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Aberglauben, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

von Urs Steiner

Unter den zauberischen Personen stellen wir die Hexen obenan. Der Hexenglaube ist alt und nimmt seinen Ursprung wieder im Heidentum. Nicht, dass bei den Germanen ein so unglückliches Hirngespinst nachweisbar wäre, aber die alten heidnischen Priesterinnen haben ohne Zweifel Veranlassung zu dem christlichen Hexenglauben gegeben. Diesen Priesterinnen war nämlich an den Opferfesten ein nicht unwichtiger Teil der Opferhandlungen zugeschieden. Das Christentum aber setzte mit einemmale die Frauen in ihren priesterlichen Eigenschaften ab. Es darf daher mit Sicherheit angenommen werden, dass diese Frauen noch Jahrhunderte lang am heidnischen Kultus wenigstens heimlich festgehalten haben und dass ihre nächtlichen Zusammenkünfte Veranlassung zu dem Glauben an die Hexenfeste  und Hexentänze gegeben haben. Die Tänze, der Genuss des Pferdefleisches, das Trinken aus Pferdehufen, das Aufrichten von Pferdeköpfen, was alles den Hexen nachgeredet wird, weisen deutlich auf die heidnischen Opferbräuche hin. Die Hexern gehören zu Donar und zu Wodan zugleich, darum reiten sie auf Besen und tanzen gern unter Eichen. Sie machen Sturm, Hagel und Mäuse.

Die traurigen Hexenverfolgungen begannen aber erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und endeten, nachdem mindestens 30‘000 Personen ihnen zum Opfer gefallen waren, nach 3 Jahrhunderten. Der Hexenglaube ist aber damit keineswegs abgetan worden. Derselbe sitzt in den Bergtälern im Gegenteil noch ganz fest; jedes Dorf hat heute noch seine Hexen unter den eigenen Bewohnern und diese reiten heute noch auf Besen, Bänken, Bohnenstangen, Kochlöffeln, Deichseln, Heu- und Ofengabeln an ihre Feste, melken ihren Nachbarn das Vieh, „verderben“ ihnen Alles, was lebt, in Haus und Stall.

Auch die Zigeuner sind, wie die Hexen, mit dem Teufel im Bunde. Sie können auf dem Heustock Feuer machen, ohne das Heu zu gefährden. Wenn man ihnen aber entgegenkommt, d.h. wenn man ihr Begehren erfüllt, so fügen sie uns kein Leid zu, während die Hexe das Böse tun muss, wenn nicht an den Fremden, so an den eigenen Leuten. Der Zigeuner übt seine Kunst nur zum eigenen Unterhalt. Freilich, gibt man ihm ein Stück Fleisch aus dem Kamin, so bekommt er die ganze Sau; gibt man ihm ein Stück Geld, so zaubert er uns Alles aus der Tasche; zeigen wir ihm unsere Pfannen und Kessel, so bläst er in den besten Boden ein Loch und flickt ihn dann um ein Stück Geld so, dass von einem Flick wieder nichts zu sehen ist.

Die Schatzgräberei gehört zum spekulativen Aberglauben. Die Schatzgräber sind Betrüger, die den Einfältigen um sein Geld bringen und an den Hokuspokus, den sie treiben, selbst nicht glauben.

Hierher gehört auch das Wahrsagen; nur handelt es sich um kleinere Beträge. „Mein Gott! Man muss doch mit etwas sein Brot verdienen“, sagt die Alte, die wir über ihren Betrug zur Rede stellen. Das Wahrsagen aus der Hand und aus dem Kaffeesatz sieht ziemlich unschuldig aus und stellt in der Regel günstige Tage in Aussicht. Schlimmer ist es schon mit dem Kartenschlagen, das noch viel verbreiteter ist, als man erwarten sollte. Da stellt sich zwischen uns und den Herzbub oder die Herzdame nicht selten ein Schaufelträger, der in einem unserer nächsten Anverwandten erkannt wird und es können die schönsten Verhältnisse gestört werden. Ueberhaupt ist der Hang, die Zukunft vorauszuwissen, ein krankhafter und lähmt die Lebenskräfte mehr, als er sie zu stärken vermöchte. Traurig aber ist die Verirrung des menschlichen Geistes, die die Seelen der Abgestorbenen vor sich zu rufen vorgibt, wie es beim Tischrücken geschehen ist, das vor wenigen Jahrzehnten wie eine Epidemie über die christlichen Völker der zivilisierten Welt hereingebrochen ist. Die Epidemie ist glücklicherweise vorbei, aber einzelne Kranke liegen noch hier und dort; sie wären auch in der Schweiz nicht in einem Tage zu zählen.

Den Zauber einer dieser Personen, namentlich der Hexen, weiss der Kapuziner zu lösen und der Priester, doch nur der katholische. Mit ihren geweihten Palmen, Broten, Oelen, Salzen, Kreuzen und Amuletten entkräften sie den Spuk.

Zu den zauberhaften Personen gehört auch die Pfarrersköchin seltsamerweise, doch so viel bekannt ist nur mit einer Notiz. Will man nämlich ein Pferd hinkend machen, so schlägt man in seine Hufspur einen Nagel von einem behagelten Baum oder von einem neuen Galgen oder das Messer einer Pfarrersköchin.

Fortsetzung folgt!

 

 

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