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Die Stadt im Schatten von Madrid – ?

von Josef Beda

Madrid, die Hauptstadt der siebzehn Autonomen Gemeinschaften umfassenden Parlamentarischen Monarchie Spanien, zählt etwa 3,3 Millionen Einwohner. Sie bildet mit ihrem Ballungsraum die aus der – einzigen – Provinz Madrid bestehende rund 6,5 Millionen Einwohner zählende Autonome Gemeinschaft Madrid. Geografisch liegt die Stadt auf 667 Meter über Meer, inmitten der Meseta, der zentralen Hochebene von Kastilien und auch ziemlich in der Mitte des Staatsgebietes von Spanien. Madrid ist die drittgrösste Stadt und höchstgelegene Hauptstadt in der Europäischen Union. Die Stadt kann mit vielen Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Zeitepochen aufwarten – zum Beispiel mit dem Königspalast »Palacio Real«, der offiziellen Residenz des spanischen Königshauses. Der Grossraum Madrid zählt zu den grössten Metropolen Europas.

 

Der Königliche Palast in Madrid wurde in den Jahren 1734 bis 1764 errichtet. Auf dem Gelände des heutigen Palastes stand ein maurisches Burgschloss, welches am 24. Dezember 1734 in einem Flammenmeer zerstört wurde. Das Bild oben zeigt die Südseite des Schlosses mit seinem Eingang und den dem Schloss vorgelagerten Ehrenhof.

Madrid wurde in der Zeit nach dem Mittelalter ein bedeutungsvolles Schicksal beschieden, entwickelte sie sich doch, immer mit dem Ziel grösser und mächtiger zu werden, von einer maurischen Siedlung zur Hauptstadt einer Provinz, einer Autonomen Gemeinschaft und zur Hauptstadt eines Landes, dessen Ursprünge mehrere hundert Tausend Jahre zurückliegen. Jedoch im Mittelalter war es Toledo, die etwa 65 Kilometer südwestlich von Madrid liegende, hundert Meter über den Ufern des Flusses Tajo thronende Stadt, die Geschichte schrieb. Toledo ist eine historisch gewachsene Stadt in der sich der Orient des Islams, das westliche Christentum wie auch das Judentum vereinen. Die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, auch »Stadt der drei Kulturen« genannt, in der Christen, Mauren und Juden ihre Spuren hinterlassen haben und die durch ihre epochalen Bauten wie ein einziges grosses Museum wirkt, wurde vom spanischen Staat zum »Nationalen Monument« und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wohl ist Madrid eine moderne Grossstadt, lockt mit ihren Sehenswürdigkeiten und weckt das Interesse der Besucher, doch sie kann sich mit der vom Tajo umspülten Stadt Toledo nicht messen.

 

Hundert Meter über dem Ufer des Flusses Tajo, der sich in Mäandern – einer Abfolge von Flussschlingen – tief in den Felsen der Hochebene der Südmeseta eingeschnitten hat, liegt die Stadt Toledo.

Jahrhundertelang lebte Madrid im Schatten von Toledo, der grossen westgotischen und maurischen Königs- und späteren Kaiserstadt. Madrid war für die Araber eine, zum Schutz der lebenswichtigen Verbindungsstrasse nach Alcarria, vorgeschobene Festung von Toledo. Zusammen mit Segovia und Avila gehört Toledo zu den drei historischen Metropolen in der Umgebung der spanischen Hauptstadt. Die Stadt mit ihren etwa 85’000 Einwohnern ist bekannt durch seine Altstadt mit der Kathedrale Santa Maria, den vielen weiteren Kirchen und der auf einem Felsen errichteten Festung, welche die ganze Stadt überragt und dominiert – dem Alcázar.

Das Panorama der Stadt Toledo wird geprägt von der mächtigen Kathedrale und dem Alcázar, der auf Felsen errichteten Festung mit vier Türmen.

Die Stadt ist wirklich fantastisch – und die Menschen die dort leben auch. Bei den Spaziergängen durch die von Synagogen, maurischen und arabischen Bauten, Kapellen und Kirchen gesäumten Gassen und Strassen trifft man auch auf viele interessante Geschäfte, handwerkliche Betriebe und Souvenirläden, in denen Schwerter, Rüstungen und Vasen und andere aus Toledo-Stahl hergestellte Güter gekauft werden können. Broschen und Anhänger werden dem Wunsch des Käufers entsprechend in seiner Anwesenheit – vor seinen Augen – geformt, gefräst und veredelt.

