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Archiv vom Juni, 2012

28. Juni 2012

Ein atmosphärisch-optisches Phänomen und seine Flagge

by Josef Beda

Einige davon kennen wir besser andere etwas weniger – die Rede ist von den atmosphärisch-optischen Phänomenen. Einer der Teilbereiche der Optik – die Atmosphärische Optik – beschäftigt sich zusammen mit der Meteorologie interdisziplinär mit den optischen Phänomenen die in der Erdatmosphäre zu sehen sind. Tagsüber erscheint der Himmel blau weil die Streuung des mit einer Wellenlänge von 450 nm blauen Lichtes etwa sechszehnmal grösser als jene des mit einer Wellenlänge von 650 nm roten Lichtes ist. Am Morgen und am Abend kann oftmals ein rotgefärbter Himmel betrachtet werden. Weil die Sonne zu diesen Tageszeiten in einem flachen Winkel zur Erde steht, hat das Sonnenlicht einen längeren Weg bis zur Erde zurückzulegen und dabei wird sein Blauanteil partiell »weggestreut« – das rote Licht der Sonne überwiegt dadurch.

 

Der Säntis – Triangulationspunkt 1. Ordnung mit Sicht in sechs verschiedene Länder  – im Alpenglühen. Die Felshänge reflektieren die Morgen- und Abendröte welche, während der Vordergrund noch oder bereits im Dunkeln liegt, weithin »Licht und Wärme« geben.

Es existieren viele weitere sehr faszinierende Phänomene: Nördlich des sechzigsten nördlichen Breitengrades und südlich des sechzigsten südlichen Breitengrades sind die Polarlichter – das Nordlicht beziehungsweise das Südlicht – zu bestaunen. Grüne Blitze – eigentlich ein grünes Leuchten, welches beim Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang am oberen Rand der Sonne so wie eine Wiese erscheint – sind auf Grund der Luftverschmutzung vorwiegend nur auf offenem Meer und im Hochgebirge – dort wo die Luft noch etwas sauberer ist – zu sehen. Eine ganz spezielle, beinahe unheimliche und auch endlich nicht erforschte Erscheinung ist das Sumpflicht. Wie es der Name bereits andeutet, kann es in Sümpfen und Mooren – allerdings selten – beobachtet werden. Die blau-grüne Lichterscheinung wird nicht allseits als existierend – möglich – eingestuft und oft dem Aberglauben zugeordnet.

 

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dieses Phänomen – einen Grünen Blitz – schon Mal gesehen habe oder nicht – das Phänomen wird sinnigerweise auch als Irrlicht bezeichnet. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gross, denn irgendwie kann ich mich erinnern, dass ich so ein ähnliches Bild – siehe oben –  in meinen Jugendjahren mir eingeprägt habe.

Gerade in der Sommerzeit kann ein anderes Phänomen – oft und überall – bewundert werden: Der Regenbogen. Das durch Spiegelung und der in den beinahe kugelförmigen Wassertropfen einer Regenwand stattfindenden Brechung des Lichtes entstehende Lichtband wird als Kreisbogen wahrgenommen. Da die Brechung des Lichtes von den Wellenlängen der Farben abhängig ist, besitzt der Regenbogen eine radial angeordnete Abfolge an Farben, die den Spektralfarben ähnlich sind. Der Volksmund sagt, dass an den beiden Enden des Kreisbogens Schätze zu finden sind – sie sind aber eben nicht zu finden, weil der Regenbogen keinen Anfang und kein Ende hat.

 

Wie eine Brücke überspannt hier der Regenbogen die im Albulatal liegende Ortschaft Mutten. Sieht man auch wie die beiden Enden im Boden verschwinden, sie sind nicht erreichbar – die »Einstichstellen«.

Der Regenbogen kann dann gesehen werden, wenn der Beobachter die Regenwand vor und die Sonne hinter sich hat. Es handelt sich beim Regenbogen allerdings nicht um einen Kreisbogen, sondern um einen Kreis, dessen unterer Teil hinter dem Horizont, dort wo sich Himmel und Erde berühren, verschwindet. Aus einem Flugzeug – vor allem wenn es sich in Bodennähe befindet – oder allenfalls von einem hohen Berg her ist das Phänomen wirklich eindeutig als vollständiger Kreis zu sehen.

Die Zeichnung zeigt das Prinzip des Regenbogens: Der durch das Sonnenlicht hervorgerufene Schatten des Kopfes eines Beobachters bildet den Mittelpunkt des Regenbogens.

 

Wie der Regenbogen nicht ganz zu sehen ist, werden Menschen, welche die gleichen Veranlagungen wie jene, die vor 43 Jahren, am 28. Juni 1969 in New York erstmals mit Gewalt – in Form von Gegengewalt auf Polizeiwillkür – gegen ihre Unterdrückung, Diskriminierung und Ausgrenzung rebelliert haben, wahrgenommen. Minderheiten und die Polizei lieferten sich in der Christopher Street tagelang dauernde Strassenschlachten. Um diesen Strassenschlachten zu gedenken, führte das »Christopher Street Liberation Day Committee« den »Christopher Street Day« – Feiertag, Gedenktag, Demonstrationstag – ein. Doch noch heute: Meist oberflächlich und mit gezügelter Zurückhaltung bedacht wird diese bunte Minderheit zur Kenntnis genommen – die Homosexuellen, die Lesben, die Bisexuellen und die Transgenden.

 

Die Flagge der Organisation, die nunmehr weltweit verbreitetet ist, trägt die Regenbogenfarben und symbolisiert damit in mancher Hinsicht die Situation dieser Minderheit: Freude und Glück,  das Unvollendete – die Gleichberechtigung, im Besonderen die Gleichbehandlung stehen in weiter Entfernung – die Vielfalt, das Frohe.

Meist wird der CSD auf ein Wochenende verlegt. In Zürich wurde der CSD – seit 2009 als »Zurich Pride Festival« zelebriert – erstmals im Jahr 1994 durchgeführt. Jedes Jahr widmet sich die in Zürich stattfindende Veranstaltung – sie gilt in der Schweiz als eine der grössten dieser Art – einem besonderen Themenkreis.

 

Die Flagge der Organisation »Christopher Street Day« – wohl ganz im Sinn der nicht gleichberechtigten und -behandelten Minderheit – unter einem Regenbogen am Bürkliplatz in Zürich gehievt.

Das Festival mit Rahmenprogramm, welches Fachtagungen, kulturelle Anlässe, Openair-Konzerte umfasst, wirbt in einer Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Menschen mit Transidentität. Mehr über das Zurich Pride Festival ist unter www.zurichpridefestival.ch zu erfahren. Hier ist auch zu lesen, dass am kommenden Samstag, 30. Juni 2012 eine Reise der »Primler« nach dem Hauptort des Kantons Jura, nach Delémont, geplant ist. Auszug aus der erwähnten Website: «Das Zurich Pride Festival lädt alle seine Freundinnen und Freunde ein mit nach Delémont am 30. Juni 2012 zu reisen und eine tolle Romandie-Pride zu erleben. Wir finden es grossartig, das sich wieder Organisatoren gefunden haben um diese wichtige Pride wieder zu beleben.»

 

Bild-Quellen:
Bild A: www.hotel-vadian.com
Bild B: Wikipedia
Bild C: de.db-city.com
Bild D: www.schloessli-ins.ch, (modifiziert: JBS)
Bild E: Wikipedia
Bild F: Wikipedia

 

 

26. Juni 2012

Elvis – Sein letztes Lied

by Josef Beda

Keiner der etwa 18’000 Besucher des heute vor 35 Jahren in der »Market Square Arena« in Indianapolis stattgefundenen Konzertes von Elvis Aaron Presley ahnte, dass sie den letzten Auftritt des »King of Rock’n’Roll« miterlebten. Elvis war an diesem Konzert mit seinem bereits legendären weissen »Mexican-Sundial«-Anzug bekleidet – er war in Topform.

