Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Archiv vom April, 2012

30. April 2012

Gedanken zum »Tag der Arbeit«

by Josef Beda

So einmal im Jahr – am 1. Mai zum Beispiel – macht sich vielleicht die eine oder andere Person zu Fragen wie: «Was ist Arbeit?» oder «Was ist unter Arbeit zu verstehen?» Gedanken. Die Definition der Arbeit in der Physik sagt, dass die Arbeit jener Energiemenge entspricht, die bei einem Vorgang umgesetzt wird. Dabei ist die am naheliegendste Arbeit – die mechanische Arbeit – als Skalarprodukt aus Kraft und Weg definiert – im schwierigsten Fall ein Kurvenintegral, im einfachsten Fall, wenn die Kraft in der Wegrichtung wirkt, das Produkt aus Kraft und Weg. Aber bereits bei dieser Definition stosst man auf eine Schwierigkeit, denn das Tragen von Koffern, Kisten und allen anderen Gegenstände auf ebener Strecke von A nach B ist damit keine Arbeit.

In der Karikatur unten ist ein Mann zu sehen, der einen Teppich trägt und sich auf einem ebenen Untergrund vorwärts bewegt. Noch lacht er – wenn die zurückzulegende Strecke lang ist, wird es für ihn mühsam werden. Gemäss Definition der Physik arbeitet der Mann aber nicht, denn das Gewicht (mg) des Teppichs steht senkrecht zum Untergrund.

 

Die menschliche Arbeit kann mit dieser physikalischen Definition also nicht beschrieben werden, denn das Schleppen von Gegenständen kann unter Umständen eine mühsame Schwerstarbeit sein. Ebenfalls ist das bewusste schöpferische Handeln der Menschen mit allen Beschreibungen für die verschiedenen Formen der physikalischen Arbeit auch nicht abgedeckt. Die Philosophie dagegen definiert das schöpferische Handeln des Menschen als Arbeit.

Besuchen wir kurz den Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Hier ist zwischen der Betriebswirtschaft, in der Arbeit eine Komponente der Produkterzeugung ist, und der Volkswirtschaft, in der Arbeit ein Produktionsfaktor darstellt, zu unterscheiden. In beiden Zweigen kommt der Begriff »Produkt« vor und damit sehen wir bereits nach kurzen Überlegungen, dass Arbeit umfassend zu definieren äusserst schwierig ist, denn wo wäre beispielsweise der Platz für die Sozialarbeit, die Hausarbeit oder die Familienarbeit zu finden? Nehmen wir eine nächst-mögliche Definition und legen fest, dass Arbeit jene Tätigkeit ist, die ein Entgelt abwirft, mit dem der Lebensunterhalt zu bestreiten ist. Und wieder sind wir am Anschlag, denn wo ist bei diesem Ansatz die Freiwilligenarbeit, die oftmals aufgewendet werden muss, jedoch auch geleistet werden will, einzuordnen?

Mit gesundem Menschenverstand kann man vielleicht der Erkenntnis oder der Auffassung zustimmen, welche die menschliche Arbeit als eine Tätigkeit bezeichnet, die – im weitesten Sinn – einen Nutzen, einen Mehrwert, bringt. Es gibt jedoch Menschen, die aus physischen oder psychischen Gründen keinen Nutzen erbringen können, altershalber keinen mehr erbringen müssen und solche die trägheitshalber keinen erbringen wollen. Man erkennt sofort, dass bei dieser Darstellung die Gefahr besteht die Menschen nach nutzorientierten Gesichtspunkten einzuteilen. Nicht zu vergessen ist, dass auch menschliche Arbeit nicht immer nützlich und gut ist und schon gar nicht immer als sinnvoll bezeichnet werden kann.

Wenn Arbeit nicht so einfach definiert werden kann – die menschliche Arbeit eine Sache der Ansicht ist – wie soll sie dann entlohnt werden? In Verbindung mit der Entlohnung steht auch immer die Frage wie mit ihr der Lebensunterhalt bestritten werden soll. Eine Idee, dessen Ansatz bereits 1516 im Roman von Thomas Morus mit dem Titel »Utopia« zu finden ist, wird immer wieder neu aufgegriffen: Das Bedingungslose Grundeinkommen. In diesem Modell bezahlt der Staat allen Menschen ein Grundeinkommen, unabhängig davon ob die Person arbeitet oder nicht und auch unabhäng davon, was sie arbeitet. Höhere Einkommen können in diesem Modell durch besser qualifiziere Arbeit, Mehrarbeit usw. dennoch erzielt werden. Die im Januar 2010 von Daniel Häni und Enno Schmidt gegründete Initiative »Bedingungsloses Grundeinkommen« sammelt seit 21. April Unterschriften für eine Volksinitiative.

