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Alias Ulrich Kracher

von Josef Beda

»Hundert Schweizer Geschichten«, so heisst ein Büchlein, welches vom Nebelspalter-Verlag Rorschach im Jahr 1969 herausgegeben wurde. Interessant und amüsant zugleich sind nicht allein die – sogar über hundert – Geschichten, die in Schriftdeutsch abgefasst sind, und  – hie-und-da – mit »Mundart-Bröcken« verfeinert, einen besonderen Reiz erhalten.

Der Anfänger

Als Bundesrat Wahlen sein Amt eben erst angetreten hatte, wollte er einem höheren Beamten eines anderen Departements in dessen Büro einen Besuch abstatten. Er begab sich in den Flur, war dann aber doch nicht sicher, wo sich das Büro des Ge;uchten befand. Glücklicherweise kam ein Bundesweibel daher, und Bundesrat Wahlen wandte sich an ihn mit der Frage, ob er ihm sagen könne, wo sich das Büro des Herrn X. befinde, worauf er die treuherzige Antwort bekam: «I weiss es nit, Herr Bundesrat, i bi äbe au en Afänger.»

 

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Genauso interessant und amüsant ist die Herkunft dieser Kurzgeschichten. Alle in diesem Buch zusammengezogenen Beiträge erschienen nämlich vor der Veröffentlichung im oben abgebildeten Buch in drei Folgen aufgeteilt in den »Basler Nachrichten«. Der Verfasser der drei Geschichte-Reihen war Ulrich Kracher. – Kennt man Ulrich Kracher? Vielleicht, aber es handelt sich in diesem Fall um ein Alias, denn der richtige Name des Autors ist Peter Dürrenmatt; Sohn des Politikers Hugo Dürrenmatt und ein Vetter des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt.

Der Resignierte

Ein Basler von altem Stamm war – obschon bereits Mitte vierzig – immer noch ledig. Er wurde gefragt, weshalb er nicht geheiratet habe. «Ach, waisch», sagte er, «es isch mr verlaidet. Alli myni Brieder hän Geldseggel ghyrote und alli mini Schwestere Schoofs…!»

Also, das Büchlein enthält genau hundertsechsundzwanzig Kurzgeschichten, die teilweise auch mit adäquaten Zeichnungen illustriert sind.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Buchdeckel

 

 

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