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Der Lenz ist da

von Simone Gröbli

Geneigte Blog Leser

Ab  heute darf ich sie mit meinem Vorlieben, Einsichten und Absichten amüsieren und unterhalten.

Quasi zur Begrüssung habe ich ein Gedicht ausgesucht. Keine Angst geneigte Leser, es wird jetzt weder elegisch, literarisch, noch getragen.

Dafür bürgt schon der Name des Verse-Reimers; Kurt Tucholsky.

Es Ist ein Gedicht das Ironie, Flapsigkeiten und Augenzwinkern ausstrahlt und es passt hervorragend in die jetzige Jahreszeit; damit meine ich nicht den Winter, sondern wirklich der Frühling!

Zuerst aber noch etwas Biographisches zum Verfasser dieses Gedichtes;

Kurt Tucholsky, geboren 1890. 1935 an den Folgen von Tablettenmissbrauch oder Selbstmord aus dem Leben geschieden. In diesem Jahr 1935 war Tucholsky, der getaufte Jude war, bereits ausgebürgert und seine Bücher waren verboten und Opfer der Bücherverbrennung durch die Nazis geworden.

Er studierte Rechtswissenschaft, unter anderem in Genf, widmete sich aber von Anfang, auch unter verschiedenen Pseudonymen, wie Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser der Schreiberei. Ein wacher und scharfer Beobachter seiner Zeit (Weimarer Republik, Beginn des Nationalsozialismus) war er. Er schrieb hauptsächlich für  die legendäre Weltbühne vormalige Schaubühne, eine Berliner Wochenzeitschrift, die nach 1925 von Carl von Ossietzky geleitet wurde, betätigte sich aber auch als Liedtexter und Kabarettautor. Seine bekanntesten Bücher sind sicher Schloss Gripsholm und Rheinsberg. Gerade Rheinsberg, 1911 geschrieben, zeigt nach meiner Ansicht die Stärken Tucholskys auf;  politische und gesellschaftskritische Anspielungen, deren Spitzen durch Ironisierung abgestumpft werden.

„Soldaten sind Mörder“; das war Tucholskys berühmtester Satz, und noch heute kann man für diese Aussage in Deutschland juristisch belangt werden.

Er selber behauptete immer von sich selber; er sei zwar ein erfolgreicher Autor, aber keiner mit Wirkung, schon gar nicht über den Tag hinaus. Völlig falsch, Tucholsky wird heute noch geliebt und gelesen.

Wollen Sie sich selber überzeugen liebe Leser? Der buchplanet hat Tucholskys gesammelte Werke 1 – 4 und die Bände 6,7 und 9 preiswert und in einwandfreiem Zustand im Angebot.

Ich habe Sie nun lange genug hingehalten; es folgt nun „Der Lenz ist da“:

 

Der Lenz ist da!

Das Lenzsymptom zeigt sich zuerst beim Hunde,

dann im Kalender und dann in der Luft,

und endlich hüllt auch Fräulein Adelgunde

sich in die frischgewaschene Frühlingskluft.

 

Ach ja, der Mensch! Was will er nur vom Lenze?

Ist er denn nicht das ganze Jahr in Brunst?

Doch seine Triebe kennen keine Grenze –

dies Uhrwerk hat der liebe Gott verhunzt.

 

Der Vorgang ist in jedem Jahr derselbe:

man schwelgt, wo man nur züchtig beten sollt,

und man zerdrückt dem Heiligtum das gelbe

geblümte Kleid – ja, hat das Gott gewollt?

 

Die ganze Fauna treibt es immer wieder:

Da ist ein Spitz und eine Pudelmaid –

die feine Dame senkt die Augenlider,

der Arbeitsmann hingegen scheint voll Neid.

 

Durch rauh Gebrüll läßt sich das Paar nicht stören,

ein Fußtritt trifft den armen Romeo –

mich deucht, hier sollten zwei sich nicht gehören …

Und das geht alle, alle Jahre so.

 

Komm, Mutter, reich mir meine Mandoline,

stell mir den Kaffee auf den Küchentritt. –

Schon dröhnt mein Baß: Sabine, bine, bine …

Was will man tun? Man macht es schließlich mit.

 

Kurt TucholskyKurt Tucholsky

 

Bis zum nächsten Mal!

Ihre geneigte Simone Gröbli

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