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Archiv vom August, 2012

30. August 2012

Hirnwurm-21

by Josef Beda

Wie versprochen beginnen wir heute Donnerstag, 30. August mit der dritten Staffel unserer Hirnwurm-Serien. Sie können an diesem Wettbewerb teilnehmen, wenn Sie uns Ihre Lösung per e-mail in unseren Briefkasten mit der Anschrift info@buchplanet.ch legen. Bei mehreren richtigen Lösungen entscheidet das Los über die Vergabe des Gutscheins im Wert von CHF 18.00 – wenn keine richtige Lösung eingeht, wird dieser Betrag in den Jackpot gelegt und dem Preis für die richtige und ausgeloste Antwort auf die nächste Aufgabe zugerechnet.

 

Simon Enzler fällt bei seinen Auftritten mit seinem markanten Appenzeller-Dialekt auf. Im Jahr 2007 gewann er den »Salzburger Stier«. Dieser Radio-Preis für deutschsprachiges Kabarett wird seit 1982 alljährlich an je einen Vertreter der Kleinkunst aus Österreich, Deutschland und der Schweiz verliehen. In der Sparte Comedy erhielt Simon Enzler im Jahr 2008 den Prix Walo. – Obenstehendes Bild zeigt Enzler bei seiner Rede anlässlich der Preisverleihung. – In diesem Jahr wurde der auch als Hörkolumnist arbeitende Kabarettist mit dem Schweizer-Kabarett-Preis Cornichon ausgezeichnet.

Wie schon Simon Enzler, der am 10. März 1976 in Appenzell, dem Hauptort vom Kanton Appenzell Innerrhoden, geborene Kabarettist und Satiriker, in seiner Kabarett-Nummer »Die Grünen« sagt: «Komische Leute gibt es.», musste Herr Norbert Kümmerlin feststellen, dass es wirklich wahr ist, dass es komische Leute gibt. Herr Kümmerlin war auf Geschäftsreisen und verbrachte seinen Feierabend in einem kleinen Restaurant. Da er keine leeren Tische vorfand, setzte er sich zu einem anderen Herrn – sie tranken zusammen einen guten Wein und kamen ins Gespräch – sie boten sich gegenseitig das Du an. Robert fragte Norbert: «Siehst du die sieben Männer, die am hinteren Tisch sitzen?», und er ergänzte: «Die sind alle miteinander verwandt.» Norbert fragte – noch nichts ahnend: «Wie sind sie denn miteinander verwandt?»

 

 

Noch konnte der Geschäftsreisende, Herr Norbert Kümmerlin nicht ahnen, auf welches »Geistige Labyrinth« er sich bei seiner Fragestellung eingelassen hat.

«Die Sache ist so», begann Robert, «diese Herren heissen Alex, Beda, Cédric, David, Elmar, Fredy und Georg. Einer von ihnen ist Hotelier, der andere Ingenieur, der dritte Jurist, einer ist Orgelbauer, einer Lehrer, einer Bildhauer und einer ist der Präsident unserer Gemeinde.» Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Schluck Wein fuhr er fort: «Der Vater von Alex ist der Lehrer, der Bruder von Cédrics Vater ist der Schwiegervater von Elmars Schwester. Der Schwager von David ist der Bildhauer, der Sohn von Fredy ist der Hotelier. Der Bruder von Cédric ist der Ingenieur, und Beda ist der Onkel des Hoteliers. Der Bruder von Alex ist der Jurist. Der Vater von Fredy ist der Präsident der Gemeinde und Cédric ist der Cousin vom Hotelier. – So jetzt weisst du, wie die sieben Herren miteinander verwandt sind.»

 

Obenstehende Abbildung zeigt das »Gewöhnliche europäische Verwandtschaftssystem». Zusätzlich zu diesen Angaben kann noch festgehalten werden, dass als Schwager bzw. Schwägerin, einerseits der Ehepartner eines Bruders oder einer Schwester und auch die Geschwister eines Ehepartners bezeichnet werden.

Können Sie unserem lieben Freund Norbert helfen, die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Herren zu klären und – wenn schon, dann schon – den sieben Herren auch die im Gespräch erwähnten Berufe zuzuordnen?

Unsere Fragen: Wie sind die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den sieben Herren und welche Berufe üben die Herren aus?

Wettbewerbsbestimmungen:

Am Wettbewerb «Hirnwurm-21» können unsere Blog-Leserinnen und -Leser teilnehmen, ausgeschlossen sind das Personal und die Mitarbeitenden der Stiftung Tosam.
Die Antworten können uns per e-mail: info@buchplanet.ch zugestellt werden. Bei mehreren richtig eingehenden Lösungen, wird der Preis ein Gutschein im Wert von CHF 18.00 ausgelost.
Der Gewinner wird von uns per e-mail benachrichtigt und den Gutschein-Code erhalten. Dieser Code kann bei der nächsten Bestellung in das entsprechende Feld eingegeben werden.
Der Betrag von CHF 18.00 wird vom Rechnungsbetrag, zusammengesetzt aus den Preisen der bestellten Bücher und den Versandkosten, in Abzug gebracht. Eine teilweise Einlösung des Gutscheins ist nicht möglich – beim Gebrauch verfällt ein allfälliger Restbetrag.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs erklären sich mit den Bestimmungen einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen (OR 513).

Einsendeschluss: Freitag, 14. September 2012

 

Bild-Quellen:
Bild A: www.prixwalo.ch
Bild B: www.job-hop-blog.de
Bild C: Wikipedia

 

 

28. August 2012

Repdigit – Herr Frank Baumann

by Josef Beda

Repdigit – englisch für »repeated digits«, in die deutsche Sprache übersetzt »wiederholte Ziffern «- ist die mathematische Bezeichnung für eine Schnapszahl – für eine »wirkliche« Schnapszahl! Denn der Begriff »Schnapszahl« wird im Unterschied zur mathematischen Definition in der Gesellschaft oft uneinheitlich angewendet. Zahlen wie zum Beispiel 121 oder 8778 oder 55755 sind achsensymmetrische Ziffernfolgen – es sind keine Repdigit, werden trotzdem oft als Schnapszahlen bezeichnet. Ebenso werden Zahlen wie 69 oder 9006 oder 86098, also Zahlen die, wenn man sie auf den Kopf stellt, den gleichen Wert wie vor der Drehung aufweisen, als Schnapszahlen bezeichnet – auch diese Zahlen sind keine Repdigit. Eine Schnapszahl im engeren Sinn – so wie sie meistens auch als solche wahrgenommen und bezeichnet wird – und mit der mathematischen Definition konform ist -, ist eine mehrstellige Zahl, die ausschliesslich durch identische Ziffern dargestellt wird.