Die nachstehende Abbildung zeigt den neuen Artikel – 110a – der in die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgenommen werden soll. Die Volksinitiative muss innert 18 Monaten von 100’000 stimmberechtigten Personen unterzeichnet werden und gelangt dann nach zwei bis drei Jahren später zur Abstimmung. Volk und Stände müssen der Initiative zustimmen, damit Verfassungsartikel in Kraft gesetzt werden kann.

 

In den Erklärungen zum obenstehendem Artikel, der gemäss dem Komitee und den unterzeichnenden Bürgerinnen und Bürger neu in die Bundesverfassung aufgenommen werden soll, steht unter dem Titel »Das Grundeinkommen?«: «Es ist eine einfache Idee: Jeder Mensch, der fest in dieser Gesellschaft lebt, erhält jeden Monat bedingungslos 2500 Franken. Egal ob jemand reich oder arm, gesund oder krank, erwerbstätig oder arbeitslos ist. Das Grundeinkommen wird individuell an jede und jeden ausbezahlt.» Und im Argumentarium ist unter dem Titel «Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?» zu lesen: «Eine einfache Idee: Jeder Mensch, der rechtmassig in der Schweiz lebt, erhält jeden Monat 2500 Franken. Kinder abgestuft nach Alter. Egal ob jemand reich ist oder arm, gesund oder krank, allein lebt oder in Gemeinschaft, erwerbstätig ist oder nicht. Mit dem Grundeinkommen ermöglichen sich die Mitglieder der Gesellschaft gegenseitig eine würdevolle Ausgangslage fürs Leben. Bereits heute haben wir eine dem Grundeinkommen vergleichbare Einrichtung für ältere Menschen: Die AHV – ein Meilenstein unserer sozialen Errungenschaften und liberalen Tradition.»

In der »Arena« vom 27. April 2012 wurde die Initiative »Bedingungsloses Grundeinkommen« in einer Grundsatzdebatte behandelt. Es diskutierten: Roger Köppel, Verleger und Chefredaictor »Weltwoche« – Ueli Mäder, Professor für Soziologie Uni BS – Rudolf Strahm, Ökonom – Daniel Straub, Initiativ-Komitee »Bedingungsloses Grundeinkommen«. [Um die Sendung zu sehen, klicken Sie auf das Bild.]

 

 

Die Initiative  »Bedingungsloses Grundeinkommen« ist eine von 405 – 27 davon sind im Stadium der Unterschriftensammlung – seit 1891 gestarteten Volksinitiativen. Zur Abstimmung gelangten bis dato 178 und von diesen wurden nur 19 – von Volk und Ständen – angenommen. Unabhängig davon, welche Chance auf Annahme diese Volksinitiative hat – es kommt Bewegung in die Diskussion darüber, wie die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Schweiz den Lebensunterhalt für ein würdiges Dasein unter welchen Bedingungen künftig zu bestreiten haben.

 

Bild-Quellen:
Bild A: fotosearch.com
Bild B:
Bild C:

 

 

 

26. April 2012

Hirnwurm-17

by Josef Beda

Um Musik zu machen, braucht es Musikinstrumente. Als Musikinstrument kann jeder Gegenstand bezeichnet werden, der Töne oder Geräusche hervorbringen kann – auch die menschliche Stimme. Im engeren Sinn wird jedoch unter einem Musikinstrument ein Gegenstand verstanden, der eigens für den Zweck Musik zu machen hergestellt oder verändert wurde. Die Liste der verschiedenen Musikinstrumente ist ellenlang und viele der aufgezählten sind in unserer Gegend unbekannt. Die Musikistrumente werden mit verschiedenen Klassifikationssystemen in Gruppen eingeteilt. Die einfachste für den Laien zu erkennende Einteilung ist die nach der Spieler-Benutzung. In dieser Klassifikation wird nach Blasinstrumenten, Schlaginstrumenten, Streichinstrumenten, Tasteninstrumenten und Zupfinstrumenten unterschieden.

