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Aberglaube, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

von Urs Steiner

Die Schlangenähnlichkeit macht auch den Aal zu einem zauberkräftigen Tier. Tragen Frauen einen Gürtel, aus Aalshaut bereitet, so werden sie leicht entbunden.

Die Kröte ist ein Hexentier, ist daher giftig, aber heilkräftig. Will man einen unliebsamen Nachbarn umbringen, so hängt man eine lebende Kröte in’s Kamin. So wie sie verdorrt, siecht auch der Betreffende hin. Trägt man Kröten bei sich, so schützt man sich gegen allerlei Uebel. Durchsticht man eine Kröte und bestreicht man damit seine Warzen am Finger, so vergehen die Warzen, wie die Kröte stirbt.

Haare darf man nicht fortwerfen, weil die Kröte sie in ihr Nest trägt und dann der Mensch, dem die Haare angehört haben, dahinsiecht. Ist das Vieh behext, so begräbt man unter die Schwelle des Stalles eine lebendige Kröte. Recht grausam muss in einem Falle die Kröte ihr Ansehen büssen. Man braucht sie als Mittel gegen Rheuma. Zuerst wird sie an einem Bein aufgehängt, bis sie tot ist – am rechten, wenn der Patient auf der rechten Seite die Schmerzen hat, am linken im anderen Falle. Ist die Kröte dann endlich tot, sind auch die Schmerzen vorbei, was bei der Langlebigkeit dieses Tieres bei nicht verhärteten Gliederschmerzen freilich zutreffen mag, aber ohne Kröte desgleichen zuträfe.

Auch der Frosch ist heilkräftig. Hat eine Hexe das Vieh aufgebläht (Völle), so reicht man dem „verderbten Vieh“ einen lebenden Frosch durch’s Maul in den Magen; er wird es heilen.

Hustet das Rindvieh, so gibt es Schnee. Uebermütiges Herumspringen desselben auf der Weide lässt auf Witterungswechsel schliessen. (Sarganserland 1916).

Wenn das Vieh unruhig auf der Weide umherrennt, gibt’s schlechtes Wetter. (Flawil, 1972)

Auch die Mäuse sind Hexentiere. Treten sie massenhaft auf, so zeigen sie einen nahen Todesfall an. Weisse Mäuse zeigen Glück an; tötet man sie aber, so schlägt es in Unglück um. Mäusefleisch isst der Bettnässer. Wirft man eine Maus einer tragenden Kuh auf den Rücken, so wird diese „verwerfen“.

Der Maulwurf, eigentlich Mulmwurf, steht als ein wühlendes Tier mit den unterirdischen Schätzen in Verbindung. Unsere Bauern glauben, das Vermögen seiner Fortpflanzung sei ihm versagt. Lässt man den Maulwurf auf der Hand sterben, so vertreibt man damit den Handschweiss. Die Tätzchen, die man einem lebend gefangenen Maulwurf abschneidet und in einem leinenen Läppchen dem Kind um den Hals hängt, erleichtern diesem das Zahnen; sie sind überhaupt gut gegen das Zahnweh. Ein Geldbeutel, aus dem Felle des Maulwurfs bereitet, wird nie leer. Es bedeutet der Maulwurf bei der Haustüre, dass im Hause jemand stirbt.

Viele Mäuse im Hause bedeuten künftigen Mangel.

Gelbe Schnecken, roh gegessen, heilen die Auszehrung. Aus ihnen bereitet man auch einen Krafttrank für Schwache. Bestreicht man mit ihnen die Warzen und spiesst man sie dann an einen Dorn, so wird die Hand glatt. Auf entzündete Brüste legt man gequetschte Weinbergschnecken.

Die Spinnen gehören zu Freija. Sie sind heilige Tiere, besonders die Kreuzspinne. Sie bringen dem Hause Glück. Begegnet uns die schwarze Hausspinne, so bedeutet das am Morgen Glück, am Abend Unglück; hie und da hört man es auch umgekehrt. Unglück zieht sich auf den Hals, wer das Netz der Kreuzspinne mutwillig zerstört. Kriechen grosse Spinnen herum, so folgt bald Regen. Sitzt die Spinne mitten im Netze, so ist gutes Wetter zu erhoffen. (Sarganserland, 1916).

Die Heimchen stehen in Beziehung zu den Zwergen oder Hausgeistern. Man hält sie auch für die Seelen der ungeborenen Kinder. Töten darf man sie nicht.

Auch der Käfer ist ein Hexentier. Findet man ihn auf dem Rücken liegend, so muss man ihn aufrichten, sonst bekommt man Zahnweh. Der „Donnergugi“ (Rosskäfer) steht zu Donar in Beziehung.

Legt man Gegenstände in einen Ameisenhaufen, so werden sie zauberfähig. Wein, der (in einer Flasche verschlossen) ein Jahr darin liegt, macht riesenstark. Waschungen mit einem Absud von Ameisen macht das Vieh schön und stark. Ameisen entstehen im Honig aus Brosamen.

Wer Bienen und Ameisen aus Uebermut tötet, provoziert schlechtes Wetter.

Sogar die Läuse haben im Volksglauben einen Fürsprecher. Wer viele Läuse hat, hat auch viel Glück. Kinder mit Läusen gedeihen gut und bekommen leicht Zähne. Filzläuse schützen vor Brüchen. Zimmerleute sollen sich diese – so versichert man uns – in brüderlicher Treue und Liebe gegenseitig borgen.

Unter den Vögeln ist der Hahn das beliebteste Göttertier. Er gehört dem Wodan zu, wie auch Swantewit, welch letzterer als St. Vit von den Bettnässern viel angerufen wird. Der Hahnenschrei schreckt die Gespenster. Ein Stumpfhahn auf dem Hofe schützt gegen Ratten. Ein siebenjähriger schwarzer Hahn legt ein Ei, aus dem ein Drache ausschlüpft.

 

Fortsetzung folgt!

 

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