 

 

Die Bezeichnung einer Zahl mit gleichen Ziffern als Schnapszahl ist wohl darauf zurück zu führen, dass bei übermässigem Alkoholkonsum – zum Beispiel Schnaps – eine Ziffer doppelt bis mehrfach gesehen wird. Im Bereich der Esoterik – auf dem spirituellen Erkenntnisweg – können Schnapszahlen eine besondere Bedeutung haben.

Die 55 bedeutet im Chinesischen, weil 5 + 5 = 10, die geballte Hand! Das heisst dann auch: Setze dir Ziele im Leben, gehe diese an, und du wirst sie erreichen. Die Zahl 55 gilt auch als Engelszahl und meint: Es ist Zeit loszulassen, was nicht länger funktioniert und dieses Losgelassene durch Besseres zu ersetzen. Sie steht ebenfalls für den Buchstaben f, welcher die geistige Lebensmitte bedeutet, für Wiedergeburt steht, Erkenntnisfähigkeiten vermittelt und auch als Prüfstein zu interpretieren ist. Ja, was soll es? – ich habe meinen fünfundfünfzigsten Geburtstag bereits – drei Jahre –  hinter mir und kann sagen, dass sich durch diesen »Grossanlass« in meinem Leben nichts Grundsätzliches verändert hat – weder im Guten, noch im Schlechten.

 

Heute, am 28. August 2012 kann Herr Frank Baumann, bekannt als Radio- und Fernsehmoderator, als Fernsehproduzent, Werbefachmann, Texter, Unternehmer und Satiriker, seinen 55. Geburtstag feiern. Die obenstehende Fotografie wurde anlässlich des »KMU-Tag St. Gallen« vom 27. Oktober 2006, an dem über 1000 Persönlichkeiten teilnahmen, aufgenommen.

Frank Baumann arbeitete – nach Abschluss seines Studiums an einem Wirtschaftsgymnasium – vorerst bei Radio 24 und stieg nach einem Unterbruch von drei Jahren beim Schweizer Radio DRS wieder ein. Seine Fernsehkarriere startet er 1996 beim Schweizer Fernsehen DRS mit der Sendung »Ventil«. Für diese Sendung wurde Frank Baumann 1999 am Festival »Rose d’Or«, einem der weltweit bedeutendsten Festivals der Fernsehunterhaltung, in der Kategorie Humor ausgezeichnet.

 

Das Festival Rose d’Or wurde im Jahr 1991 in Montreux gegründet. Aus über 40 Ländern nehmen an diesem jährlich stattfindenden Festival Fernsehschaffende, Produzenten, Verantwortliche von privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen und Leiter von Produktionsfirmen teil. Obenstehende Abbildung zeigt das Logo des Festivals, welches bis 2003 in Montreux stattfand und seit 2004 im KKL (Kultur- und Kongresszentrum Luzern) durchgeführt wird.

Neben diesem Award erhielt er für sein Wirken zahlreiche weitere nationale und internationale Auszeichnungen und wurde für die TV-Sendung »Ein Fisch für 2« für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Frank Baumann gründete 1989 seine eigene Werbefirma und 1998 die »Wörterseh Entertainment GmbH«. Zusammen mit seiner Ehefrau Gabriele Baumann-von Arx betreibt er einen Verlag, welcher erfolgreich Bücher herausgibt, aber auch inspiriert und kommuniziert.

 

Im »Das Verkehrsbuch der Schweiz«, welches im Jahr 2009 anlässlich des Fünfzig-Jahr-Jubiläums des »Verkehrshaus der Schweiz« herausgegeben wurde, schrieb Frank Baumann als einer der prominenten Gastautoren unter dem Titel »2059: ein Besuch im Verkehrshaus« eine lustige, kritische und auch besinnliche Geschichte.

Zu Ihrem heutigen »schnapszahligen« fünfundfünfzigsten Geburtstag gratuliere ich Ihnen – Herr Frank Baumann – recht herzlich, und wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Lebensweg und in Ihrem vielseitigen Wirken weiterhin alles Gutes und viel Erfolg.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: www.hogenkamp.com
Bild C: Wikipedia
Bild C: Buchdeckel

 

 

27. August 2012

Sie nimmt ab – jede Sekunde eine Million Tonnen • Teil 1/2

by Josef Beda

Nachdem am 22. Juli 1962 die mit der Raumsonde Mariner 1 als Nutzlast bestückte Rakete Atlas Agena B kurz nach ihrem Start, weil sie vom Kurs abkam, gesprengt werden musste, erfolgte der Start der Mariner 2 ebenfalls als Nutzlast einer Atlas Agena B am 27. August 1962 – vor fünfzig Jahren! – erfolgreich. Mariner 2 wurde auf den Weg zur Venus geschickt, an der sie am 14. Dezember gleichen Jahres in einer Entfernung von etwa 35’000 km vorbeiflog. Alle Messgeräte, welche die Sonde mitführte, funktionierten nach verschiedenen vorgängigen Störungen der Sonde überraschend einwandfrei und lieferten der NASA wichtige und interessante Daten. Sie Sonde ermittelte eine Temperatur der Venus von 425 Grad Celsius und konnte in der Atmosphäre keinen Wasserdampf feststellen, sie bestimmte die obere Höhe der Wolkenschicht zwischen 55 km und 80 km – am 3. Januar 1963 fiel Mariner 2 definitiv aus.

 

Obenstehendes Bild zeigt die  Sonde Mariner 2, welche 203 kg wog, wobei etwa 19 kg auf die Messinstrumente fielen. Die Instrumentierung umfasste Detektoren für die Messung von hochenergetischer Teilchenstrahlung – der kosmischen Strahlung -, Staub und Ionen, ein Magnetometer – auch als Teslameter bezeichnet – zur Messung der magnetischen Flussdichten, bzw. der magnetischen Induktion, einem Mikrowellenradiometer für die Messung von elektromagnetischen Wellen von 1 GHz bis 300 GHz sowie einem Infrarotradiometer zur Messung der elektromagnetischen Wellen im Bereich von 300 GHz bis 400 THz.

Doch »so nebenbei« entdeckte Mariner 2 auf ihrem Weg zur Venus den Sonnenwind, dessen Existenz der deutsche Physiker Ludwig Biermann bereits im Jahr 1951 voraus sagte; doch Biermann wurde damals noch nicht ernst genommen.