 

Als Beispiele für Blasinstrumente sind in der oberen Reihe links die Trompete – ein Blechblasinstrument – und in der unteren Reihe rechts, das Saxophon – ein Holzblasinstrument abgebildet. Die Becken, in der oberen Reihe das mittlere Bild, zählt zu den Schlaginstrumenten. Eine bekannte Vertreterin der Streichinstrumente ist die Violine und das in unserer Volksmusik viel eingesetztes Musikinstrument, welches in die Gruppe der Tasteninstrumente gehört, ist das Akkordeon. Die Gitarre, die in allen Musikstilen eine wichtige Rolle spielt, ist eine Vertreterin der Zupfinstrumente.

Weitere Klassifikationen orientieren sich beispielsweise nach der Herkunft, nach der Entstehungszeit, nach Bestimmung (Einsatz), nach der Musikrichtung oder nach dem Rohmaterial der Musikinstrumente. Die klassische Einteilung richtet sich nach »Art der Tonerzeugung« – wie wird der Ton erzeugt?

Nachstehende Abbildung zeigt schematisch einen vom Oszilloskop erzeugten Sinuston. Musikinstrumente, mit Ausnahme der Stimmgabel, erzeugen keine Sinustöne, sondern deren Töne setzen sich aus einem Grundton und mitklingenden – bei einigen Instrumenten harmonischen, bei anderen nichtharmonischen – Obertönen zusammen.

 

 

»Selbstklinger« sind Instrumente, die den Ton durch Klingen des gesamten Gegenstandes erzeugen. In dieser Gruppe sind zum Beispiel die Becken und der Schellenbaum zu finden. In der Fachsprache heissen diese Musikinstrumente »Idiophone«. Unter der Rubrik »Membranophone« sind Tonerzeuger mit einem Fell, zum Beispiel die Pauke, die Trommel oder das Tamburin aufgelistet und werden entsprechend als »Fellklinger« bezeichnet. »Saitenklinger« oder in der Fachsprache »Chordophone« genannt, sind Instrumente, die den Ton durch Saiten erzeugen, darunter fallen beispielsweise die Gitarre, die Violine aber auch Tasteninstrumente wie das Klavier und der Flügel. Zu den »Luftklinger«, deren Töne durch einen Luftstrom erzeugt werden, gehören die Blasinstrumente und das Akkordeon, sie werden in der Fachsprache »Aerophone« genannt. Als fünfte Gruppe in dieser Klassifikation sind unter dem Begriff »Elektrophone« die elektromechanischen, die elektronischen und die digitalen Musikinstrumente zusammengefasst.

 

Die Glocke, eines der schönsten Musikinstrumente, ist in die Gruppe der »Idiophone« (»Selbstklinger«) eingeteilt – der ganze Körper klingt durch Anschlag des Klöppels. Die linksstehende Fotografie zeigt die grösste Glocke des Berner Münsters, sie ist mit einem Durchmesser von 2,5 Metern und einem Gewicht von 10 Tonnen auch die grösste Glocke in der Schweiz. Rechts ist die Haupt-Orgel der Hof-Kirche Luzern abgebildet. Die Orgel, eine Ansammlung von Pfeifen, die den Ton infolge schwingender Luftsäulen abgeben, gehört zur Gruppe der »Aerophone«.

Am 19. Januar 1934 beantragte ein Unternehmer und Erfinder in den USA für sein entwickeltes Musikinstrument das Patent. Dieses wurde ihm bereits drei Monate später, am 24. April 1934 vom Patentamt zugesprochen. Nach einem Jahr wurde das Musikinstrument der Öffentlichkeit vorgestellt – der Pianist Pietro Yon spielte darauf die erste Symphonie von Brahms. Der Name des Musikinstrumentes setzt sich aus dem Namen des Erfinders und dem Namen eines Instrumentes aus der Gruppe der Aerophone zusammen. Die Bezeichnung ist jedoch genau genommen falsch, denn bei diesem Instrument handelt es sich um keinen Luftklinger – der unverkennbare Klang dieses Instrumentes wird nämlich durch Elektromotoren erzeugt.

Unsere Frage lautet: «Wie heisst das Musikinstrument, dessen Namen sich aus dem Namen des Erfinders und – genau genommen unrichtigerweise – aus einem Vertreter der Luftklinger zusammensetzt?»