 

 

In seinen letzten Jahren gab Elvis Presley jährlich 150 Konzerte, die alle ausverkauft waren und trotztem stand es mit seinem Geld nicht zum besten. Elvis Presley starb knapp acht Wochen nach seinem letzten Auftritt – am 16. August 1977 – an verschiedensten Krankheiten wie Darmverschlingungen, Fettleber, einem vergrössertes Herz, … – Nach seinem Tod spülen die Rechte an seiner Person jährlich 45 Millionen Dollar ein.

 

Das obenstehende Bild zeigt die Grabstätte von Elvis Aaron Presley. Sie befindet sich im Garten von Graceland, dem Anwesen in Memphis, welches der »King of Rock’n’Roll« seit den 1950er Jahren bewohnte. Graceland ist seit 2006, als seine ehemalige Frau Priscilla Presley das Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich machte, eine Pilgerstätte – jährlich wird sie von etwa 600’000 Menschen besucht.

Sein allerletztes Lied, das Elvis an seinem nicht als Abschiedskonzert gedachten Auftritt vorgetragen hat, wurde im Jahr 1991 von George David Weiss und Luigi Creatore getextet, von Hugo Peretti stammt die Melodie. Der Popsong mit dem Titel »Can’t Help Falling in Love« wurde zu einem Riesenerfolg. Die am 1. Oktober 1961 veröffentlichte Single, auf der die Spur des Liedes – man beachte – auf der B-Seite zu finden ist, wurde bis Ende 1962 allein in den USA über zwei Millionen Mal verkauft. Dreissig weitere Künstler haben das Lied gecovert, darunter sind U2, Lys Assia, Kenny Rogers und Julio Iglesias.

 

 

Die deutsche Übersetzung des Liedtextes lautet: «Weise Männer sagen, nur Narren stürzen sich hinein: Aber ich kann anders als mich in dich zu verlieben. – Soll ich bleiben? Wäre es eine Sünde? Falls ich nicht anders kann als mich in dich zu verlieben. – Wie ein Fluss sicher zum Meer fliesst, so ist es, Liebling: manche Dinge sind vorbestimmt. – Nimm meine Hand, nimm auch mein ganzes Leben, denn ich kann nicht anders als mich in dich zu verlieben. – Wie ein Fluss sicher zum Meer fliesst, so ist es, Liebling: manche Dinge sind vorbestimmt. – Nimm meine Hand, nimm auch mein ganzes Leben, denn ich kann nicht anders als mich in dich zu verlieben.»

Elvis Aaron Presley, der Sänger, Musiker und Schauspieler ist wahrscheinlich der erfolgreichste Solo-Künstler aller Zeiten. Mehr über sein Leben und Wirken, seine Erfolge und Werke ist unter Wikipedia zu erfahren. In unserem Online-Shop für Gebrauchte Bücher verfügen wir über das von Jerry Hopkins verfasste Buch mit dem Titel »Elvis – a biography« und über das von Betty Harper gezeichnete Buch mit dem Titel »Erinnerungen an Elvis Presley«.

 

Bild-Quellen:
Bild A: viagarza.wordpress.com
Bild B: Wikipedia
Bild C: JBS

 

 

25. Juni 2012

Buchvorstellung: Das zweite Leben

by Sara Grob

Marceline Selm hat ein beeindruckendes Buch über Ihre Erfahrung mit Lymphdrüsenkrebs geschrieben In diesem Buch finden sich vier Lebensberichte von Krebspatienten, die den Krebs hinter sich gelassen haben. Der Titel des Buches lautet „Das zweite Leben. Betroffene erzählen“, die ISBN des Buches ist: 9783866838611
Das Buch erhalten Sie in gutsortieren Buchhandlungen oder in diversen Onlineshops für neue Bücher.
Gerne verweise ich auch auf die Homepage der Autorin, die Sie unter folgendem Link finden: www.marcelineselm.ch
Freundlicherweise hat uns die Autorin erlaubt einige Auszüge aus dem Buch in unserem Blog zu veröffentlichen.

 

Umschlag des Buches

Wieder jemand, der über seine Krankheit schreibt…..

Ja, das stimmt. Nur möchte ich keine negativen Erfahrungsberichte weitergeben.

Ich will mit meiner eigenen Geschichte und der ein paar anderer Menschen dem  Schreckgespenst Krebs die Macht der Negativität  nehmen und aufzeigen, wie betroffene Menschen mit dieser Krankheit umgegangen sind oder eventuell immer noch umgehen. Es scheint mir dabei wichtig, nicht die Krankheit in den absoluten Vordergrund zu stellen. Die Lebensgeschichten der betroffenen Personen sind für mich genauso wichtig, wie die Krankheiten an sich.

Krebs muss heute keinesfalls Tod bedeuten. Krebs kann sehr gut und erfolgreich behandelt werden. Wir müssen nur etwas umdenken und die alten Muster und Suggestionen loslassen und uns mit mehr Vertrauen dem medizinischen und ebenfalls dem komplementären Fortschritt öffnen.

Zugegeben, dies ist leichter gesagt als getan. Deshalb scheint es mir wichtig Betroffenen und Angehörigen mit meinen Berichten Mut zu machen. Richtig, Angehörige. Denn alle sprechen meist vom Patienten. Aber sind nicht auch der Partner, die Kinder, die Eltern und viele mehr betroffen? Meist sehen diese „Randbetroffenen“ leidend zu und sind oft mit der Situation überfordert. Niemand denkt daran,  wie auch diese Menschen leiden.

Vielleicht lernen wir irgendwann, wenn das Vertrauen grösser geworden ist, dass Krebs oft heilbar ist.  Es gibt ja auch Menschen, die an einer Grippe sterben und es gibt halt Menschen, die an Krebs sterben. An irgendetwas muss der Mensch sterben, ob uns das nun passt oder nicht. Natürlich gibt es sehr tragische Umstände, wenn die betroffenen Menschen mitten im Leben stehen und ihren Verantwortungen noch einige Jahre nachkommen sollten …

Ich habe früher (vor meiner Krebserkrankung) gedacht, dass es  jemand, der plötzlich und unerwartet stirbt, viel besser hat als ein Krebspatient. Die betroffene Person weiss ja dann nichts von ihrem Schicksal. Krebspatienten sah ich immer mit der einen Hälfte des Sarges umhergehen, im Ungewissen, wann die zweite Hälfte hinzukommt. Heute sehe ich es anders. Wir Krebspatienten bekommen die Chance den Tag ganz bewusst zu leben. So als wären da nur noch wenige Zeiten. Wir dürfen uns ganz bewusst mehr zuliebe tun, haben sozusagen ein Alibi dafür.

Man sollte jedenfalls die Krankheit nutzen und nicht einfach so weiter machen wie vorher. Das Leben ist schliesslich einmalig, man kann es nicht einfach wiederholen, wie eine Klasse oder dergleichen. Wenn es vorbei ist, dann ist es vorbei. Endgültig, es gibt kein Wiederholen.