 

Ludwig Franz Benedikt Biermann (* 13. März 1907; † 12. Januar 1986) studierte an der Hochschule Hannover, den Universitäten München und Freiburg und erwarb im Jahr 1932 an der Universität Göttingen den Titel Ph. D. – ein wissenschaftliches Forschungsdoktorat. Nachher arbeitete er auf den Gebieten Astrophysik und Plasmaphysik in Edinburgh, Jena, Berlin und Hamburg. Biermann wurde am Marx-Planck-Institut für Physik und Astrophysik zuerst in Göttingen und im Jahr 1958 in München Direktor und widmete sich seinem Hauptgebiet, der theoretischen Astrophysik.

Am 2. Januar 1959 schossen die UdSSR – vom Weltraumbahnhof Baikonur aus – die Mondsonde Lunik 1 als Nutzlast einer Wodstok-Trägerrakete ins All. Die erste Mondsonde der Welt sollte geplanter Weise eigentlich auf dem Mond aufschlagen; Sie verpasste ihr Ziel knapp und flog zwei Tage nach ihrem Abschuss am Mond in einem Abstand von 6000 km vorbei. Am 5. Januar gleichen Jahres konnte von ihr das letzte Signal empfangen werden.

 

Lunik 1 war die erste Raumsonde der Welt. Sie hatte eine Masse von etwa 360 kg und wurde mit einer Wodstok 8K72 mit dem Ziel auf dem Mond aufzuschlagen ins Weltall geschossen. Dieses geplante Ziel erreichte sie zwar nicht und stiess unkontrolliert weiter ins All vor. Aber: Die Mondsonde wies erstmals die Existenz des Sonnenwindes nach.

Der Sonnenwind ist ein Strom geladener Teilchen – hauptsächlich bestehend aus Elektronen, Protonen und zerfallenden Helium-Atomen -, welcher von der Sonne ins Universum strömt. Weil elektrisch neutrale Atome in diesem Strom nur in kleinem Umfang vorhanden sind, handelt es sich beim Sonnenwind um ein Plasma. Es gibt den langsamen Sonnenwind, der eine Geschwindigkeit von etwa 400 km/s erreicht und den schnellen Sonnenwind, welcher eine Geschwindigkeit zwischen 800 km/s und 900 km/s aufweist. Der schnelle Sonnenwind tritt an den Löchern der Sonnenkorona – der sehr dünnen »Atmospähre« der Sonne  -, die gegenüber ihren Umfeldern eine um Faktor 100 kleinere Temperatur und kleinere Dichte besitzen, aus.

 

Bild-Quellen:
Bild A: www.mariner.seebyseeing.net
Bild B: www.mpa-garching.mpg.de
Bild C: www.arcisateculura.it

 

 

23. August 2012

Der General

by Josef Beda

Im Buch mit dem Titel »Der General – Die Schweiz im Krieg 1939-45« schildert der Autor Hans Rudolf Schmid die Bedrohungslage der Schweiz. Bereits im vorderen Vorsatzpapier ist eine doppelseitige Karte abgebildet, die in eindrücklicher Weise zeigt, wie die Schweiz von den drei Mächten – den Achsentruppen, den Alliierten und den Russischen Truppen – eingeschlossen ist.

 

 

Im ersten Kapitel Mein Weg zum General erzählt der Autor, wie er den General kennen gelernt hat. In den weiteren Kapiteln, die reich mit schwarz-weissen Fotografien enthalten, werden die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges erläutert, die Wahl von Henri Guisan zum Oberbefehshaber der Armee, die Mobilmachung, der Verlauf der Anstrengungen um das Überleben der Eidgenossen. Das Buch dreht sich besonders auch um das Leben und Wirken von General Henri Guisan, seiner Beziehung zur Armee, zum Volk und zur Politik. Ebenfalls kommen seine persönlichen Beziehungen, beispielsweise zu einem seiner besten Freunde, zu Bundesrat Dr. h.c. Rudolf Minger, welcher heute vor 57 Jahren, am 23. August 1955 im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

 

 

Ein Kapitel widmet sich der Trauerfeier in der Kathedrale Notre Dame in Lausanne und der Beisetzung auf dem Friedhof in Pully des verdienten Generals. Viele Denkmäler, Gedenksteine, Namen von Strassen, Kasernen und selbst ein Asteroid erinnern – nebst vielen Porträtfotografien, die heute noch in Wirtschaften und Häusern an den Wänden hangen – an General Henri Guisan.

 

 

21. August 2012

»Der Erste Schock« – »Der Zweite« folgte gleich

by Josef Beda

Am 21. August1957 – also vor 55 Jahren – brachte es die dmalige UdSSR fertig, den weltweit ersten erfolgreichen Testflug einer Interkontinentalrakete durchzuführen. Die R-7 wurde unter der Leitung von Sergei Pawlowitsch Koroljow in der Sowjetunion entwickelt und gebaut.

 

Sergei Pawlowitsch Koroljow (* 30. Dezember 1906 ; † 14. Januar 1966) war ein sowjetischer Konstrukteur von Raketen und Satelliten. Seine Ideen und sein Führungsstil kann vielleicht mit zwei Zitaten zusammengefasst werden: «Je einfacher eine Konstruktion ist, desto genialer ist sie. Kompliziert bauen kann jeder.» und «Finden wir eine Kompromisslösung – machen wir es so, wie ich es sage.» Der  Weltraumpionier spielte in der Geschichte der Raumfahrt eine sehr wichtige Rolle. Seine Urne wurde in der Kremelmauer beigesetzt – eine sehr hohe Ehre. In der nach ihm benannten Stadt Koroljow erhielt Sergei Pawlowitsch Koroljow ein Denkmal.

Die erste »Sapwood«, dies war der NATO-Codename für die Rakete, hatte eine Höhe von 34 m, einen Durchmesser von 3 m und wog 280 Tonnen. Beim ersten erfolgreichen Testflug auf einer ballistischen Flugbahn legte die R-7 eine Entfernung von 6000 km zurück. Alarm! – Interkontinentalraketen werden vor allem als militärische Raketen eingestzt, können mit Atomboben als »Nutzlast« bestückt werden, und, eine mögliche Flugweite von 6000 km genügt, um von der UdSSR in die USA zu gelangen. Für die westliche Welt war der Erfolg der Sowjetunion – ein Meilenstein im Wettrüsten während des Kalten Krieges – ein Grund zur Sorge, denn in den Vorjahren hatte sich das politische Klima zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR zunehmend verschlechtert.

 

Das obenstehede Bild zeigt eine R-7, eine Trägerrakete, die in den UdSSR entwickelt und gebaut wurde. Die heutigen im Einsatz stehenden Sojus-Raketen entsprechen im Wesentlichen unverändert der R-7. Sie gilt als die zuverlässigste Rakete.