Wettbewerbsbestimmungen:

Am Wettbewerb «Hirnwurm-17» können unsere Blog-Leserinnen und -Leser teilnehmen, ausgeschlossen sind das Personal und die Mitarbeitenden der Stiftung Tosam.
Die Antworten können uns per e-mail: info@buchplanet.ch zugestellt werden. Bei mehreren richtig eingehenden Lösungen, wird der Preis, ein Gutschein im Wert von CHF 18.00 ausgelost.
Der Gewinner wird von uns per e-mail benachrichtigt und den Gutschein-Code erhalten. Dieser Code kann bei der nächsten Bestellung in das entsprechende Feld eingegeben werden.
Der Betrag von CHF 18.00 wird vom Rechnungsbetrag, zusammengesetzt aus den Preisen der bestellten Bücher und den Versandkosten von CHF 8.00, in Abzug gebracht. Eine teilweise Einlösung des Gutscheins ist nicht möglich, beim Gebrauch verfällt ein allfälliger Restbetrag.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs erklären sich mit den Bestimmungen einverstanden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen (OR 513).

Einsendeschluss: Freitag, 4. Mai 2012

 

Bild-Quellen:
Bild A:
Bild B: Wikipedia
Bild C:

 

 

24. April 2012

Internet-Bücher, Teil 2 Scheiss Leben

by Sara Grob

Wie schon im Teil 1 dieser Serie erklärt, möchte ich euch hier drei Bücher vorstellen, die es nur Dank dem Internet gibt.

Das zweite Buch aus meiner Sammlung nennt sich „Scheiss Leben“ und hat seinen Ursprung in Frankreich. Maxime Valette, der übrigens mit neuen Jahren anfing zu programmieren und mit fünfzehn ein eigenes Unternehmen gründete, begannn in seinem Blog kleine Missgeschicke zu veröffentlichen. Immer mehr Menschen begannen seinen Blog zu lesen und über seine selbstironischen Ankedoten zu lachen. Einige Leser schickten ihm sogar ihre eigenen Missgeschicke. So rief Maxime kurzerhand die Seite viedemerde.fr ins Leben (abgekürzt VDM = Scheissleben = SL).  Es gibt die Seite nun auf mehrere Sprachen, alle sind auf der französischen Seite verlinkt.
Und so stiess ich also irgendwann auf eine deutsche Ausgabe mit gesammelten SL-Beiträgen aus der ganzen Welt.
Die ISBN des Buches lautet: 978-3-442-47649-7
Einige Beispiele:

Aus Deutschland:
Heute ist ein grosses Unwetter aufgezogen. Weil kein Bus kam, bin ich zu Fuss zu meinem Freund gelaufen, der zurzeit ziemlich niedergeschlagen ist (er gehört zu der ganz feinfühligen, sensiblen Sorte) und mich heulend angerufen hatte. Als ich dann endlich völlig durchnässt vor ihm stand, erklärte er mir, dass er mich nicht mehr liebe und ihn dies sehr traurig stimme. Ich bin dann wieder zu Fuss nach Hause gelaufen. SL

Aus Dänemark:
Heute hatte ich einen Termin bei meiner Zahnärztin. Erst nachdem sie mir eine Betäubungsspritze ins Zahnfleisch gegeben hatte, ist ihr aufgefallen, dass die elektrischen Geräte nicht funktionierten. Ich bin dann wieder nach Hause gefahren, die gesamte rechte Gesichtshälfte starr und geschwollen – für nichts und wieder nichts. SL

Aus Kanada:
Heute hatte ich ein Blind-Date mit einer unbekannten Dame. Wir sollten uns am Eingang des Parks treffen. Aus Witz habe ich ihr eine SMS geschickt: „Ich bin nicht zu übersehen – ich sitze neben einer irren Hippiebraut in einem neongrünen Fummel.“ Das war sie. SL

Aus den USA:
Heute bin ich auf dem Sofa eingeschlafen und muss dabei auf den Boden gerollt sein. Jedenfalls habe ich nach dem Aufwachen gestgestellt, dass sich meine Zahnspange in den Teppichfransen verfangen hatte. Ich musste warten, bis meine Mutter nach Hause kam und mich mit der Schere vom Teppich befreite. SL

