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Aberglaube, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

von Urs Steiner

Kräht der Hahn noch abends, so muss man sich auf Witterungsumschlag gefasst machen. (Sarganserland, 1916)

Wenn die Henne Gras pickt oder nicht unter Dach will, so glaubt man auf Regen, sucht sie hingegen früh ihr Lager auf, auf gutes Wetter schliessen zu müssen. (Sarganserland, 1916)

Raben sind die Begleiter Wodans. Ihr Geschrei verkündet Unglück. Doch sind sie auch die Ankläger der Mörder; so bei Meinrad. Einem Schlosser in Rottweil sollen sie (1721) das Schurzfell an den Galgen getragen haben, um ihn als Verbrecher anzuklagen.

Der Ruf der Aegersten und Krähen bedeutet Unglück.

Die Eule, ein gefürchtetes Hexentier, oft ein verwandelter Kobold, zeigt durch ihren Ruf den Tod an. Nagelt man sie ans Scheunentor, so schützt sie vor Hexenspuk und Blitz. Legt man den rechten Fuss und das Herz der Eule dem Schlafenden auf die Brust, so kann man ihn über Alles ausfragen.

Die Eule auf dem Dache bedeutet, dass im Hause jemand stirbt.

Die weissen Tauben stellen die unschuldigen Seelen, besonders bei Hinrichtungen, vor, auch den heiligen Geist. Turteltauben ziehen als Haustiere vielerlei Krankheiten an sich, gewähren also den Menschen willkommenen Schutz. Gegen Unterleibsentzündungen legt man eine frisch aufgeschnittene, blutende Taube auf. Hat man Turteltauben im Hause, ziehen sie alles Gift von Gicht und Rheuma an sich, ohne dass es ihnen schadet.

Der Kuckuck ist in der Sage ein verwünschter Bäckerknecht oder auch eine Jungfrau, welche den Tod ihres Bruders allzu sehr beklagt hat. Er verwandelt sich nach dem Volksglauben beliebig in einen Specht. Sein Küster ist der Wiedehopf. Der Kuckucksruf schliesst Glück in sich. Hat man Brot in der Tasche, wenn man ihn im Frühling zum ersten Male hört, so wird es einem in dem betreffenden Jahre nie an Brot gebrechen; hat man Geld bei sich, so hat man dessen immer genug. Den heiratslustigen Mädchen gibt der Kuckuck durch die Zahl, in der er ruft, an, wie viele Jahre sie noch auf den Freier zu warten haben.

Jedermann soll den Schwalben Obdach für ihre Nester geben; sie bedeuten „Friede im Haus“.

Wenn man die Geissmelker (Nachtschwalbe) rufen hört, war dies ein sicheres Zeichen für einen Wetterumschlag.

Schwalben bringen der Häusern, an und in denen sie nisten, Glück. Ziehen sie weg, so ist es ein Zeichen, dass in dem hause kein Friede mehr wohnt oder dass der Blitz einschlagen wird.

Dasselbe gilt vom Storch; nur trifft das Glück oder Unglück dort das ganze Dorf.

Das Rotkehlchen ist ebenfalls dem Donar heilig und schützt das Haus gegen Blitz, die Bewohner gegen Fallsucht. Plagt man die „Rothüseli“ oder „Husröteli“, so geben die Kühe rote Milch.

Wenn Spatzen im Sand baden, wird es bald Regen geben. (Lütisburg, 1972)

Der Gitzelilocker (vermutlich das Schneehuhn) kündete Schneefall an. Ebenso ungern sah man die weissen Schnee- oder Alpenhasen herumhüpfen. (Flumserberg, 1900)

Unter den Haustieren steht das Pferd obenan. Wie bei den Söhnen der Steppe heute noch, so gehörte es bei den alten Deutschen eigentlich zur Familie. Es war Wodans heiliges Tier und das beste Opfertier. Bei den grossen Festgelagen wurde es geschlachtet und sein Fleisch gegessen, sogar sein Blut getrunken. Der Genuss des Pferdefleisches musste auch einzelnen Stämmen bei der Christianisierung ausdrücklich gestattet werden, während man im Allgemeinen den Christen den Gebrauch des Pferdefleisches strenge verbot; hauptsächlich darin sollten sie sich äusserlich von den Heiden unterscheiden. Die weissen Rosse gehören den guten Göttern zu; sie sind auch die Königsrosse. Das Pferd ist heute noch geistersichtig. Sein Wiehern bedeutet Glück. Jedes der zufälligen Zeichen, wie Stern und Weissfuss etc. hat seine besondere Bedeutung.

Der Hund ist ebenfalls geistersichtig. Sein nächtliches Heulen zeigt einen Todesfall an. Ein schwarzes, kurzhaariges Hündchen befreit uns von der Gicht, wenn wir’s zu uns ins Bett nehmen.

Der heulende Hund im Hause bedeutet, dass im Hause jemand stirbt.

Heult der Hund während des Läutens der Kirchenglocken, so ereignet sich ein Unglück. (Sarganserland, 1916)

Die Katze ist das Tier der Freija; sie zieht ihren Wagen. Mit den Hexen steht sie in engerer Beziehung als jedes andere Tier. Ihr Miauen bedeutet Unglück, Feuer, Lawinen, Bergstürze. Läuft sie uns über den Weg, so haben wir kein Glück. Wer ein Katzenhaar verschluckt, bekommt die Schwindsucht. Putzt sie sich, so haben wir Gäste zu erwarten. Eine Feuersbrunst löscht man, indem man eine dreifarbige Katze rückwärts ins brennende Haus wirft.

Frist die Katze Gras oder wird sie während des Tages von Schlafsucht befallen, so steht Regen in Aussicht. Putzt sie sich, so kann mit Besuch, fährt sie sich mit den Pfoten über die Ohren, mit einem angenehmen Gast gerechnet werden. (Sarganserland, 1916)

Wenn die Katze gemütlich ihre Schnauze putzt, ist Aussicht auf gutes Wetter da.

Der Bock zieht den Wagen Thor’s und ist ein rechtes Teufelstier. Er erscheint gern an Orten, wo sich jemand gehängt hat.

Wenn sich die Ziege stark und anhaltend schüttelt, so steht Regen bevor. (Sarganserland, 1916)

 

Fortsetzung folgt!

 

 

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