Nachdem die sowjetische Nachrichtenagentur TASS den Testflug am 26. August offiziell bekannt gegeben hat, wurde nur neunzig Tage später, am 4. Oktober 1957, der erste künstliche Erdsatellit ins All gebracht. Und wieder waren es die UdSSR, welchen es gelang einen neuen Höhepunkt in der Vorwärtsstrategie zwischen Ost und West, den Beginn der Raumfahrt, zu setzen. Für der westliche Welt war dies der »Zweite Schock«, der mit dem Begriff »Sputnik-Schock« benannt wurde. Bis zu diesen zwei Ereignissen waren es immer die USA, die der Sowjetunion eine Nasenlange voraus waren, doch ab diesem Datum begann nun auch der Wettlauf in der Raumfahrt, der Wettlauf im Weltraum. Sputnik 1, so lautete die Bezeichnung für den ersten Satelliten, wurde mit einer Trägerrakete R-7 in das All geschossen. Der Tatsache, dass die UdSSR in der Lage waren mit ihren Raketen den Weltraum zu erreichen folgte, dass die östliche Supermacht jeden Punkt der Erde hätte erreichen – beschiessen – können.

 

Sputnik 1 war 92 Tage im Orbit. Seine Umlauzeit um die Erde betrug etwa 96 Minuten. Die Flughöhe lag zuerst zwischen 215 km und 940 km, sank jedoch kontinuierlich bis er am 4. Januar 1958 in der Atmosphäre verglühte.

Und bevor es die USA schafften einen Satelliten in den Weltraum zu bringen, taten es die UdSSR am 3. November 1957 erneut. Sputnik 2 umkreiste die Erde in 162 Tagen 2250 mal. Im Gegensatz zu Sputnik 1, der kugelförmig gebaut war und lediglich 84 kg wog, wies Sputnik 2 eine kegelförmige Form auf und wog 508 kg. Mit Sputnik 2 wurde auch das erste Lebewesen in den All gebracht – die Hündin Laika. Es war geplant, dass Leika zehn Tage überleben, ausreichende Daten ihrer Körperfunktion liefern und danach mit portioniertem Giftfutter schnell und sanft getötet werden sollte. Doch Laika starb vermutlich etwa sieben nach dem Start an Stress – verursacht aus einer Mischung von Lärm, Vibrationen und starker Beschleunigung – sowie zu grosser Hitze.

Die obenstehende Abbildung zeigt das Kosmonautenmuseum in Moskau. Auf dem Dach des Flachbaues, welcher die Ausstellung der sowjetischen Raumfahrt, ihre Technik und Kultur beherbergt, steht das 107 Meter hohe Denkmal zu Ehren der »Eroberer des Weltraums« – auch die Hündin Leika hat hier ihren Platz erhalten.

Laika hat in ihrer kurzen Mission jedoch bewiesen, dass Lebewesen unter Schwerelosigkeit überleben können – bis dahin war dies nicht bekannt. Sie leistete somit einen wichtigen unerlässlichen Beitrag zur späteren bemannten Raumfahrt, die ohne ihr Opfer so nicht möglich geworden wäre.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia

20. August 2012

Europas höchstgelegene Trambahn

by Josef Beda

Am 20. August 1898 fand die feierliche offizielle Eröffnung der Gornergrat-Bahn, hinter der Jungfrau-Bahn die zweithöchste Bergbahn in Europa, statt. Die Bauarbeiten der 9030 m langen Zahnrad-Bahn begannen im Jahr 1896, und am 24. November 1897 fuhren bereits die ersten drehstrombetriebenen Lokomotiven über die Strecke, die von Zermatt auf den 3089 Meter über Meer liegenden Gornergrat führt. Die Spurweite beträgt 1000 mm und die maximale Steigung liegt bei 20%. Zehn Jahre nach der Eröffnung wurde die Strecke in Richtung Gipfel um 310 m, auf die heutige Länge von 9340 m verlängert.

 

Auf dem Gipfel des Gornergrates steht das Kulmhotel Gornergrat mit den beiden von Weitem erkennbaren Kuppeln der Observatorien, die zu den höchstgelegenen Sternwarten der Alpen zählen. Im südlichen Turm befindet sich ein Radioteleskop der Universität Köln mit einem Durchmesser von 3 Metern. Im Nordturm befindet sich ein öffentlich zugängliches Teleskop.

Die Bahn ist die erste elektrisch betriebene Zahnradbahn der Schweiz. Die ersten Lokomotiven wurden noch mit einer elektrischen Spannung von 550 V und einer Frequenz von 40 Hz gespiesen; Im Jahr 1930 wurde dann die Spannung auf 750 V und die Frequenz auf den in der Schweiz üblichen Wert, auf 50 Hz, geändert. Der kleinste Kurvenradius der Gleise beträgt 80 Meter.

 

Obenstehede Fotografie zeigt das 93 Meter lange und 50 Meter hohe Findelbach-Viadukt, welches bereits nach 1.75 km Fahrt ab Talstation ein erster Höhepunkt der Reise auf den Gornergrat darstellt und zu den beliebtesten Fotomotiven der Gornergrat-Bahn zählt. [Auf das Bild klicken und eine Fahrt von Zermatt auf den Gornergrat ansehen.]

Fährt man mit der Gornergratbahn von Zermatt Richtung Gornergrat, passiert man die Stationen Findelbach, Riffelalp, Riffelboden, Riffelberg, Rotenboden und erreicht nach einer Fahrzeit von etwa 45 Minuten den Gornergrat. Der Gipfel des Gornergrates verspricht ein unvergessliches Naturerlebnis, aber auch alle fünf Zwischenstationen haben vieles zu bieten – laden zu Spaziergängen und Entdeckungswanderungen ein. Kurz vor der Mitte der Strecke befindet sich die auf 2211 Meter über Meer liegende Riffelalp. Auf dieser Alp befindt sich die höchstgelegene Trambahn Europas. Sie führt auf einer Strecke von 675 Meter Länge von der Bahnstation der Gornergratbahn zum Hotel Riffelalp.

 

Die Strassenbahn auf der Riffelalp weist eine Spurweite von 800 mm auf. Sie ist auf 2211 Meter über Meer gebaut höchstgelegene und mit 675 Metern Länge zugleich auch die kürzeste Tramlinie in Europa.