Aus Frankreich:
Heute fuhr ich mit dem Auto nach Hause, als ich zwei Meter vor einem Schaf anhalten musste, das mitten auf der Fahrbahn lag. Als ich aussteigen und nachsehen wollte, ob es vielleicht verletzt war, hat es mich gebissen und ist dann weggelaufen. SL

23. April 2012

Hirnwurm-16 – Die Lösung

by Josef Beda

Zwar war Hans von Reinhard in den Jahren 1814 und 1815 nicht Landammann der Schweiz – dieses Amt führte der Politiker in den beiden Jahren 1807 und 1813 aus. Trotzdem vertrat er die Schweiz an den Verhandlungen in Wien, die vom 18. September bis zum 9. Juni 1815 dauerten und unter dem Namen Wiener Kongress in die Geschichte Europas einging. Der Umstand, dass gerade Hans von Reinhard die Schweiz an diesem wichtigen Kongress vertrat ist durch seine persönlichen Beziehungen, die er zu allen mächtigen Herren seiner Zeit pflegte, begründet.

 

Obenstehendes Porträt zeigt Hans von Reinhard (* 20. Februar 1755; † 23. Dezember 1835). Der Politiker war im Kanton Zürich Staatsrat, Mitglied des Grossen Rates, Mitglied des Kleinen Rates, wiederholt Bürgermeister der Stadt Zürich und Abgeordneter von Zürich in der eidgenössischen Tagsatzung. 1804 vertrat er die Schweiz bei der Krönung von Napoleon, war in den Jahren 1807 und 1813 Landammann der Schweiz und vertrat die Schweiz am Wiener Kongress.

Untenstehendes Porträt zeigt Fürst von Metternich (* 15. Mai 1773; † 11. Juni 1859). Zur Zeit des Wiener Kongresses war er Aussenminister des Kaisertums Österreich. Der führende Politiker Europas stand für das monarchische Prinzip und bekämpfte nationale und liberale Bewegungen.

 

Die Leitung des Kongresses, an dem alle bedeutenden Mächte des damaligen Europas – mit Ausnahme des Osmanischen Reiches – teilnahmen, oblag dem österreichischen Aussenminister Fürst von Metternich. Vertreter aus zweihundert Staaten, Herrschaften, Körperschaften und Städten, wobei die führende Rolle Russland, das Vereinigtes Königreich, Österreich, Preussen, das Königreich Frankreich – die fünf Grossmächte – und der Kirchenstaat spielten, berieten in sachorientierten Kommissionen über die Zukunft von Europa.

Nachstehende Fotografie zeigt das Bundeskanzleramt der Republik Österreich. Der »Palais am Ballhausplatz« war Tagungsgebäude des Wiener Kongresses. Für die Kongress-Teilnehmer wurden etliche legendäre Bälle organisiert, die den Ursprung des heutigen Opernballs bildeten.

 

Im Gegensatz zur Freizeit in der das Vergnügen im Vordergrund stand, verliefen die Verhandlungen zäh und die Konflikte zwischen den Vertretern verschiedener Interessen verhärteten sich. Dennoch, am 9. Juni 1815 wurde die Schlussakte, die Verträge und 121 Artikel umfasste, unterzeichnet. Die Hauptergebnisse des Kongresses waren die Herstellung des Gleichgewichtes der fünf Grossmächte (Pentarchie), die Grundsteinlegung der Heiligen Allianz, dem Bündnis zwischen den Monarchen von Russland, Österreich und Preussen, welches am 26. September 1815 in Paris gegründet wurde, die Verabschiedung der Deutschen Bundesakte und die internationale Anerkennung der immerwährenden Neutralität und Unverletzlichkeit der Schweiz.

Am Wiener Kongress fand auch eine territoriale Neuordnung statt. Untenstehende Karte zeigt die Gebietsaufteilung wie sie sich nach dem Wiener Kongress präsentierte.

 

Die richtige Antwort auf unsere am 22. März im Hirnwurm-16 gestellte Frage lautet: Die internationalen Verhandlungen, die vom 18. September 1814 bis 9. Juni 1815 dauerten, gingen unter dem Namen Wiener Kongress in die Geschichte ein.