Aber niemand weiss mit absoluter Gewissheit, wie viel an Leben noch bleibt. Nicht einmal der behandelnde Arzt. Es gibt natürlich Statistiken, die Prognosen aufzeigen, doch jeder Mensch ist individuell, einmalig. Deshalb passiert es des Öfteren, dass jemand mit einer relativ guten Prognose nur kurze Zeit weiter lebt, nachdem Krebs diagnostiziert wurde. Eine andere Person, die man vielleicht bereits aufgegeben hat, aber trotz der widrigen Umstände überlebt und sehr alt wird.  Es gibt also immer Ausnahmen. Wer sagt uns, wer eine Ausnahme ist und wer nicht? Niemand, weil es niemand im Vorfeld wissen kann. Unser mangelndes Vertrauen hindert uns daran zu glauben, dass gerade wir, die Krebspatienten, eine Ausnahme sind. Schliesslich sind Ausnahmen ja selten, was ja dieses Wort bereits aussagt. Vielleicht kennen wir auch andere Menschen, die mit der gleichen Krebsart nicht oder nicht lange überlebt haben. Vielleicht hat uns auch der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin mit einer Prognose konfrontiert. Vielleicht wollten wir auch lieber an den bevorstehenden Tod statt an das Leben glauben…..

Wir alle wissen wohl, dass das Leben begrenzt ist und wir eines Tages sterben müssen. Nur sehen wir diese Grenze nicht. Sie ist für gesunde Menschen unsichtbar, unwirklich und fern.

Bekommt jemand aber die Diagnose Krebs, so wird diese unsichtbare und unwirkliche Grenze mit einem Male für die Betroffenen vermeintlich sichtbar. Ein Krebspatient glaubt die Grenze zu sehen und überlegt sich, wie viel Zeit ihm wohl noch bleibt, bis er zu dieser Grenze gelangt. Er fragt sich, wie die Zeit bis zur Ankunft an diese Grenze wohl sein wird. Leidvoll, schmerzhaft und kurz? Oder leidvoll, schmerzhaft und lang, vielleicht qualvoll lang?

Leider hat ja wohl jeder von uns schon diese schrecklichen Geschichten über Krebspatienten und ihre Behandlungen gehört…. Erfolgreiche Behandlungen werden komischerweise weniger oft weiter erzählt, als Behandlungen, die dem Tod keinen Einhalt gebieten konnten. Ich glaube sogar, dass die meisten von uns eine Krebsgenesung nicht wirklich für wahr haben wollen. Insgeheim erwarten die Menschen, dass der Krebspatient dann schon noch am Krebs stirbt. Wahrscheinlich dauert es halt jetzt bei dem „Genesenden“ etwas länger, bis ihn der Tod einholt.

Mit meinen Lebensberichten von Krebspatienten, die den Krebs hinter sich gelassen haben, möchte ich den Leser in erster Linie positiv unterhalten. Man kann über Krebs eigentlich ganz locker sprechen, er ist ja keine Seuche oder so etwas. Es ist mir aber auch wichtig Hoffnung zu geben, denn wirklich niemand weiss, wie eine Sache aus geht.

Das Glas ist halb voll oder halb leer? Ich versuche meistens ein halb volles Glas zu haben, es lebt sich besser damit.

Meine Ärztin informierte mich bezüglich der Chemotherapie in etwa so: „Die erste Woche wird es ihnen wahrscheinlich nicht so toll gehen, in der zweiten Woche wird es besser und in der dritten sollte so ziemlich ein normales, gutes Befinden sein.“ Diese Aussage brachte mir folgendes Bild: Eine Woche bin ich festgenagelt und wenig zu gebrauchen. Ich darf und muss mich schonen. In der zweiten Woche beginnen langsam meine Ferien und in der dritten Woche sind diese voll da!

Der nächste Tag war ein Freitag. Es war ein wunderschöner und sonniger Tag. Nachmittags wollte ich zu Fuss nach Wittenbach laufen. Diese Strecke misst ca. 4,5 Kilometer und eignet sich hervorragend für einen etwas längeren Marsch. Ich machte mich also am frühen Nachmittag auf den Weg, weil ich die herbstlichen Sonnenstrahlen geniessen wollte. Als ich so ganz alleine unterwegs war und mich wieder einmal mit meinem Haarverlust geistig auseinander setzte, kam mir ein rettender Gedanke. Was sollte ich mich grämen wegen den blöden Haaren. Wer hat denn im Leben schon die Möglichkeit sich bis auf die Haarwurzeln zu erneuern?! Genau das war es. Ich durfte mich zellmässig erneuern. Das war doch eigentlich ganz toll. Dieser Gedanke liess mich froh und zufrieden sein und es sollten bezüglich Haarverlust keine tristen Gedanken mehr Platz finden in meinem Kopf.

Manchmal habe ich mir die Frage gestellt, ob das wirklich ich bin, die diese Krankheit  hat. Nein hatte. Ich versuche das Ganze als hinter mir liegend zu sehen, was natürlich nicht immer gelingt. Oft kam mir das Ganze einfach irgendwie unwirklich vor, so als ob es nicht mich betreffen würde. Dann wiederum sind dunklere Gedanken am Horizont aufgestiegen. Zukunftsängste und viele Fragezeichen: Wird mich die Antikörperbehandlung vor einem Rückfall bewahren? Es gibt niemanden, der einem diese Ängste restlos nehmen kann und die Fragezeichen bleiben Fragezeichen. Von irgendwelchen Sprüchen wie: Man kann ja nie wissen, ob man morgen einem tödlichen Autounfall erliegt….. halte ich wenig, da dieser Vergleich einfach hinkt.

Das Leben hat wunderschöne Seiten, das Leben hat tieftraurige Momente. Es führt aber kein Weg an diesem ganz persönlichen und einzigartigen Leben vorbei. Jeder für sich muss es schlussendlich selber bestreiten.

Lassen wir also das Glas immer halb voll sein.

Wir wünschen diesem Buch viele begeisterte Leser, denn das hat es wirklich verdient.

 

21. Juni 2012

Der längste Tag mit Musik

by Josef Beda

Heute am 21. Juni ist Sonnenwende – für die südliche Halbkugel ist es die Wintersonnenwende, für uns in der nördlichen Halbkugel ist es die Sommersonnenwende und damit der Beginn der Jahreszeit »Sommer«. Für die Bewohner der Nordhalbkugel bedeutet es zugleich, dass sie heute den längsten Tag und die kürzeste Nacht eines Sonnenjahres, welches genau 365,2425 Kalendertage, also in den Gemeinjahren etwas länger als 365 Tage dauert, geniessen können. Nahe dem nördlichen Polarkreis geht heute die Sonne gar nicht unter, dafür taucht sie Nahe dem südlichen Polarkreis schon gar nicht auf. Am Warum wir auf der Erde vier Jahreszeiten haben liegt daran, dass die Achse der Erde schief zur Ekliptikalebene steht. Das nachstehende Bild zeigt die positionsorientierten in einem Sonnenjahr herrschenden Verhältnisse zwischen Sonne und Erde. Die Erklärung dazu ist durch Anklicken des folgenden Bildes abrufbar.

 

 

Viele Künstler und Wissenschaftler haben sich von den vier Jahreszeiten inspirieren lassen: Das wohl bekannteste Werk von Antonio Vivaldi trägt den Titel »Le quattro stagioni«. Es besteht aus vier Violinkonzerten und jedes davon repräsentiert auf musikalische Weise eine der vier Jahreszeiten. Kennen wir oder erinnern wir uns an das von Johann Wolfgang von Goethe geschriebene Gedicht mit dem Titel »Die vier Jahreszeiten«? Durch Anklicken des unteren Bildes ist der Text des Gedichtes zu erfahren.