Das Riffelalp-Tram wurde am 13. Juli 1899 eröffnet. Dem Bau der Strecke gingen Streitigkeiten zwischen dem Hotelpionier Alexander Seiler (* 1819 – † 1891) und der Gemeinde Zermatt, welche einen Strassenbau zwischen der Station Riffelalp und dem Hotel verhinderte, voraus. Kurz entschlossen beantragte Seiler beim Bundesrat eine Konzession für eine Tramlinie. Diese wurde ihm erteilt und die Gemeinde Zermatt musste einlenken, denn mit einer Konzession für den Bau einer »Eisenbahnlinie« hatte er gleichzeitig auch das Recht zur Enteignung des dazu benötigten Bodens.

 

Alexander Seiler, Sohn einer Walliser Bauernfamile, war der Begründer der Schweizer Hoteldynastie, welche heute unter dem Namen »Seiler Gruppe« bekannt ist.

Nachdem in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1961 das im Jahr 1884 eröffnete Grand-Hotel durch einen Brand vollständig zerstört wurde, stellte man den Trambetrieb ein. Im Zuge der Erstellung eines neuen Luxus-Hotels wurde die Tramlinie vollumfänglich erneuert, die Fahrzeuge renoviert und der Betrieb der höchstgelegenen Strassenbahn Europas wurde im Jahr 2001 – 202 Jahre nach der Eröffnung – wieder aufgenommen. Aufgrund neuer Vorschriften wird heute das Tram nicht wie einst von einer Oberleitung, sondern von Akkumulatoren gespiesen.

 

Obenstehdes Bild zeigt das 5-Sterne-Superior-Hotel »Riffelalp Ressort« auf 2222 Metern über Meer. Mit dem Bau wurde im Jahr 1998 begonnen. Es verfügt über 65 Zimmer, 5 Suiten und 2 Appartements; über 140 Betten.

Von der Station Rotenboden aus ist mit einer etwa vierstündigen »Wanderung« die »Neue Monte-Rosa-Hütte« erreichbar. Der Weg über den Gornergletscher ist jedoch anspruchsvoll – Steigeisen und Seil, sowie gute Bergsteigererfahrung sind Voraussetzungen für die Tour. Das futuristisch anmutende Gebäude steht auf 2883 Meter über Meer – rund hundert Meter oberhalb der alten Hütte, welche am 14. Juli 2011 von der Armee gesprengt wurde.

 

Die »Neue Monte-Rosa-Hütte« ist von den Viertausendern Castor (4223), Pollux (4092), Lyskamm (4527) und dem Monte-Rosa-Massiv mit der Dufourspitze (4634) und dem Matterhorn (4478) umgeben.

Die »Neue Monte-Rosa-Hütte« wurde zum 150-Jahr-Jubiläum der ETH Zürich am 25. September 2009 eröffnet. Sie besitzt weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss; Die Infrastruktur des Gebäudes mit dem Namen »Bergkristall« ist dennoch komfortabel und äusserst modern. Die benötigte Energie wird bei schönem Wetter regenerativ erzeugt und für Schlechtwetter-Zeiten steht ein mit Rapsöl und Diesel betriebenes Blockheizkraftwerk zur Verfügung. Die Hütte besitzt 120 Übernachtungsplätze und dient der ETH auch als Forschungsobjekt in den Bereichen Energie- und Gebäudetechnik.

Die nachstehende Abbildung zeigt die Vorderseite des Einbandes des Buches mit dem Titel »Gornergrat retour – Das Matterhorn und die Gornergratbahn«. Das 128 Seiten zählende Buch enthält 29 Farbbilder, rund 70 schwarz-weisse Abbildungen, Panoramen und Kärtchen, sowie 14 Tabellen.

 

Nicht mehr ganz aktuell, aber trotzdem ein interessantes Buch, ist es im Jahr 1982 als 2. Auflage im Orell Füssli Verlag unter dem »Titel Gornergrat retour« erschienen. Die österreichische Autorin Verena Gurtner schildert in ihrem Ferienbuch, wie sie es nennt, die Bergwelt rund um das Matterhorn und vermittelt viel Wissen über die Gornergrat-Bahn.

 

Bild-Quellen:
Bild A: www.zermattguide.ch
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: www.seilerhotels.ch
Bild E: www.riffelalp.com
Bild F: Wikipedia
Bild G: Buchdeckel

 

 

17. August 2012

Aberglaube, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

by Urs Steiner

Kräht der Hahn noch abends, so muss man sich auf Witterungsumschlag gefasst machen. (Sarganserland, 1916)

Wenn die Henne Gras pickt oder nicht unter Dach will, so glaubt man auf Regen, sucht sie hingegen früh ihr Lager auf, auf gutes Wetter schliessen zu müssen. (Sarganserland, 1916)

Raben sind die Begleiter Wodans. Ihr Geschrei verkündet Unglück. Doch sind sie auch die Ankläger der Mörder; so bei Meinrad. Einem Schlosser in Rottweil sollen sie (1721) das Schurzfell an den Galgen getragen haben, um ihn als Verbrecher anzuklagen.

Der Ruf der Aegersten und Krähen bedeutet Unglück.

Die Eule, ein gefürchtetes Hexentier, oft ein verwandelter Kobold, zeigt durch ihren Ruf den Tod an. Nagelt man sie ans Scheunentor, so schützt sie vor Hexenspuk und Blitz. Legt man den rechten Fuss und das Herz der Eule dem Schlafenden auf die Brust, so kann man ihn über Alles ausfragen.

Die Eule auf dem Dache bedeutet, dass im Hause jemand stirbt.

Die weissen Tauben stellen die unschuldigen Seelen, besonders bei Hinrichtungen, vor, auch den heiligen Geist. Turteltauben ziehen als Haustiere vielerlei Krankheiten an sich, gewähren also den Menschen willkommenen Schutz. Gegen Unterleibsentzündungen legt man eine frisch aufgeschnittene, blutende Taube auf. Hat man Turteltauben im Hause, ziehen sie alles Gift von Gicht und Rheuma an sich, ohne dass es ihnen schadet.

Der Kuckuck ist in der Sage ein verwünschter Bäckerknecht oder auch eine Jungfrau, welche den Tod ihres Bruders allzu sehr beklagt hat. Er verwandelt sich nach dem Volksglauben beliebig in einen Specht. Sein Küster ist der Wiedehopf. Der Kuckucksruf schliesst Glück in sich. Hat man Brot in der Tasche, wenn man ihn im Frühling zum ersten Male hört, so wird es einem in dem betreffenden Jahre nie an Brot gebrechen; hat man Geld bei sich, so hat man dessen immer genug. Den heiratslustigen Mädchen gibt der Kuckuck durch die Zahl, in der er ruft, an, wie viele Jahre sie noch auf den Freier zu warten haben.