 

Bei einem Bummel durch die engen und verschlungenen Gassen von Toledos Altstadt trifft der Besucher auf alte Häuser mit reich verzierten Fassaden, auf prächtige Paläste, eindrucksvolle Kirchen, Moscheen und Klöster.

 

 

Mit dem Bau der Kathedrale von Toledo – Catedral de Santa Maria de la Asunción de Toledo – wurde 1m Jahr 1227 begonnen. Der Bau der gewaltigen Kathedrale, welche als reichste und bedeutendste gotische Spanies gilt, dauerte über 250 Jahre. Mehr als 750 bemalte Fenster lassen das detailliert ausgeschmückte Innere der Kathedrale in einem diffusen Licht erscheinen.

Auch die Spanier hatten sich, wie wir Eidgenossen, gegen die Habsburger zur Wehr gesetzt. Am 16. April 1520 brach in Toledo unter der Führung von Juan de Padille der »Comuneros-Aufstand«, der sich gegen die unter König Karl I. stehende Herrschaft der Habsburger richtete, aus. Es kam zu dieser Erhebung, weil der noch sehr junge, aus dem Hause Habsburg stammende, Karl – am 24. Februar 1500 geboren – aufgrund des Ablebens von König Ferdinand II. von Aragon im Jahr 1516 und den fehlenden Nachkommen aus dessen Linie, zum König über Spanien wurde und dies den Spanier aufgrund seiner Herkunft missfiel. Als der junge absolutistisch regierende König drei Jahre später als Karl V. noch zum deutschen König gewählt wurde, stieg das Habsburgerreich zur europäischen Grossmacht auf. Frankreich sah sich durch diese Entwicklung herausgefordert, was zu kostspieligen Kriegen zwischen den beiden Konkurrenten führte. Um seine Kriegskasse zu äufnen erhöhte König Karl I./V. in Spanien die Steuern, obwohl das Land durch Trockenheit und Ernteausfälle geschwächt war. Zudem verliess Karl Spanien und setzte zur Verwaltung des Landes einen Statthalter ein. Die unzufriedenen Spanier nutzten diese Situation für den Aufstand, der anfangs 1522 jedoch von den Habsburgern niedergeschlagen wurde.

Toledo bildet die literarische Kulisse für verschiedene Romane – beispielsweise für »Die Hakima  – Ärztin zwischen Kreuz und Halbmond« von Kari Köster-Lösche. «Der Roman beschreibt den schicksalhaften Lebensweg eines jungen Mädchens aus dem mittelalterlichen Lübeck, das nach gefahrvollen Irrfahrten in Toledo von berühmten muslimischen Ärzten in der Heilkunde unterwiesen wird und trotz Angst vor Verfolgung und Bedrohung durch einen Ritter den Sinn ihres Lebens in der Behandlung kranker Menschen und dem Erwerb von Wissen findet. Der Roman, glänzend recherchiert, gibt auch einen Einblick in die verschiedenen damals herrschenden Geistesströmungen, den Fanatismus eifernder Kreuzzugsprediger, das Schicksal der Katharer und das farbenprächtige christlich-muslimisch-jüdische Spanien. Ein spannender Abenteuerroman, der bis zur letzten Seite reich an Überraschungen ist.» (Rezension)

Der historische Roman »Die Hakima – Ärztin zwischen Kreuz und Halbmond« wurde von der deutschen Schriftstellerin Kari Köster-Lösche (* 23. Januar 1946 in Lübeck) verfasst. Es ist in unserem Online-Shop für gebrauchte Bücher – buchplanet.ch – als Taschenbuch, erschienen 2001 im Econ Ullstein List Verlag erhältlich.

 

Nachstehende Bildmontage zeigt von links nach rechts die Wappen der Stadt Toledo, der Provinz Toledo und der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, Nachfolgerin der historischen Region Neukastilien, die ihrerseits dem Königreich Toledo folgte.

 

Toledo, eine Stadt mit grosser Vergangenheit, Heimat dreier Weltreligionen, einstige Hauptstadt Spaniens, heute Hauptstadt der Provinz Toledo, Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, UNESCO-Weltkulturerbe und Nationales Monument der Erbmonarchie Spanien, die »Mutterstadt« von Madrid – gar nicht im Schatten ihrer »Tochter« stehend – eine Reise wert!

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D:
Bild E: Buchdeckel
Bild F: Wikipedia; Bildmontage: buchplanet.ch (JBS)

 

 

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