 

 

Auch der dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller Søren Aabye Kierkegaard (* 1813; † 1855) verfasste ein Gedicht zu unserem heutigen Thema:

Die Sonne scheint für dich – deinetwegen;
und wenn sie müde wird, beginnt der Mond,
und dann werden die Sterne angezündet.

Es wird Winter,
die ganze Schöpfung verkleidet sich,
spielt Verstecken, um dich zu vergnügen.

Es wird Frühling;
Vögel schwärmen herbei, dich zu erfreuen;
das Grün sprießt, der Wald wächst schön
und steht da wie eine Braut,
um dir Freude zu schenken.

Es wird Herbst,
die Vögel ziehn fort,
nicht weil sie sich rar machen wollen,
nein, nur damit du ihrer nicht überdrüssig würdest.
Der Wald legt seinen Schmuck ab,
nur um im nächsten Jahr neu zu erstehen,
dich zu erfreuen.

All das sollte nichts sein, worüber du dich freuen kannst?
Lerne von der Lilie und lerne vom Vogel,
deinen Lehrern:
zu sein heißt:
für heute dasein – das ist Freude.
Lilie und Vogel sind unsere Lehrer der Freude.

 

In seinem Museum ist ab 24. März 2012 bis 2. September 2012 das monumentale in den Jahren 2007 bis 2011 vom Maler Franz Gertsch (* 8. März 1930 in Möringen BE) geschaffene Werk »Vier-Jahreszeiten-Zyklus« mit den Bildern »Frühling«, »Herbst«, »Sommer und »Winter« erstmals in einem Raum ausgestellt.  Mehr über Franz Gertsch, seine Werke und über die Ausstellung und das »Franz Gertsch Museum« in Burgdorf erfahren Sie durch Anklicken der nachstehenden Fotografie.

 

 

Und auch der spanische Maler, Grafiker, Schriftsteller, Bildhauer und Bühnenbildner Salvador Felipe Jacinto Dali i Domènech, Marqués de Púbol (* 11. Mai 1904; † 23. Januar 1989) schuf Werke, welche die vier Jahreszeiten symbolisieren. Von ihm beispielsweise wurde unter dem Titel »Jahreszeiten« eine Edition in vier Werken als in einem Acrylglas-Quader eingebettete Silber-Medaillen herausgegeben. Das nachstehende Bild zeigt den Quader mit den vier Silber-Medaillen» Frühling« (oben), »Sommer«, (rechts) »Herbst« (unten) und »Winter« (links).

 

 

Im Volkslied von Pappert Robert mit dem Titel »Grün, Silber und Gold«, kommen Frühling, Sommer, Herbst und Winter als Sinnbilder des sich wandelnden Lebens wunderschön zum Ausdruck. Im Lied wird die Jugendzeit als zeit des Reifes mit dem Frühling verglichen, die Sommerzeit mit der Blüte des Lebens und zum Herbst wird gesungen: «Und Du merkst mit einem Schlage – auch der Herbst hat schöne Tage». Der Winter wird mit der Ruhe und der Gelassenheit des alternden Menschen verglichen – der Zeit, wo man sich auch wieder die Stunden nehmen kann, sich an die vergangenen Jugendtage zu erinnern.

Das mittlerweile in manchen Ländern, so auch in der Schweiz, bekannte »Fête de la Musique«, deutsch auch als »Internationaler Tag der selbstgemachten Musik« bezeichnet, ist im Jahr 1981 vom damaligen französischen Kulturminister Jack Lang initiiert worden und sinnigerweise am 21. Juni folgenden Jahres zum ersten Mal – in Paris – zelebriert worden. Es handelt sich dabei um Veranstaltungen mit Auftritten von Amateur- wie auch von Berufsmusikern, die in Dörfern und Städten auf offener Strasse stattfinden. In Münchenbuchsee beispielsweise treten heute auf dem »Areal Paul Klee« vier Musikformationen der Gemeinde auf: die Arbeitermusik, die Musikgesellschaft, die Jugendmusik und die Musikschule der Region Münchenbuchsee. Und in Landiswil, dem 630-Seelen-Dorf im Berner-Mittelland gibt die Jugendmusik ab 20.00 Uhr beim Gasthof Löwen ein Platzkonzert.

 

 

Ich wünsche allen, die heute in irgeneiner Form den »Tag der Musik« feiern, als Interpreten, Zuschauer, Zuhörer, Tänzer oder als Fan, einen sonnigen – herrlich langen Abend.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: JBS
Bild E: www.bern-ost.ch

 

 

20. Juni 2012

Beginn der Verhandlungen im dualen Sinn

by Josef Beda

Heute vor zweiundzwanzig Jahren, am 20. Juni 1990 – es war auch Mittwoch -, haben die Verhandlungen  zur Schaffung einer vertieften Freihandelszone zwischen der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassozation (EFTA) begonnen. Zur Gründung des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), dessen Ziel insbesondere die Realisierung von vier Freiheiten – den freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverker – ist, setzten sich die damaligen zwölf Mitgliedstaaten der EU – Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Grossbritanien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien – und die sieben EFTA-Staaten – Österreich, Finnland, Island, Lichtenstein, Norwegen, Schweden, Schweiz – zusammen,

 

 

Etwa zwei Jahre später, am 2. Mai 1992 wurde das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum von allen an den Verhandlungen teilgenommenen Staaten in Porto, der mit etwa 250’000 Einwohnern nach Lissabon die zweitgrössten Stadt Portugals, unterzeichnet. Alle EU-Staaten und sechs der sieben EFTA-Staaten ratifizierten daraufhin das Abkommen. In der Schweiz wurde der Vertrag, welcher vom Bundesrat – freiwillig – unter das Obligatorischenn Referendum gestellt wurde, vom Volk knapp und von den Kantonen deutlich abgelehnt – dies führte zur Nicht-Ratifizierung des EWR-Abkommens, welches am 1. Januar 1994 in Kraft gesetzt wurde.

 

Finnland, Österreich und Schweden sind bereits ein Jahr später – bei der 4. EU-Erweiterung – der sogenannten EFTA-Erweiterung -, der Gemeinschaft beigetreten. Norwegen lehnte den EU-Beitritt gleichenjahres zum zweiten Mal ab und Island stellte am 16. Juli 2009 einen Antrag zur Aufnahme in die EU und ist seit dem einer der potenziellen Beitrittskandidaten. Derzeit waren es somit drei Länder, welche dem EWR, nicht aber der EU angehörten: Island, Lichtenstein und Norwegen.

 

Die Schweiz – wie wir wissen – ist weder Mitglied des EWR noch der EU. Für unser Land haben zwei Jahre nach dem EWR-Nein die Verhandlungen mit der EU, dem einzigen Ansprechpartner der »Zwei-Pfeiler-Struktur«, auf bilateralem Weg begonnen. Bereits 1999 konnten im Rahmen der Bilateralen I sieben Verträge zwischen der EU und der Schweiz unterzeichnet werden. Nach der Inkraftsetzung der Bilateralen I am 1. Juni 2002 erfolgte im Jahr 2004 die gegenseitige Unterzeichnung eines zweiten Paketes, welches unter dem Namen Bilaterale II verhandelt wurde. Nach der faktischen Abschaffung der Grenzkontrollen an unseren Landesgrenzen wurden diese Vereinbarungen dann Ende 2009 in Kraft gesetzt.