Jedermann soll den Schwalben Obdach für ihre Nester geben; sie bedeuten „Friede im Haus“.

Wenn man die Geissmelker (Nachtschwalbe) rufen hört, war dies ein sicheres Zeichen für einen Wetterumschlag.

Schwalben bringen der Häusern, an und in denen sie nisten, Glück. Ziehen sie weg, so ist es ein Zeichen, dass in dem hause kein Friede mehr wohnt oder dass der Blitz einschlagen wird.

Dasselbe gilt vom Storch; nur trifft das Glück oder Unglück dort das ganze Dorf.

Das Rotkehlchen ist ebenfalls dem Donar heilig und schützt das Haus gegen Blitz, die Bewohner gegen Fallsucht. Plagt man die „Rothüseli“ oder „Husröteli“, so geben die Kühe rote Milch.

Wenn Spatzen im Sand baden, wird es bald Regen geben. (Lütisburg, 1972)

Der Gitzelilocker (vermutlich das Schneehuhn) kündete Schneefall an. Ebenso ungern sah man die weissen Schnee- oder Alpenhasen herumhüpfen. (Flumserberg, 1900)

Unter den Haustieren steht das Pferd obenan. Wie bei den Söhnen der Steppe heute noch, so gehörte es bei den alten Deutschen eigentlich zur Familie. Es war Wodans heiliges Tier und das beste Opfertier. Bei den grossen Festgelagen wurde es geschlachtet und sein Fleisch gegessen, sogar sein Blut getrunken. Der Genuss des Pferdefleisches musste auch einzelnen Stämmen bei der Christianisierung ausdrücklich gestattet werden, während man im Allgemeinen den Christen den Gebrauch des Pferdefleisches strenge verbot; hauptsächlich darin sollten sie sich äusserlich von den Heiden unterscheiden. Die weissen Rosse gehören den guten Göttern zu; sie sind auch die Königsrosse. Das Pferd ist heute noch geistersichtig. Sein Wiehern bedeutet Glück. Jedes der zufälligen Zeichen, wie Stern und Weissfuss etc. hat seine besondere Bedeutung.

Der Hund ist ebenfalls geistersichtig. Sein nächtliches Heulen zeigt einen Todesfall an. Ein schwarzes, kurzhaariges Hündchen befreit uns von der Gicht, wenn wir’s zu uns ins Bett nehmen.

Der heulende Hund im Hause bedeutet, dass im Hause jemand stirbt.

Heult der Hund während des Läutens der Kirchenglocken, so ereignet sich ein Unglück. (Sarganserland, 1916)

Die Katze ist das Tier der Freija; sie zieht ihren Wagen. Mit den Hexen steht sie in engerer Beziehung als jedes andere Tier. Ihr Miauen bedeutet Unglück, Feuer, Lawinen, Bergstürze. Läuft sie uns über den Weg, so haben wir kein Glück. Wer ein Katzenhaar verschluckt, bekommt die Schwindsucht. Putzt sie sich, so haben wir Gäste zu erwarten. Eine Feuersbrunst löscht man, indem man eine dreifarbige Katze rückwärts ins brennende Haus wirft.

Frist die Katze Gras oder wird sie während des Tages von Schlafsucht befallen, so steht Regen in Aussicht. Putzt sie sich, so kann mit Besuch, fährt sie sich mit den Pfoten über die Ohren, mit einem angenehmen Gast gerechnet werden. (Sarganserland, 1916)

Wenn die Katze gemütlich ihre Schnauze putzt, ist Aussicht auf gutes Wetter da.

Der Bock zieht den Wagen Thor’s und ist ein rechtes Teufelstier. Er erscheint gern an Orten, wo sich jemand gehängt hat.

Wenn sich die Ziege stark und anhaltend schüttelt, so steht Regen bevor. (Sarganserland, 1916)

 

Fortsetzung folgt!

 

 

16. August 2012

Gold in New-Helvetia

by Josef Beda

Vor 116 Jahren, am 16. August 1896, brach einer der folgenreichsten Goldräusche am Klondike-River im nordwestlichen Teil Kanadas nahe der Grenze zu Alaska aus. In der Geschichte Amerikas war es das grösste Ereignis dieser Art. Doch dieser Goldrausch war nur ein Glied in der Kette von gleichartigen Grossereignissen, die mit dem ersten bekannten Goldrausch von Minas Gerais in Brasilien in den Jahren 1693 bis 1695 ihren Beginn hatte. Später wurden in dieser Region auch Diamanten gefunden. In Kalifornien entfachte der Goldrausch im Jahr 1848, als ein leitender Angestellter von Johann August Sutter auf dessen Territorium, einer Privatkolonie, mehrere »Goldklumpen« – Goldnuggets – endeckte.

 

 

Johann August Sutter wurde – als Schweizer – am 28. Februar 1803 in Kandern, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, welche über mehrere Papierfabriken und Druckereien verfügte. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann in Basel, zog er nach Burgdorf (BE), eröffnete und betrieb, nachdem er bei einer Firma vorerst als Handelsagent gearbeitet hatte, sein eigenes Tuchwarengeschäft. Suter – so war sein eigentlicher Nachname – übersiedelte mit einundreissig Jahren, im Mai 1834, in das damals noch mexikanische Kalifornien, weil seine Unternehmung kurz vor dem Konkurs stand und er wegen Betrugs von den Behörden gesucht wurde. Nach fünf Jahren kolonisierte Sutter ein Gebiet, welches er kostenlos bekommen hatte und etwa der Grösse des Kantons Basel-Land entsprach. Um sein Anwesen auszubauen, liess Sutter vom Zimmermann James W. Marshall ein wassergetriebenes Sägewerk errichten. Genau dieser Zimmermann fand das erste Gold; Dies sprach sich schnell herum und New-Helvetia wurde mit Goldgräbern überschwemmt.

 

Auf dem obenstehenden Foto ist James W. Marshall vor der Sägemühle »Sutter’s Mill« zu sehen. Das Sägewerk wurde erstellt, um Baumaterial für neue Gebäude zu produzieren. Das Fort, welches rund um die Uhr durch General Sutter’s Privat-Armee, die über 18 Kanonen verfügte, bewacht wurde, hatte eine riesige Dimension: 20’000 Stück Vieh, 2500 Pferde, 2000 Schafe, 1000 Schweine und viele weitere Tiere gehörten zum lebenden Inventar des Imperiums.