Auf unseren »Hirnwurm-16« haben wir einige richtige und keine falsche Lösungen erhalten. Wie angekündigt, musste bei mehreren richtigen Einsendungen das Los entscheiden. Die Gewinnerin bzw. der Gewinner wird von uns per e-mail persönlich benachrichtigt und erhält den Gutscheincode für eine Gutschrift von CHF 18.00 auf die nächste Rechnung des »buchplanet.ch«. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das Interesse und hoffen, dass viele Personen auch am »Hirnwurm-17«, der am nächsten Donnerstag, 26. April erscheinen wird, mitmachen werden.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia

 

 

21. April 2012

Internet-Bücher, Teil 1: Postsecret

by Sara Grob

Von pessimistischen Zeitgenossen höre ich immer wieder : „In der Zukunft wird es keine Bücher mehr geben. Weshalb sollte es auch? Es gibt das Internet, I-Pad und I-Phone, E-Reader und viele weitere technische Errungeschaften, die die Bücher ins Abseits drängen.“
Eine Welt ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen, deshalb bin ich immer sehr erschüttert wenn ich Menschen so sprechen höre.
Ich bin aber keine Feindin des Internets, ich schätze die Vorzüge des Internets sehr. Und was ich sehr gerne mag sind „Internet-Bücher“. Bücher, die es nur Dank dem Internet gibt. Drei solche Bücher möchte ich euch vorstellen, sie alle befinden sich in meiner Privatbibliothek und sind leider (noch) nicht auf buchplanet.ch – dem Onlineshop für gebrauchte und secondhand Bücher – erhältlich.

 

The Secret Lives of Men and Women – Compiled by Frank Warren

Im Jahr 2004 begann Frank Warren Postkarten an Passanten in Washington D.C. zu verteilen. Auf der Rückseite war die Adresse von Frank Warren aufgedruckt und eine kleine Anleitung, was man mit der Postkarte tun sollte: ein Geheimnis auf die Postkarte schreiben und die Postkarte an Frank senden.
Frank erhielt viele Postkarten zurück und durch Mundpropaganda verbreitete sich das Projekt immer weiter. Frank entschloss sich einige Postkarten in einem Blog zu veröffentlich: www.postsecret.com

Jeden Sonntag veröffentlicht Frank neue Geheimnisse, die er erhalten hat. Postsecret sei der meistgelesene werbefreie Blog der Welt. Frank erhält Massen an Postkarten/Geheimnissen aus der ganzen Welt. Manche Geheimnisse sind erschreckend, manche traurig, einige sind lustig und andere erinnern einem vielleicht an die eigene Lebensgeschichte.
Im Jahr 2005 erschien das erste Buch mit Postkartengeheimnissen. Drei weitere Bücher folgten bisher. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Bücher werden an die Organisation Hopeline gespendet, die eine Telefonseelsorge für Suizid-Gefährdete betreibt.
Aus dem dritten Buch mit dem Titel “ The Secret Lives of Men and Women“ folgen nun einige Seiten.
Die ISBN des Buches lautet: 978-0-06-119875-5

Geheimnis 1

 

Geheimnis 2 & Geheimnis 3

 

Geheimnis 4 & Geheimnis 5

 

19. April 2012

Der Fluch der Entdeckungen

by Josef Beda

Durch Forschen und Entdecken das Wissen zu erweitern und die gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben, zu Lehren sind Aufgaben der Wissenschaftler. Oft wird bei Versuchsreihen, die in den einzelnen Bereichen der Wissenschaft durchgeführt werden Unerwartetes, Seltsames oder Überraschendes entdeckt.

Die Karte unten zeigt die Seefahrten und die grossen Entdeckungen in Übersee, die vom 15. bis zum 18. Jahrhundert von Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan, und anderen Abenteuern gemacht wurden. Die Entdeckungen führten auch in der Kartographie zu Fortschritten. In der gleichen Epoche – dem Zeitalter der Entdeckungen – bewirkten auch die Gelehrten, die sich mit der Astronomie auseinander setzten Veränderungen des Weltbildes. Wie wir wissen, haben diese Entdeckungen nicht nur Fortschritt, sondern auch Unheil über ganze Länder und deren Bevölkerung gebracht.

