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Archiv vom 9. Juli 2012

9. Juli 2012

Wir singen heut‘ ein heilig Lied

by Josef Beda

Die zweitletzte Schlacht in der sich die Eidgenossen und die Habsburger die Köpfe einschlugen fand am 9. Juli 1386 – vor 626 Jahren – statt und war wohl der Höhepunkt des Konfliktes der beiden Parteien. Die wenig dokumentierte Schlacht zählt zu den wichtigen Ereignissen, die zur Unabhängigkeit der noch jungen Eidgenossenschaft führten. Das Heer der Habsburger unter der Führung von Herzog Leopold III. war zwar zahlenmässig kleiner als jenes der Eidgenossen, deren Führung Petermann von Gundoldingen inne hatte, aber viel besser ausgerüstet – schwer gepanzerte Ritter mit ihren langen Lanzen standen den bestenfalls mit einer Hellebarde ausgerüsteten Soldaten der Eidgenossenschaft gegenüber – »Schlechte Karten« für die Urner, die Schwyzer, die Unterwaldner, die Luzerner und für den Zugewandten Ort Gersau. Doch nachdem diese das kurze Schlachtgebet «Ach richer Christ vom Himmel, durch dinen harten Tod hilf uns armen Sündern us dieser Schmach, Angst und Not, hilf und thu uns biston! Hilf uns land und lüt in Schirm und Schützung erhalten.» gesprochen hatten, griffen sie die uneinnehmbar scheinende igelartige Verteidigungsstellung der Habsburger in keilförmiger Schlachtordnung an – erfolglos.

 

Auf diesem Gelände fand die Schlacht bei Sempach statt: Etwa 4000 Soldaten der Habsburger, davon 1500 zu Ross kämpften gegen etwa 7000 Eidgenossen.

Doch da kam – so erzählt die Legende – Arnold von Winkelried. Er stürzte sich mit den Worten «Ich will euch eine Gasse bahnen, sorget für mein Weib und meine Kinder!» gegen die auf ihn und seine Kameraden gerichteten Lanzen, so, dass eine Schneise entstand in welche die Eidgenossen in das Zentrum des habsburgischen »Igels« eindringen konnten. Nun konnte das eidgenössische Heer seine Bewegungsfreiheit ausspielen – die schweren Rüstungen der Habsburger dagegen waren jetzt mehr Hindernis als Schutz.

 

 

Die Eidgenossen haben die Schlacht gewonnen! – Beide Befehlshaber, Leopold III. und Petermann von Gundoldingen verloren, wie Arnold von Winkelried, etwa 1500 Habsburger und 1000 Eidgenossen, ihr Leben in dieser blutigen Schlacht. Am damaligen Ort der Ereignisse steht heute die Schlachtkapelle Sempach und in ihrer unmittelbaren Nähe ein Gedenkstein, welcher an Arnold von Winkelried erinnert.

 

Obiges Bild zeigt den Gedenkstein – genannt Winkelriedstein -, der zu Ehren und zum Gedenken an Arnold von Winkelried im Jahr 1864 erichtet wurde. Das Denkmal steht an jener Stelle, wo Arnold von Winkelried sich in die Lanzen der Gegner stürzte und dadurch einen Weg für seine Kameraden – die Eidgenossen – gebahnt hat.

An Arnold von Winkelried und seine Heldentat erinnert auch das von H. J. Bosshard getextete Gedicht, welches von J. U. Werli vertont wurde: »Das Sempacherlied«.

Lasst hören aus alter Zeit
Von kühner Ahnen Heldenstreit,
Von Speerwucht und wildem Schwertkampf,
Von Schlachtstaub und heissem Blutdampf!
Wir singen heut‘ ein heilig Lied;
Es gilt dem Helden Winkelried.

Bei Sempach der kleinen Stadt
Manch Ritter wohl gespottet hat.
Der Heertross zerstampft das Kornfeld;
Doch warnend ruft dort ein Kriegsheld:
«In kurzem bringt euch blutig roth
Ein Eidgenoss das Morgenbrot.»

Man ziehet ins Schlachtgewühl
Zum heissen Kampf; der Tag war schwül.
Im Stahlkleid gar grausig furchtbar,
Stand Östreichs geübte Kriegsschaar.
Doch kühlt der Tod bald ihren Muth,
In unserm Land wallt Schweizerblut.

Sie stürzen mit freier Brust,
Im Herzen Muth un Siegeslust,
Zum Kampfplatz, wo man in Schlachtwuth
Dumpf brüllend sich wälzt im Herzblut.
Es trotzt das Heer, die Noth wird gross,
Und man stirbt vom Speeresstoss.

«Erhaltet mir Weib und Kind,
Die eurer Hut empfohlen sind!»
Ruft Struthan, umfasst mit Mannskraft,
Drückt nieder der langen Speerschaft,
Gräbt’s in die weite Heldenbrust,
Mit Gott der Freiheit sich bewusst.

Und über die Leiche tritt
Das Heldenvolk in Sturmesschritt.
Der Schwertschlag erblitzet furchtbar,
Im Helmglanz erbleicht die Mordschaar;
Und ertönt von Berg zu Thal
Der freien Nachwelt Siegeshall.

Knapp zwei Jahre später standen sich dann die beiden Parteien, die Eidgenossen und die Habsburger wieder in einer Schlacht gegenüber – am 9. April 1388 in Näfels. Auch diesemal gewann das eidgenössische Heer, welches aus Soldaten von Uri, Schwyz und Glarus gebildet wurde. Es war die letzte Schlacht, welche die beiden Konfliktparteinen führten. Sie schlossen den Frieden, welcher zuerst auf sieben Jahre angesetzt, vor dessen Ablauf jedoch um zwanzig weitere Jahre verlängert wurde. Die Alte achtörtige Eidgenossenschaft war frei – die Habsburger verzichteten auf alle Rechte im Hoheitsgebiet der Eidgenossen und verloren den Zugang zu den Alpenpässen!

 

Im SJW-Heft Nr. 1033 mit dem Titel »Winkelrieds Opfertod« wird vom Verfasser Ernst Eberhard die Geschichte der Schlacht bei Sempach auf spürbare, umfassende  Art und Weise geschildert. Das Heftchen kann bei uns für CHF 4.00 bezogen werden. (Anmerkung: Wie in unseren AVB festgehalten, werden pro Lieferung unter einem Warenwert von CHF 50.00 Versandkosten von CHF 8.00 in Rechnung gestellt – das System lässt keine Stufungen zu. Wenn Sie jedoch das Heftchen jetzt bestellen, legen wir Ihnen als Ausgleich vier unserer kleinen »Werbeträger« in Form von Ein-Franken-Marken bei.)

 

 

Ebenfalls – noch – in unserem Beseitz ist das Wek mit dem Titel »Die Enkel Winkelried’s«. Nicht Arnold von Winkelried persönlich ist dieses von Pfarrer und Dichter Salomon Tobler (* 10. Dezember 1794 in Zürich; † 19. November 1883 ebenda) stammende Werk gewidmet, sondern dem damaligen Zeitgeist – dem Drang nach Freiheit und Streben nach Unabhängigkeit, dem Heldentum und nicht zuletzt der tiefen Zugehörigkeit zum Heimatland – der Eidgenossenschaft. 

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia
Bild E: Heft-Umschlag
Bild F: Kopien »unserer« Briefmarken