Im selben Jahr endete der Mexikanisch-Amerikanische Krieg und Oberkalifornien, der heutige Bundesstaat Kalifornien und somit auch das Gebiet von General Sutter, wie er in seinem »Reich« auch genannt wurde, fiel an die USA. Da keine ausreichenden rechtstaatlichen Grundlagen für die Eigentumsverhältnisse des gefundenen Goldes bestanden, Recht und Ordnung geradezu in sich zusammenbrachen, verlor Johann August Sutter alles was er hatte, sein Imperium fiel zusammen und er verarmte. Am 18. Juni 1880 starb der Gründer von New-Helvetia in Washington. New-Helvetia bleibt in der Erinnerung der Bewohner der einstigen Privatkolonie: Im Jahr 1948 wurde im ehemaligen New-Helvetia die »John A. Sutter Middle School eröffnet«; Sie besitzt ein Logo, welches zwei wichtige Werkzeuge der Goldgräber – die Doppel-Schaufel und den Pickel – zeigt.

 

Mehr über die nach Johann August Sutter benannte Mittel-Schule ist durch Anklicken des obenstehenden Logos zu erfahren. Die Schule besteht aus verschiedenen Departementen. Im »The Sutter Instrumental Music Department« schliessen jährich 200 Studentinnen und Studenten ihr Studium ab; Die ganze Schule bildet jährlich über 1500 Studierende aus.

Dem Film »Der Kaiser von Kalifornien« von Luis Trenker – Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller – diente das Leben des ausgewanderten Schweizers als Vorlage. Über diesen Film schrieb der deutsche Filmkritiker Joe Hembus: «Der Kaiser von Kalifornien ist trotz der deutschen Western-Schwemme der sechziger Jahre einer der besten deutschen Western geblieben: Rhythmus und Realismus der Reise nach Kalifornien, der Massenszenen beim Aufbau von Nova Helvetia und der Szenen auf den Goldfeldern sind allem, was vergleichbare deutsche und sogar die meisten amerikanischen Produktionen der Zeit zu bieten hatten, weit voraus.» In seinem Heimatort Rünenberg (BL) erhielt Johann August Sutter einen Gedenkstein mit Tafel. Verschiedene Autoren liessen sich vom Leben und Wirken des »Schillernden Vogels«, der, wenn er das gefundene Gold sein eigen hätte nennen können, wohl zu den reichsten Leuten der Erde geworden wäre, inspirieren.

Im Buch mit dem Titel »General J. A. Sutter – Ein Leben auf der Flucht nach vorn«, stellt, analysiert und beantwortet der Verfasser, Bernard R. Bachmann, die Fragen:  «War Sutter ein Lump?», «War er ein Held?», «War Sutter ein Pionier, der Gründer Kaliforniens?», «Hat Sutter die Indianer dezimiert?», «Hat er die Annexion Kaliforniens durch die USA initiiert?», «Hat der Gold Rush Sutter zugrunde gerichtet und Neu-Helvetien zerstört?», «Wer war er wirklich, Johann August Sutter?».

 

Das broschierte, 231 Seiten umfassende Buch mit den Massen b x h = 21 cm x 29.5 cm kommt äusserst spannend daher. Es beschreibt die Zusammenhänge der Geschichte Kaliforniens mit den Indianern, der Person General Sutter usw. – In Einschüben sind Berichte von anderen Autoren nachzulesen und es beinhaltet viele Farb-Fotografien, Abbildungen von Gemälden sowie Zeichnungen und Skizzen.

Die Monografie geht der Frage nach, ob Sutter ein Opfer der Zeitumstände war oder ob er sein pathetisches Scheitem selbst verschuldete. Sie zeichnet das vielschichtige Bild seiner Persönlichkeit. Das Buch ist zudem reich bebildert.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Unbekannt
Bild B: Wikipedia
Bild C: http://www.sutterms.org/
Bild D: Buchdeckel

 

 

15. August 2012

Beatae Mariae Virginis! – Vergessen?

by Josef Beda

Am 15. August feiern die Katholische und die Orthodoxe Kirche die Aufnahme Mariä in den Himmel. Im Gegensatz zu manchen vorwiegend katholischen Ländern – Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Lettland, Luxemburg, Malta, Polen, Portugal, Slowenien und Spanien -, aber auch in orthodoxen Ländern – Griechenland, Georgien, Rumänien und Zypern -, wird dieser Tag in unserer Schweiz nur in acht Kantonen, in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Zug als einen den Sonntagen gleichgestellter Feiertag begangen. In den beiden Kantonen Appenzell Innerrhoden und Jura ist dieser Tag ein gesetzlich anerkannter Ruhetag im gesamten Kantonsgebiet und in den fünf Kantonen Aargau, Basel-Land, Freiburg, Graubünden und Solothurn ist »Maria Himmelfahrt« ein den Sonntagen gleichgestellter Feiertag bzw. ein gesetzlich anerkannter Ruhetag – allerdings gemeindeabhängig.

 

Viele Künstler liessen sich von »Mariä Aufnahme in den Himmel« inspierieren und erstellten faszinierende Kunstwerke. Obenstehende Abbildung zeigt das von Peter Paul Rubens (*28. Juni 1577; 30. Mai 1640) – einer der bekanntesten Maler des Barock – im Jahr 1620 gemalte Bild »Mariä Himmelfahrt«, welches sich im Besitz der »National Gallery of Art« in Washington befindet.

Drei Gotteshäuser tragen in der Schweiz das Patrozinium »Mariä Aufnahme in den Himmel«: die dreischiffige im gotischen stil gebaute Stadtpfarrkirche »Maria Himmelfahrt« in Baden, die Kathedrale »St. Maria Himmelfahrt« in Chur, welche die Bischofskirche des Bistums Chur ist, und die Klosterkirche der Zisterzienserabtei in Hauerive.