 

Der weitere Weg der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU wird wohl eher noch »steiniger« werden. Die Bilateralen III, welche im Besonderen die institutionellen Fragen, aber auch das Steuerdossier und das Elektrizitätsdossier wie auch die Möglichkeit zur Schaffung neuer Freihandelsabkommen, beispielsweise mit China und Indien, zum Thema haben wird, stösst bei der EU auf keine grosse Akkzeptanz, denn sie erwartet von uns tatsächlich, dass wir – die Schweiz – die Weiterentwicklung des Europarechts in Zukunft automatisch nachvollziehen – dies forderte im Juli 2011 der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy in einem Gespräch mit der damaligen Bundespräsidentin Doris Leuthard.

 

Bild-Quellen:
Bild A:
Bild B:
Bild C:
Bild D:

 

 

 

19. Juni 2012

Genera von Normale – »Gedankensplitter« • Teil 1/4

by Josef Beda

«Ich denke, also bin ich.» Dieser Ausspruch stammt von René Descartes, dem Philosophen, der am 31. März 1596 in La Haye en Touraine (Frankreich) in eine kleinadelige Familie der historischen Provinz Touraine geboren wurde und am 11. Februar 1650 in Stockholm im Haus der Gastgeberin Königin Christina von Schweden, die ihn einlud seine Philosophie zu erklären, wahrscheinlich an einer Lungenentzündung verstarb. 

 

René Descartes war von 1604 bis 1612 im Jesuitenkolleg in Flèche, welches er mit einer klassischen und mathematischen Ausbildung verliess, studierte in Poitiers Jura und schloss 1616 mit einem Examen ab. Zeitweise diente er – bis 1625 – als Soldat, reiste durch Dänemark, Deutschland, die Niederlande, Italien und die Schweiz. Er verbrachte 18 Jahre in den Niederlanden, wo auch sein Hauptwerk »Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la verité dans les sciences« entstand.

Der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, wie es zur Zeit der Hochblüte des Barocks – nach wie vor – üblich war, kann als Polyhistor bezeichnet werden – René Descartes, der Philosoph mit seinen im autobiographischen Werk »Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la verité dans les sciences« zusammengefasst festgehaltenen Regeln seiner philosophischen Methode war auch Mathematiker und Naturwissenschaftler. Die vier Grundregeln, die sein Denken und Handeln weitgehend bestimmten, sind in seiner Arbeit als Mathematiker fundiert.

 

In seinem Werk mit dem ins Deutsche übersetzten Titel »Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen«, hält René Descartes die vier Grundregeln seiner philosophischen Methode wie folgt fest (Kopie von Wikipedia): 1. Skepsis: Nichts für wahr halten, was nicht so klar und deutlich erkannt ist, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann. — 2. Analyse: Schwierige Probleme in Teilschritten erledigen. — 3. Konstruktion: Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten. — 4. Rekursion: Stets prüfen, ob bei der Untersuchung Vollständigkeit erreicht ist.

René Descartes war einer der bedeutenden Wegbereiter der analytischen Geometrie, welche Geometrie und Algebra verknüpft. Diese Verknüpfung erlaubt es für geometrische Probleme rein rechnerische Lösungen zu finden. Ohne sich an das kartesische Koordinatensystem zu halten – kannte er es oder auch nicht -, gelang es ihm Lösungen für eines der seit der Antike bekannten Probleme der Mathematik – das Tangentenproblem -, die Tangentensteigung in einem bestimmten Kurven-Punkt – allerdings nur bei speziellen Kurven – zu ermitteln. In seiner Schrift »La géométrie«, in der er unter anderem die Konstruktion von Quadratwurzeln und die Lösung von quadratischen Gleichungen beschreibt, zeigt er auch den algebraischen Weg zur Berechnung von Tangentensteigungen. Da diese seine Methode eben nur für einige spezielle Kurven angewendet werden kann, erlangte sie bei seinen Zeitgenossen zwar hohe Beachtung, aber das Tangenten-Problem für die Menge aller mathematisch beschreibbaren Kurven (Funktionen), deren Lösung in der gegen Ende des 17. Jahrhunderts von Isaac Newton und Gottfried Willhelm Leipniz unabhängig voneinander entwickelten Differentialrechnung zu finden ist, bestand zu seiner Lebzeiten weiterhin. René Descartes erarbeitete auch die Lösung für einen Spezialfall, des schon vom griechischen Mathematiker Apollonis von Perge (gewirkt im dritten Jahrhundert vor Christus) behandelten Problems, den Mittelpunkt und Radius eines Kreises der drei andere beliebige Kreise mit Radien zwischen 0 und +∞ (in den Grenzfällen Punkte bzw. Geraden) berührt zu finden.

René Descartes hat für einen Spezialfall des Apollonischen Problems – der Radius eines vierten Kreises ist gesucht, der drei sich paarweise berührenden Kreise berührt – gefunden. Der Satz von René Descartes beruht auf der Krümmung – definiert als vorzeichenbehafteter Reziprokwert des Radius – eines Kreises – (k = ± 1/r). Es ergeben sich für den Radius des vierten Kreises im Allgemeinen zwei Lösungen, die sich, bei gegebenen Radien der drei Kreise, mit seiner Gleichung berechnen lassen. Nachstehendes Bild zeigt ein Beispiel dieses Spezialfalles: Drei sich paarweise berührende Kreise (schwarz) mit gegebenen Radien und die zwei gesuchten Kreise (rot), der kleine – innere Soddy-Kreis -, der zwischen den gegebenen Kreisen liegt und der grosse – äussere Soddy-Kreis -, welcher die gegebenen Kreise umschliesst.

 

 

Wird in der Mathematik von Tangente gesprochen, so ist im Zusammenhang auch die auf dieser im Berührungspunkt senkrecht stehende Gerade zu nennen – sie steht normal zur Tangente. Allgemein wird die Gerade, welche senkrecht auf einer Geraden, einer Ebene oder senkrecht zur Tangente in einem bestimmten Punkt einer Kurve oder einer Fläche steht, als die Normale bezeichnet.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia

 

 

18. Juni 2012

Aberglaube, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

by Urs Steiner

Eine zauberische Wirkung hat auch das Blut der hingerichteten Verbrecher. Warm getrunken, heilt es die bösartigsten Krankheiten. Ein Glas Blut (von einem hingerichteten Menschen) getrunken, vertreibt das falsche Weh.

Trägt man ein Knöchelchen von einem Hingerichteten bei sich, so geht das Geld nie aus. Alles, was man von einem solchen haben kann, wirkt Wunder. Dieser Glaube erinnert an die alten Menschenopfer. Der Verbrecher sühnt mit dem Tode seine Schuld; deswegen ist auch seine Fürbitte bei Gott sehr wirksam. Noch 1864 musste in Berlin – so erzählt Wuttke – der Scharfrichter bei der Hinrichtung zweier Mörder dem Publikum eine Masse weisser Tücher in’s Blut der Hingerichteten tauchen und erhielt für jedes 2 Taler!

Einen bösen Zauber führt auch der Kranke aus, wenn er Pflanzen berührt. Sie sterben hernach ab. Stirbt jemand, so bedeutet es für die Blumenstöcke im Zimmer, wo der Betreffende starb, dass diese auch schnell absterben werden. (Aus dem Rheintal)

Aehnlich die Frauen, wenn sie zu gewissen Zeiten Blumenstöcke berühren, verdorren diese auch. Holen sie Most oder Wein im Keller, so stirbt der ganze Inhalt  des Fasses ab. Zaubereien sind am wirksamsten, wenn sie von reinen Jungfrauen, von hoffenden Müttern oder von Frauen ausgeführt werden, die schon Zwillinge geboren haben. Die erste Frucht eines jungen Baumes soll ein Kind auf der Mutter Arm pflücken und in ein grosses Tuch legen. Essen soll diese Frucht aber eine hoffende Frau; der Baum wird dann recht fruchtbar. Die Märchen von den Gelüsten und Muttermälern sind allbekannt. Eine Mutter soll das Kindszeug nicht richten, bevor das Kind geboren ist, sonst stirbt es. Begegnet dem Jäger oder Reisenden  am Morgen zuerst eine alte Frau und wünscht sie ihm einen guten Tag, so kehrt er um, denn er weiss, dass er weder Glück noch Stern haben würde. Begegnet dem Manne am Neujahrsmorgen zuerst eine Frauensperson, so hat er Unglück zu gewärtigen. Dieser böse Zauber, der in der Frau liegt, ist ein unchristlicher, er stammt offenbar aus dem Heidentum, das der Frau auch in andern Dingen eine niedrige Stufe anweist.