 

Es war am 1. März Jahr 1896 als der französische Physiker Antoine Henri Becquerel (* 15. Dezember 1852; † 25. August 1908) bei einem Experiment mit Phosphoreszenz die Radioaktivität – den Zerfall instabiler Atomkerne, die sich in Strahlen abgebender Energie umwandeln – entdeckte. Nach ihm wird die SI-Einheit der Aktivität, die Anzahl der Zerfallsereignisse pro Zeiteinheit, die in einer Probe eines radioaktiven Stoffes auftritt, benannt. Ein Becquerel entspricht dabei einem Zerfall – Mengenabnahme des Ausgangsstoffes nach dem Zerfallsgesetz – pro Sekunde.

Die untenstehende Gleichung zeigt eine Form des Zerfallgesetzes. Die Halbwertzeiten der Materialien müssen wegen der verschiedenen Grössenordnungen mit unterschiedlichen Methoden gemessen werden. Die Resultate sind in Tabellen verfügbar.

 

Die Radioaktivität findet in der Technik wie auch in der Medizin Anwendungen. Eine wichtige technische Anwendung ist beispielsweise die Altersbestimmung von Objekten. In der Raumfahrt werden, weil bei einem grossen Abstand von der Sonne die Solarzellen den Energiebedarf der Sonden nicht mehr zu decken vermögen, Radionuklidbatterien zur Stromversorgung eingesetzt. In der Medizin werden sie in Diagnostik und Therapie von Erkrankungen angewendet sowie zur Schmerzlinderung eingesetzt. Die für solche Anwendungen und zu Forschungszwecken benötigten Radionuklide werden in Forschungsreaktoren und in Zyklotronen hergestellt. Radionuklide entstehen auch bei der Kernspaltung, in den zur Energiegewinnung dienen Kernkraftwerken – und bei Kernwaffen-Explosionen.

Nachstehendes Foto zeigt einen im »Paul Scherrer Institut«, Annex-Anstalt der ETHZ, aufgebauten Teilchenbeschleuniger. In solchen Anlagen, Zyklotronen genannt, werden Teilchen mit Hilfe eines Magnetfeldes in einer spiralförmigen Bahn von der Mitte nach Aussen beschleunigt.

 

 

Eine Entdeckung, die nicht im Bereich der Physik, sondern in der Chemie zu finden ist, wurde von Albert Hofmann gemacht. Albert Hofmann wurde am 11. Januar 1906 in geboren und wuchs als ältestes von vier Geschwistern in Baden auf. Während seiner Ausbildung zum Kaufmann bereitete er sich auf die Matura vor und begann sein Studium in Chemie, welches er vier Jahre später mit Auszeichnung promovierte. Er nahm bei der Firma Sandoz – am 20. Dezember 1996 mit der »Ciba-Geigy» zur »Novartis« fusioniert – seine wissenschaftliche Tätigkeit auf. Im Jahr 1938, während seiner Arzneimittelforschungen beschäftigte er sich mit dem Getreidepilz Mutterkorn und mit der Zielsetzung ein kreislaufstimulierndes Mittel herzustellen experimentierte er mit der Lysergsäure. Bei der fünfundzwanzigsten Versuchsanordnung synthetisierte Hofmann Lysergsäurediethylamid, dessen Wirkung mit Tierversuchen geprüft wurde. Nebst einer Unruhe unter den Tieren zeigte diese Substanz jedoch keine interessanten und brauchbaren Erkenntnisse – sie wurde nicht weiter weiter untersucht.

Das nachstehende Bild zeigt die Strukturformel von Lysergsäurediethylamid – LSD – einer chemisch hergestellten Substanz, welche im Mutterkorn natürlich als Alkaloid vorkommt.

 

Fünf Jahre später entschied sich der Wissenschaftler den Versuch nochmals durchzuführen. Ungewollt, versehentlich kam Hofmann in Kontakt mit der Substanz – es wurde ihm übel, er wurde unruhig und hatte bei geschlossenen Augen farbige Visionen. Drei Tage später am 19. April 1943 entschloss er sich die Substanz als bewusster Selbstversuch nochmals zu testen, denn er wollte eine Erklärung für das sonderbare Erlebnis finden. Diesmal protokollierte er das Erlebnis – Auszug, mit Auslassungen, seiner Festhaltungen: Einnahme der Substanz; Beginnender Schwindel, Angstgefühl, Sehstörungen, Lähmungen, Lachreiz; Schwerste Krise; Ich konnte nur noch mit grösster Anstrengung verständlich sprechen, und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch informiert war, mich nach Hause zu begleiten; Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Die vertrauten Gegenstände nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an; Sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt; Die Nachbarsfrau war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige, heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze; Jetzt begann ich allmählich, das unerhörte Farben- und Formenspiel zu geniessen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartig sich verändernd drangen bunte phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schliessend, in Farbfontänen zersprühend, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluss. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch einer Türklinke oder eines vorbeifahrenden Autos, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugte ein in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechsehdes Bild. – Die halluzinogene Wirkung von LSD war entdeckt!