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Am Tag der Himmelfahrt Mariä werden in katholischen Gebieten oftmals Kräuter geweiht. Diese Tradition fundiert auf einer Urkunde des 14. Jahrhunderts, in der es heisst: «Unserer Lieben Frauen Wurzelweihe». Das Gebet, welches für die Kräuterweihe gesprochen wird, lautet:

 

Allmächtiger Gott,
du hast Himmel und Erde erschaffen.
Wir Menschen brauchen zum Leben,
was die Erde hervorbringt.
Ihre Gaben und Kräfte
dienen uns auch zur Heilung.
Viele ihrer Pflanzen sind uns Arznei.
Segne daher diese Kräuter und Früchte,
die wir zum Fest der Aufnahme Mariens
gesammelt haben.
Heile, was krank ist.
Richte, was darniederliegt.
Schenke uns die Vollendung,
die du Maria gegeben hast.
Darum bitten wir dich
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern mit einer der Bauernregeln dieses Tages «Wer Rüben will, recht gut und zart, sä‘ sie an Maria Himmelfahrt» einen schönen, sonnigen Abend – unabhängig davon, ob sie diesen Tag als Feiertag oder als Arbeitstag abschliessen.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia

 

 

 

 

 

13. August 2012

Der fünfte Zeichentrickfilm von Walt Disney

by Josef Beda

Nach »Schneewittchen und die sieben Zwerge« – erschienen im Jahr 1937 -, »Pinocchio« und »Fantasia« – beide erschienen im Jahr 1940 – sowie »Dumbo« – erschienen im Jahr 1941 -, wurde im Jahr 1942 der fünfte abendfüllende Zeichentrickfilm mit dem Titel »Bambi« aus den Studios von Walt Disney, nachdem er am 8. August in London uraufgeführt wurde, am 13. August in der in den 1920-er Jahren erbauten »Radio City Music Hall« in Manhattan erstmals in den USA gezeigt.

 

Wenn Sie auf das obenstehende Bild klicken, können Sie den Zeichentrickfilm von Walt Disney – in deutscher Sprache – in voller Länge geniessen.

Die Rechte für die Verfilmung des im Jahr 1923 erschienen, vom österreichischen Schriftsteller Felix Salten (* 6. September 1869 in Budapest; † 8. Oktober 1945 in Zürich) verfassten Buches mit dem Titel »Bambi – Eine Lebensgeschichte aus dem Walde« erwarb Sidney Franklin  – einer der profiliertesten Regisseure und Produzenten seiner Zeit – in der Absicht, aus der Geschichte einen Realfilm zu drehen. Er stellte jedoch bereits kurz nach Beginn der Dreharbeiten fest, dass die damalige Technik nicht genügte, um die Romanvorlage auf diese Weise umzusetzen und wandte sich an Walt Disney. Beide – in bester und nachhaltiger Freundschaft – arbeiteten, zusammen mit dem Disney-Produktionsteam, sieben Jahre an der Erstellung des Trickfilms.

 

In der obenstehenden Bild-Montage schauen sich – weil Einzelbilder – die beiden Herren, Walt Disney(* 5. Dezember 1901; † 15. Dezember 1966)  und Sidney Franklin (* 21. März 1893; † 18. Mai 1972) nicht in die Augen. In Wirklichkeit schlossen die beiden einen Vertrag zur Zusammenarbeit für das Projekt »Bambi« über dreieinhalb Jahre. Die Arbeiten zogen sich jedoch über sieben Jahre hin, in der sie in Freundschaft die Aufgabe gemeinsam anpackten und mit grossem Erfolg abschlossen.

Der Film, der 2004 von der Firma »Lowry Digital Images« – seit 2005 umfirmiert zu »DTS Digital Images«, einer der weltweiten Marktführer im Bereich Film-Restaurierung – aufwendig in Stand gesetzt und modernisiert wurde, zeichnet sich nicht allein durch die realistisch und dreidimensional wirkenden Kamerafahrten in Zeichentricklandschaften sowie die von Edward Holcomb Plumb komponierte klassisch-orchestralen Musik, sondern auch durch die in der Geschichte des Zeichentrickfilms erstmalig lebensechte Darstellung im Aussehen und Verhalten der Tiere aus.

 

Im Auftrag von Walt Disney komponierte der US-amerikanische Filmkomponist Edward Holcomb Plumb (* 6. Juni 1907; † 18. April 1958) die Musik zu mehreren Walt-Disney-Produktionen. Im Zeichentrickfilm »Bambi« nimmt die Musik, die während des Films nur zweimal für jeweils etwa 20 Sekunden unterbrochen wird, eine besondere Stellung ein, denn die Dialoge im Werk umfassen lediglich 1000 Worte.

Alle mit »Bambi« im Zusammenhang stehenden Persönlichkeiten und Unternehmungen wurden, wie auch das Buch und der Trickfilm selbst, berühmt und weltbekannt. Wir von buchplanet.ch – der Online-Shop für Gebrauchte Bücher – können drei Varianten der Geschichte vorstellen. Als erstes ist das Buch zu erwähnen, welches im Jahr 1950 im Paul Zsolnay Verlag, Wien, erschienen ist. Als »neu«, durfte diese Ausgabe ausschliesslich in Österreich verkauft werden.

 

Mehr über das Buch – über die Beschaffenheit, Anzahl Seiten, Preis und Zustand – erfahren Sie, wenn Sie auf obenstehendes Bild klicken.

Das im unter »Micky’s Junior-Buchclub« 1985 im Egmont Verlag AG, Zollikon erschienene Buch erzählt die Geschichte von Bambi in einer Kurzfassung. Der Text wird aber mit schwarz-weissen und farbigen Zeichnungen unterstützt.

 

Mehr über das Buch – über die Beschaffenheit, Anzahl Seiten, Preis und Zustand – erfahren Sie, wenn Sie auf obenstehendes Bild klicken.

Und im Jahr 1999 erschien »Bambi« auch im Egmont Franz Schneider-Verlag, München. Der Text in diesem Buch ist knapp gehalten; umso mehr überrascht die Ausgabe mit durchwegs farbigen und zudem doppelseitigen Zeichnungen.

 

Mehr über das Buch – über die Beschaffenheit, Anzahl Seiten, Preis und Zustand – erfahren Sie, wenn Sie auf obenstehendes Bild klicken.

Der Autor von »Bambi – Eine Lebensgeschichte aus dem Walde« hat es sich nicht genommen eine Fortsetzung mit dem Titel »Bambis Kinder« zu schreiben. Und auch dieses, als Lizenzausgabe in der »Neue Schweizer Bibliothek« herausgegebene Buch ist bei uns verfügbar. Es enthält 18 ganzseitige Federzeichnungen von Hans Bertle.

 

Eine der 18 von Hans (Johann) Bertle geschaffenen Federzeichnungen mit dem Untertitel: Bambi hielt dem Fuchs die starke Krone entgegen.

Buch und Trickfilm mögen sich in einigen – vielleicht auch in manchen – Stellen unterscheiden und vor allem die Einstellung der Tiere zum Menschen sich in anderen Auffassungen zeigen – beide Medien aber, egal in welcher Fassung die Geschichte erzählt wird: Toll!

 

Bild-Quellen:
Bild A: Video-Standbild
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: Buchdeckel
Bild E: Buchdeckel
Bild F: Buchdeckel
Bild G: Zeichnung aus dem Buch »Bambis Kinder«