Roman, den ich immer wieder lese und auch den Film mit Originaltitel »The Pledge«, welche eine der fünf Verfilmungen ist, zu Gemüte führe, habe ich am 18. Dezember 2011 geschrieben. Wie in diesem Roman, in dem die Komplexibilität einer Tat und dessen Aufklärung offensichtlich wird, kann man dies auch in anderen Bereichen als der Kriminologie oftmals feststellen; so auch etwa im Bau der Eisenbahnen.

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Die Schweiz wird heute oft als »Bahnland Nummer Eins« bezeichnet, verfügt sie doch, abgesehen von den beiden Stadtstaaten Monaco und Vatikanstaat, zusammen mit der Tschechischen Republik über das weltweit dichteste Eisenbahnnetz. Bald werden wir auch den längsten Eisenbahntunnel der Welt haben. Doch eines blieb aus: Die Einlösung des historisch bedingten Ostalpen-Versprechens, welche den Ostschweizer Kantonen eine Alpenquerung via San Bernadino, Tödi-Greina oder Splügen zusichert. Interessant ist, dass – nach meinen Kenntnissen – immerhin die »Splügenbahn« als Modell existiert. Eine Vision, welches das Versprechen doch noch befriedigen könnte ist mit dem Projekt »AlpTrain« anfangs 2010 in Chur vorgestellt worden. Dieses Projekt beinhaltet zwei Elemente, eine Schnellverbindung der beiden Städte Zürich und Chur, welche die Grundlage für die Vernetzung der drei Metropolen München, Zürich und Mailand als – zweites Element – bildet. Chur wäre in dieser Vision die Drehscheibe der neuen Alpentranversalen, welche einen Tunnel von Chur-Tiefencastel-Castasegna-Colico-Lecco vorsieht.

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Ein im Jahr 1912 herausgegebenes Buch, welches sich mit den Schweizerischen Alpenbahnen in einer speziell-umfassenden, die Landesverteidigung integrierend, beschäftigt, wurde geschrieben um mit militärtechnischen Hintergründen und Argumenten den Bau der »Splügenbahn« zu verhindern; heisst es doch bereits im Vorwort: «Dieses Buch verfolgt nun als Hauptzwecke: Den Bau der Splügenbahn zu verhindern, der Schweiz ein »Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes« zuzurufen, und eine nationale Lösung der Ostalpenbahnfrage zu fördern. Nebenzwecke sind: Eine neue Orientierung über die strategische Lage der Schweiz inmitten der gegenwärtigen europäischen Bündnisgruppen zu geben und klarzulegen, welche Bedeutung dem Gebirgskrieg in der schweizerischen Landesverteidigung zukommt.

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Geschrieben hat das 181 Seiten umfassende Buch »Schweizerische Alpenbahnen – Ihre Bedeutung für unsere Unabhängigkeit, Landesverteidigung und Volkswirtschaft« ein Schweizer Offizier, dessen Name im ganzen Werk nicht vorkommt. Die Anonymität wird wie folgt begründet: «Um die Fragen der Landesverteidigung, ohne Rücksicht auf das Ausland, mit vollem Freimut behandeln zu können und von dem, was sich aus dem Studium des Geländes an Ort und Stelle, unserer Karten und der einschlägigen Literatur ergibt, nichts wesentliches verschweigen zu müssen, verzichten wir vorläufig darauf, unseren Namen öffentlich zu nennen, das bietet dem Leser die Möglichkeit, den Inhalt ohne Voreingenommenheit, frei von jeder persönlichen Beeinflussung und ausschliesslich auf Grund der niedergelegten Gedanken zu prüfen.»

 

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Mag sicher sein, dass der Inhalt sich tatsächlich am Motto, welches auf dem Buchdeckel wie auch auf der ersten Vorsatzseite abgedruckt ist: «Der Verlust des Eschentales ist vielleicht das sprechendste Beispiel aus unserer an solchen Erfahrungen reichen Geschichte zu der Behauptung, dass das Schicksal der Staaten, ganz gleich wie das des einzelnen Menschen, sehr oft von einem einzigen, kurzen Momente abhängt, der sie entschlossen oder unentschlossen zum Rechten findet.» (Hilty, Polit. Jahrbuch, 6. Jahrg., 1891.), orientiert. Dennoch, oder gerade auch deshalb, regt die Schrift an, über die durch unsere Schweiz führenden Verkehrswege klar zu debattieren und für alle in der Folge betroffenen Belange unseres inneren Zusammenlebens, unserer Sicherheit und unserer Willensäusserung gegenüber unseren Nachbarstaaten zielorientierte und punktuellen Wünschen und Ansprüchen übergeordnete Lösungen zu erarbeiten und zu finden.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Buchdeckel – mit Link auf den Blog »Das Versprechen – von Friedrich Dürrenmatt«
Bild B: Google – mit Link auf die Webseite der »Supervision AlpTrain«
Bild C: Buchdeckel
Bild D: Dem Buch zugebundene Karte

 

 

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