Zauberkräftig ist auch ein Kind unter 7 Jahren. Dieses hat viel Glück in der Lotterie; man lässt es darum die Lose ziehen. Wägen und messen darf man ein Kind nicht; das ist ihm schädlich. Auch wächst es nicht mehr, wenn man mit dem Fuss über seinen Kopf wegspreizt oder wenn man ihm Branntwein zu trinken gibt. Kluge und fromme Kinder sterben früh. Das Händchen oder auch nur ein Fingerchen eines ungeborenen Kindes ist der beste Dietrich für Diebe; er öffnet alle Türen. Zündet der Dieb das Händchen an, so brennen so viele Finger nicht, als Personen im Hause nicht schlafen. Dieser Aberglaube soll nach Wuttke schon zu schrecklichen Verbrechen geführt haben, noch bis in’s 17. Jahrhundert herein.

Das Ohrenläuten deutet an, dass über das Betreffende gesprochen wird; läutet es im rechten Ohr, so geschieht es im günstigen Sinne, läutet es im linken, ist der Sinn ein ungünstiger. Das Zucken in den Augen stellt ein Zusammentreffen mit einem Bekannten in Aussicht, im erfreulichen Sinne, wenn es im rechten Auge zuckt, im unerfreulichen beim linken Auge. Das Nasenbeissen hat die Vorbedeutung für eine eintreffende Neuigkeit, und wer morgens mit dem linken Fuss zuerst aufsteht, riskiert tagsüber Missgeschick. Auch unter den Tieren sind viele zauberhaft. Ganz der Sagenwelt gehört der Drache oder Lintwurm an. Er ist eine geflügelte Schlange, die Schätze bewacht und davon in Gold glänzt. Drachenblut macht unverwundbar; wer das Herz eines Drachen isst, versteht die Sprache der Tiere. In der christlichen Sage, z.B. von Beat, ist der Drache auch der Inbegriff des Heidentums; er flieht vor dem frommen Gebete des Gottesmannes.

Die Schlange ist das Sinnbild des Blitzes, daher ein Tier Thor’s, bei den Heiden ein heilbringendes, unverletzliches Tier. Bei den Letten heissen die Schlangen Milchmütter und stehen unter dem Schutz einer höhern Göttin. Die alten Preussen unterhielten eine grosse Schlange, welche die Priester zu pflegen hatten. Sie betteten sie auf Kornähren und tränkten sie mit Milch. Daher ist auch bei uns njoch die Schlange geehrt. Als Hausotter schützt sie namentlich die Kinder. Tötet man sie, so sterben diese. Unter der Türschwelle hat sie ihren Sitz; auf dieser darf man darum nicht Holz spalten. Das Fett der Schlangen ist heilkräftig. Die Aerzte verwenden dasselbe nach dem Volksglauben häufig. Wir Knaben brachten einst eine erlegte Ringelnatter dem Dorfarzt und meinten, dafür ein grosses Stück Geld zu bekommen, wurden aber tüchtig ausgelacht. Wer das Fleisch einer weissen Schlange isst, lernt die Sprache der Vögel verstehen. Die Schlangen im Wald und Feld haben auch ihre Könige, die goldene Kronen tragen. Gehen sie baden, so legen sie diese Krone ab. Wer sie findet und damit entfliehen kann, wird unermesslich reich.

Wer einen Haselwurm fängt, bei sich trägt oder gar isst, erhält Zauberkräfte, kann sich unsichtbar machen, Schätze finden und heben, Kräuter reden hören. Zeigen sich Würmer oder Blindschleichen auf der Strasse, hat man Regen zu erwarten. (Sarganserland, 1916)

Fortsetzung folgt!

 

 

14. Juni 2012

Hirnwurm-20

by Josef Beda

Die beiden vielleicht schönsten, sicher auch unter den interessantesten Zugskompositionen einzustufen, welche sich im Besitz der »Schweizerischen Bundesbahnen« befinden sind die fünf Züge des Typs RABe EC – einst Könige des europäischen Schienennetzes -, die allerdings in den Jahren 1995 bis 1999 ausgemustert wurden und die 44 Züge des Typs RABDe 500, welche ab 1999 in zwei Serien an die Unternehmung ausgeliefert wurden. Beide Kompositionen haben ihre ganz eigenen Qualitäten und Merkmale, beide aber sind in Form und Farbe schön, einfach edel.

Die Fotografie zeigt links den RAe TEE II 1053 und rechts einen der 44 Triebzüge RABDe 500 ICN der »Schweizerischen Bundesbahnen«.

 

 

Der RABe EC, besser bekannt als RAe TEE II, ist ein für vier Stromsysteme ausgelegter Schnelltriebwagenzug  – in der Fachsprache als »Vierstrom-Triebzug« bezeichnet -, der ab 1960 auf verschiedenen TEE-Verbindungen eingesetzt wurde. Dank der Mehrstromtauglichkeit konnte der Zug ohne die Zugmaschine zu wechseln die »Rundfahrt« Zürich – Mailand – Paris – Mailand – Zürich, welche jeweils auf drei Tage aufgeteilt war, durchlaufen.

 

Die Karte zeigt die verschiedenen Stromsysteme der grossen Eisenbahnnetze in Mitteleuropa. Blau: 15 kV / AC 16,7 Hz; Grün: 25 kV / AC 50 Hz ; Rot 1,5 kV / DC; Gelb: 3 kV / DC – die RAe TEE II bzw. RABe EC »beherrschten« sie alle!

Erstmals waren für Damen und Herren getrennte Toiletten vorhanden und die Sonneneinstrahlung durch die doppelverglasten Wagenfenster konnte mit elektrisch angetrieben Rollläden unterbunden werden. Nach der sukzessiven Einstellung des TEE-Netzes wurden die Züge umgebaut – neben den Sitzen in der ersten Klasse wurden nun auch Sitze in der zweiten Klasse angeboten -, und sie bekamen einen neuen Farbanstrich, der ihnen den Namen »Graue Maus« einbrachte.

 

Obenstehendes Foto zeigt einen der in den Jahren 1988 und 1989 mit neuer Farbgebung bemalten und umgebauten sechsteiligen Schnelltriebwagenzüge.  Aufgrund der Farben Hellgrau/Dunkelgrau wurden sie als »Graue Maus« bezeichnet.

Vier der Kompositionen wurden nach ihrer Ausmusterung abgebrochen – der Schnelltriebwagenzug RAe TEE II mit der Nummer 1053 wurde im Jahr 2003 von der »SBB Historic« umgebaut, auf Plätze erster Klasse zurückgebaut -, und er wurde wieder in den Original-TEE-Farben lackiert. Seit 2012 ist der sechsteilige Luxuszug – ein Speisewagen mit Bar, ein Pianowagen, drei Grossraumwagen und der Maschinenwagen – wieder einsatzbereit und kann von der »Stiftung Historisches Erbe der SBB« gemietet werden.

