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Widerstand – Herausforderung am Limit

von Strichli

Widerstand – ein Begriff, der für vieles stehen kann. In der Elektrotechnik ist er beispielsweise ein passives Bauelement, kann auch ein komplexes solches sein – Kondensator und Spule. Oft wird Widerstand jedoch erst in der Politik recht offensichtlich, dann, wenn gegenüber der Obrigkeit der Gehorsam verweigert wird. Diese Verweigerung kann bis zu aktiven oppositionellen Handlungen führen, die sehr gefährlich für beide Seiten und tragisch, ebenfalls für beide Seiten enden können. Denken wir an die politischen Widerstände der Bevölkerung – oder Bevölkerungsgruppen –  gegen die, bereits gestürzten, Regime in den Ländern des Nahen Ostens. In unserem Land wird versucht, dies von beiden Kontrahenten, einigermassen »auf dem Boden« zu bleiben. Ich war etwa Mitte Dreissig, als ich eine Auseinandersetzung sehr genau verfolgte, zu der ich nur mit gemischten Gefühlen, wenn überhaupt, eine klare Stellung bezogen habe können: Den Widerstand gegen die Erstellung des Waffenplatzes Neuchlen-Anschwilen bei Gossau im Kanton St. Gallen.

 Josef

 

Das oben abgebildete broschierte Buch, welches von einem Autorenkollektiv herausgegeben und von Richard Butz redigiert wurde, erschien 1992 im Labyrinth Verlag Trogen. Die Bilder zu diesem eindrücklichen Buch lieferte Gaston Isoz, der am 19. August 1969 in St. Gallen geboren wurde. Infolge Dienstverweigerung wurde er am 11. März 1992 vom Divisionsgericht 7 zu elf Monaten Gefängnis unbedingt verurteilt. 

Unter dem Titel »Wir bleiben, bis ihr geht!« hat Gaston Isoz eine Fotodokumentation über die an das Limit des noch Erträglichen herangeführte Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern des Waffenplatzes zusammengestellt. Der Titel des Buches ist nach meiner Auffassung etwas provokativ gewählt, denn schlussendlich: der Waffenplatz steht; keine Niederlage allerdings für die Gegner, sondern ein wichtiger Schritt, die Waffenplatz-Problematik in der Schweiz ganz fundamental zu betrachten und Lösungen zu finden. In unserer Schweizerischen Eidgenossenschaft auf der ganzen Welt einzigartig funktionierenden Demokratie wurde, auch dank der Verflechtung von Armee, Behörden und Bevölkerung – aller Bürgerinnen und Bürger dieses Landes -, ein Konsens gefunden, den man heute als wohlüberlegt bezeichnen darf. Manchmal wäre es ganz gut, wenn wir auch in persönlichen und tiefen privaten Angelegenheiten etwas mehr »Schweizerblut« zum Ausdruck und zur Geltung bringen würden!

 

Bild-Quellen:
Bild A: Buchdeckel

 

 

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