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Wenn die Jugendsprache unerträglich wird

von Strichli

«Echt geil» – ein Ausdruck, der aus dem Wortschatz der deutschen Sprache wohl kaum mehr wegzudenken ist; er ist vielseitig anwendbar. Alles kann geil sein – ein Buch, ein Auto, eine Wohnung, eine Party, die Arbeit, die Musik, die Kleidung, ein Gespräch, eben alles, was gerade gefällt. Die Steigerung von geil ist dann beispielsweise affen-geil, turbo-geil, oberaffen-geil, voll-geil. Der letzterwähnte Ausdruck gilt zudem auch für das – wenn meist auch nur momentane – umfassendere Wohlbefinden; das Gegenteil von geil ist ungeil. «Du siehst echt alt aus», meint nicht die Jahre die jemand auf dem Buckel hat, sondern die nicht ganz gute Situation, in welcher der Angesprochene sich gerade befindet. Und so mancher kommt hie und da auf den Psycho, weil so alles anders abläuft, als er sich das gerade ausgedacht und gewünscht hat. Und wenn das Gegenüber den Redenden oder eine Lösung, ein Buch, einen Beweis, versteht, dann rafft er es.

Es gibt n solcher Ausdrücke, die sich bei den Jungen entwickelt haben und auch in der Welt der Erwachsenen Einzug hielten und ihre Anwendung finden – kaum eine Person stört sich daran.

Sicher! – Es existieren Ausdrücke, die nicht nur persönlich genommen werden, sondern auch sehr verletzen können. Angeführt seien beispielsweise: «Du Schlauch», «Du Hohler», «Du Arsch».

Gegen solche Titulierungen kann man sich allerdings wehren, wenn man will und sofern es der Rufer auch verdient hat, der Wehr würdig ist -; es geht ja um die eigene Person, des Beurteilten. Viel mühsamer wird es, wenn man beispielsweise als Hurensohn bezeichnet wird. Es geht nun weiter, zu weit, denn: die – allfällige – Beleidigung »verlässt« die eigne Person, ein Mitmensch, Mitmenschen, eine Gruppe, die Umgebung werden dabei gleich mitbeleidigt; die Mitbeleidigten können sich aber nicht wehren. Sollten solche Benennungen aus dem Munde eines Jugendlichen kommen, ist es arg; wenn diese aus dem Rachen eines Erwachsenen hervorflammen, dann wird die blumige, etwas saloppe, nicht immer ganz fundamental zu definierende Jugendsprache – ganz einfach – unerträglich.

 

 

Die Jugendsprache ist wahrscheinlich schon immer existent, sie erweitert und entwickelt sich im Gange der Zeiten. Im Jahr 1985 ist im Econ-Verlag das oben abgebildete Taschenbuch mit dem Titel Lexikon der Jugendsprache erschienen. Claus Peter Müller-Thurau hat Ausdrücke gesammelt zusammengestellt und beschrieben, was in etwa darunter zu verstehen ist. Die Zeichnungen zu einigen Wortspielen stammen aus der Feder von Marie Marcks.
Eine geile, erfrischende und auch aufschlussreiche Dokumentation. Zugreifen! – Das Lexikon ist bei uns – buchplanet.ch -, dem Online-Shop für Gebrauchte Bücher, erhältlich.

 

Bild-Quellen:
Bild A; Buchdeckel

 

 

 

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