 

Der Blick in die blitzblanke Bar des Luxuszuges lädt ein, hier ein Bier, ein Glas Wein oder wenn gegeben einen Kaffee zu geniessen. Durch Anklicken des Bildes ist mehr über den mietbaren »König« zu erfahren.

Im Jahr 1987 wurde im Rahmen des Eisenbahnprojektes »Bahn 2000«, welches unter anderem die etappenweise Umsetzung zur Beschleunigung und Verdichtung der bestehenden Verbindungen zum Ziel hat, festgelegt, dass die erforderlichen Reisezeitverkürzungen ausschliesslich durch Um- und Neubauten der Gleisanlagen erreicht werden sollen. Doch wurden die Kosten für die Neubaustrecken unterschätzt, aufgrund dessen musste eine andere Lösung gefunden werden. Die SBB stellten im Jahr 1995 – erfolglos – und im Jahr 1996 Ausschreibeverfahren aus. Auf die zweite Ausschreibung hin konnten die SBB beim Konsortium ‹Adtranz, Fiat-SIG Schienenfahrzeuge AG, SWG (Schindler Waggon AG)› 24 siebenteilige Intercity Neigezüge mit der Bezeichnung RABDe 500 (ICN) in Auftrag geben. Die zweite Serie von zwanzig weiteren Triebzügen des gleichen Typs – auch gleicher Bezeichnung – wurden vom Konsortium ‹Bombardier Transportation, Alstrom› gebaut.

 

Auf obenstehendem Foto ist eine Komposition des siebenteilige Zuges mit der Bezeichnung RABDe 500 (ICN) auf der Neubaustrecke zwischen Rothrist und Mettmenstetten zu sehen.

Der Triebwagenzug verfügt über keinen eigentlichen Maschinenwagen. Je zwei Drehstrom-Asynchronmotoren sind in den beiden ersten und den beiden letzten, dem sechsten und siebten Wagen untergebracht, die GTO-Stromrichter befinden sich im zweiten und sechsten Wagen, im dritten und fünften Wagen befinden sich die Transformatoren. Es ergeben sich daraus zwei Halbzüge deren Traktionsausrüstungen weitgehend jener der Lok 2000 (Re 460) entsprechen – nur der mittlere,  vierte Wagen trägt kein Element des Antriebs. Bei Anklicken des kleinen Bildes unten ist ein Video zu sehen, auf dem bei der Durchfahrt des ICN deutlich zu erkennen ist, dass der dritte und fünfte Wagen, in denen die Transformatoren eingebaut sind, Stromabnehmer besitzen.

 

Wie es der Name Intercity Neigezug schon sagt, sind die Zugsgarnituren mit einer Neigetechnik ausgerüstet, die eine bis zu 20% höhere Geschwindigkeit gegenüber den nicht mit dieser Technik ausgestatteten Zügen erlaubt. In Kurven ermittelt die elektronisch geregelte Neigetechnik aufgrund der von Kreisel und Beschleunigungssensoren erfassten Daten den optimalen Neigungswinkel des Wagenkastens gegenüber den Radachsen. Dieser Neigewinkel muss dann auch an die Steuereinheit zwischen Wagenkasten und Stromabnehmer – in entgegengesetzter Richtung – übermittelt werden.

 

In Kurven neigt sich der Zug gegenüber der von den Schienen aufgespannten Ebene bis zu 8° – entsprechend diesem Neigewinkel muss sich ebenfalls der Stromabnehmer – allerdings in entgegengesetzter Richtung – neigen.

Ein weiteres Merkmal dieser Züge ist, dass alle einen Namen einer Schweizer Persönlichkeit tragen. Vertreten sind beispielsweise Philosophen, Architekten, Schriftsteller, Bildhauer, Schauspieler, Clowns, Politiker, Wissenschaftler und Pioniere:

ICN 500 006 → Johanna Spyri (Jugendschriftstellerin)
ICN 500 007 → Albert Einstein (Physiker)
ICN 500 009 → Friedrich Dürrenmatt (Schriftsteller)
ICN 500 010 → Robert Walser (Schriftsteller)
ICN 500 017 → Willi Ritschard (Politiker)
ICN 500 029 → Eduard Spelterini (Pionier)
ICN 500 031 → Louis Favre (Ingenieur)
ICN 500 037 → Grock (Clown)

Die vierundvierzig siebenteiligen ICN tragen alle den Namen einer Schweizer Persönlichkeit. Die Schriftzüge sind am vordersten und hintersten Wagen beidseitig unter den Seitenfenstern der Führerstände angebracht. 

 

 

Und etwas fällt dann doch auf – keine der 44 ICN-Kompositionen trägt den Namen einer Persönlichkeit aus dem Bereich der Schweizer Armee – dabei hätte es – nmA – sicher die einte oder andere Persönlichkeit verdient.

Unsere Frage lautet: «Welcher Name einer Persönlichkeit aus dem Bereich der Schweizer Armee könnte durchaus auch einen »Platz« auf einem der Intercity Neigezüge haben?»

Wettbewerbsbestimmungen:

Am Wettbewerb «Hirnwurm-20» – der letzten Ausgabe dieser Serie – können unsere Blog-Leserinnen und -Leser teilnehmen, ausgeschlossen sind das Personal und die Mitarbeitenden der Stiftung Tosam.
Die Vorschläge können uns per e-mail: info@buchplanet.ch zugestellt werden. Die Einsendungen werden von einer neutral-zusammengesetzten Jury – ohne den Absender zu kennen – beurteilt und rangiert. Für den ersten Rang winkt ein Gutschein in der Höhe von CHF 38.00, für den zweiten Rang ist ein Gutschein von CHF 28.00 vorgesehen und für den drittplatzierten ist ein Gutschein im Wert von CHF 18.00 vorbereitet. Bei mehreren gleichrangierten (gleichlautenden) Vorschlägen, werden die Preise – eine gesponserte Ausnahme – ausgelost.
Die Gewinner werden von uns per e-mail benachrichtigt und den jeweiligen Gutschein-Code erhalten. Dieser Code kann bei der nächsten Bestellung in das entsprechende Feld eingegeben werden. Der Betrag wird dann vom Rechnungsbetrag, zusammengesetzt aus den Preisen der bestellten Bücher und den Versandkosten in Abzug gebracht. Eine teilweise Einlösung der Gutscheine ist nicht möglich, beim Gebrauch verfallen die allfälligen Restbeträge.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs erklären sich mit den Bestimmungen einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen (OR 513).

Einsendeschluss: Freitag, 29. Juni 2012

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: www.flickr.com
Bild D: www.sbbhistoric.ch
Bild E: Wikipedia
Bild F: www.youtube.com
Bild G: www.photosrail.ch
Bild H: www.photosrail.ch

 

 

12. Juni 2012

Hirnwurm-19 – Die Lösung

by Josef Beda

Die Kompositionen von Frédéric Françoise Chopin, der am 22. Februar 1810 ¹) geboren wurde, sind vor allem für Klavier geschrieben – in einigen wenigen Werken sind auch die musikalischen Anleitungen für ein Violoncello vorhanden. Das Repertoire reicht von Polonaisen, Mazurken und Walzer – allesamt nicht zum Tanzen geeignet, sondern für konzertante Vorträge komponiert – über Etüden, Nocturnes, Préludes, Balladen und Scherzi bis hin zu Impromptus und Sonaten. In vielen Werken des Komponisten, an denen er oft jahrelang gearbeitet hatte, sind die Merkmale und die Einflüsse der polnischen Volkstänze und Volkslieder spürbar zu erkennen und zu hören.

 

Obenstehende Fotografie – sie gilt als einzige des Pianisten und Komponisten Frédéric Chopin –  zeigt ihn im Jahr seines Todes, 1849. ¹) Die Angabe in der Geburtsurkunde von Frédéric Chopin lautet auf den 22. Februar 1810 – es existieren jedoch auch andere Angaben.

Der, wahrscheinlich an Tuberkosose, im Alter von gerademal 39 Jahren in seiner Wohnung am 17. Oktober 1849 in Paris verstorbene Künstler wurde auf dem »Cimetère du Père Lachaise«, dem grössten Friedhof von Paris und wohl dem berühmtesten der Welt, begraben – sein Herz jedoch wurde ihm gemäss seines Wunsches entnommen und in der Heiligkreuzkirche in Warschau beigesetzt.

 

In einer Säule der Heiligkreuzkirche in Warschau wird das Herz des polnischen Nationalkomponisten Frédéric François Chopin aufbewahrt. Auf dem Erinnerungsmal des Komponisten ist der Satz «Wo Dein Schatz, da ist auch Dein Herz» zu lesen. Die im Barockstil gebaute Kirche zählt zu den wichtigsten Gotteshäuser Warschaus in der sich auch die grösste Orgel der Stadt befindet.

Zu Ehren von Frédéric Chopin wurden in Warschau, in seinem Geburtsort Zelazowa Wola sowie in München und Wien Denkmäler gesetzt und der Internationale Flughafen in Warschau ist nach seinem Namen benannt.

Die richtige Antwort auf unsere am 31. Mai im Hirnwurm-19 gestellte Frage lautet: Der Künstler, Pianist und Komponist aus Warschau heisst Frédéric François Chopin.

Auf unseren »Hirnwurm-19« haben wir einige richtige und keine falschen Lösungen erhalten. Wie angekündigt, musste bei mehreren richtigen Einsendungen das Los entscheiden. Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird von uns per e-mail persönlich benachrichtigt und erhält den Gutscheincode für eine Gutschrift von CHF 18.00 auf die nächste Rechnung des »buchplanet.ch«. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das Interesse und hoffen, dass viele Personen auch am »Hirnwurm-20« – dem letzten dieser 2. Serie -, der am nächsten Donnerstag, 14. Juni  erscheinen wird, mitmachen werden.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia

 

 

11. Juni 2012

Adrian Wolfgang Martin – eine interessante Persönlichkeit

by Sara Grob

In unserem Onlineshop für secondhand Bücher haben wir einige Bücher von Adrian Wolfgang Martin im Angebot. Ein guter Grund um diesen Dichter ein wenig genauer zu beleuchten.

Die Bücher von Adrian Wolfgang Martin

Adrian Wolfgang Martin wird als Schriftsteller, Maler und Sozialpionier bezeichnet. Er ist am 29.4.1929 geboren und war in den fünfziger Jahren Mitglied im St.Galler „Notker-Kreis“. Weitere Mitglieder waren: Hermann Kopf, Jörg Germann, Urs Hochuli, Marcel Pfändler, Silvio Rizzi, Ludwig Rohner. Adrian Wolfgang Martin publizierte zwischen 1950 und 1955 vier Sammlungen Lyrik (teils noch während seines Studiums in Bern). 1960 erschien der Roman „Requiem für den verlorenen Sohn“, der sich um das „Halbstarken-Problem dreht. 1966 erschien das Buch „Janus von Neapel“ und später noch die Prosa „Salina“. 1967 kam die Sammlung „Gedichte 1957 – 1966“ heraus. Das neuste Buch von Adrian Wolfgang Martin „Der Zwillingsberg. Vom Leben auf den Äolischen Inseln“ ist im Appenzeller Verlag erschienen.

Ich möchte nun zwei Auszüge aus dem Buch „Eine kurze Geschichte der Literatur aus dem Kanton St.Gallen. Von der Gründung des Kantons 1803 bis heute“ von Dominik Jost bringen, denn ich könnte es nicht besser in Worte fassen.

Die Gedichte von Adrian Wolfgang Martin setzen Seiendes voraus. Sie sind nicht „Sprachfelder“, in denen die Sprache sich selbst genügt und um ihrer selbst willen nur sich selbst darstellt, sondern Texte, die sich auf vorgegebene, vorsprachliche Wirklichkeit beziehen. Diese vorgegebene Wirklichkeit ist aber von ganz anderer Beschaffenheit als jene Realität, die das umgreifende Wort „Natur“ bezeichnet; von „Natur“ im Sinne und dem Sprachgebrauch Goethes etwa ist in Martins Gedichten nicht die Rede. Ihre Landschaften sind Traumlandschaften oder Seelenlandschaften; die Richtungsangaben „einwärts“,  „nach innen“, „einwärtsgekehrt“, „traumwärts“ weisen in Räume von gläserner Transparenz. Die Vorgänge vollziehen sich jenseits der Rationalität, und selbst wenn einfache Bilder wie Wurzel, Samenkorn, wie Acker, Furche, Erde, wie Brot, Wein, Honig, Wasser evoziert werden, bleibt das ausschliesslich rationale Begreifen auf der Strecke.

Martins Gedichte sind die Kristallisationsorte eines konsequent durchstrukturierten, aber keineswegs abgeschlossenen dichterischen Kosmos. Ihre Metaphorik, in der die gewohnten Bezüge ausser Kraft gesetzt sind, hat zur Folge, dass das einzelne Gedicht erst nach dem Durchschreiten des Ganzen in Wahrheit aufgenommen und verstanden werden kann.

 Adrian Wolfgan Martin und der Brühlhof in Herisau

Als ich nach Adrian Wolfgang Martin googelte, stiess ich auf einen Beitrag der Appenzeller Zeitung mit dem Titel „Vergeblich gekämpft“. Der Artikel ist vom 4. November 2010 und handelt von Adrian Wolfgang Martin und dem Brühlhof in Herisau. Der Brühlhof ist ein herrschaftliches Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert, 1987 übernahmen Regina und Adrian Wolfgang Martin das Haus, das sich seit jeher im Familienbesitz befand. Sie mussten immer um dieses Haus kämpfen, zweimal prozessierte Martin bis vors Bundesgericht gegen die Ausbaupläne der damals gegenüberliegenden Methrom (eine bedeutende Herisauer Firma). Als Adrian Wolfgang Martin und seine Frau dann aber hörten, dass nun die Migros einen Ausbau plant, da resignierten sie. Sie verkauften die Liegenschaft an die Migros in der Hoffnung, dass der denkmalgeschützte Brühlhof bestehen bleibt. Leider ein Irrtum, wenn man die Baupläne der Migros genauer betrachtet. Doch nicht nur der Brühlhof soll dem Migros-Neubauprojekt weichen, sondern auch einige geschützte Bäume, darunter ein Mammutbaum.
Die Informationswebseite der Migros zu diesem Neubauprojekt finden Sie hier
Die Informationswebseite der Gegner des Migros-Neubaus finden Sie hier

Der Brühlhof in Herisau. Foto von der Seite: www.zentrum-neubau.ch

Ich empfehle Ihnen besonders die Informationswebseite der Gegner. Hier finden Sie wunderbare Fotografien des Brühlhofs und der geschützten Bäume.

Von Adrian Wolfgang Martin haben wir an Lager:

Apollinische Sonette

Emanuel Stickelbergers Werk in der literarischen Sendung der Schweiz

Emanuel Stickelbergers Werk in der literarischen Sendung der Schweiz (Bütten-Ausgabe)

Gedichte 1957 – 1966

Requiem für den verlorenen Sohn