In Anlehnung an die von Halluzinationen begleitete Velofahrt von Albert Hofmann am Tag seines Selbstversuches mit LSD, ging der 19. April 1943 in die Geschichte der LSD-Kultur ein. Er wird auch heute noch als ein spezieller Feiertag mit dem Namen »Bicycle Day« wahrgenommen. 

 

Als Heilmittel gedacht wurde LSD durch unvorsichtige, unkontrollierte und übermässige Einnhame für viele Menschen zur Hölle auf Erden. Albert Hofmann setzte sich zeitlebens dafür ein, dass Substanzen wie LSD zu Forschungszwecken und zu psychiatrischen Behandlungen zugelassen werden sollen. Doch die falschgenutzte Substanz – als Droge verwendet – wurde 1975 unter das aus dem Jahre 1951 dadtierte Betäubungsmittelgesetz gestellt und somit seitdem unter Strafe verboten ist.

Die nachstehenden Fotografien zeigen Dr. Albert Hofmann: Links in seinen Forscher-Jahren im Labor der »Sandoz« und rechts als 100-jähriger Mann.

 

Albert Hofmann arbeitete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1971 – während vierzig Jahren – bei »Sandoz«. Er wurde für seine wissenschaftlichen Arbeiten mehrfach mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Im Alter von 102 Jahren starb er am 29. April 2008 in Burg im Leimental an den Folgen eines Herzinfarkts.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: buchplanet.ch (JBS)
Bild C:
Bild E: Wikipedia
Bild F:
Bild G: Wikipedia; modifiziert: buchplanet.ch (JBS)

 

 

18. April 2012

Ex Libris Nummer 20 und 21

by Sara Grob

Das Stillleben beim Ex Libris Nummer 20 gefällt mir sehr gut. Der Globus erinnert mich daran, dass man mit Büchern wunderbare Kopfreisen unternehmen kann.

Auch das Ex Libris Nummer 21 hat seinen ganz persönlichen, eigenen Charme. Ich frage mich ob die Nummer 388 echt für die Buchnummer steht? Vielleicht hatte jedes Buch in der Bibliothek dieses Ehepaars seine eigene Buchnummer, wer weiss….

17. April 2012

Allein – Ja oder Nein

by Josef Beda

«Entweder sind wir allein im Universum oder nicht. Beide Vorstellungen sind beängstigend.» Diesen Satz sprach Arthur Charles Clerke, der am 16. Dezember 1927 in Minehead, einer kleinen Stadt an der Westküste Somersets in England, geboren wurde.

 

Arthur C. Clarke hat im Rahmen seiner Werke drei Gesetze aufgestellt: 1. «Wenn ein angesehener, aber älterer Wissenschaftler behauptet, dass etwas möglich ist, hat er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Recht. Wenn er behauptet, dass etwas unmöglich ist, hat er höchstwahrscheinlich Unrecht.» – 2. «Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustossen.» – 3. «Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.»

Der Science-Fiction-Schriftsteller gilt als Visionär neuer Technologien. Schon als Junge im Alter von dreizehn Jahren begann er Geschichten zu schreiben. Nach seinem Aktivdienst im Zweiten Weltkrieg als Radar-Spezialist studierte Arthur C. Clarke am King’s College in London Mathematik und Physik und arbeitete ab 1951 als freischaffender Schriftsteller – 1956 zog er nach Colombo auf Sri Lanka. Seine Visionen hielt er ausser in Science-Fiction-Romanen auch in Kurzgeschichten und in wissenschaftlichen Artikeln fest und erhielt dadurch auch ausserhalb der Science-Fiction-Szene einen hohen Bekanntheitsgrad.

 

Die obenstehende Grafik zeigt die zeichnerisch festgehaltenen der von Arthur C. Clarke im Jahr 1945 gemachten Überlegungen zur Umlaufgeschwindigkeit eines Satelliten in Abhängigkeit von der Bahnhöhe.

Schon im Jahr 1945 warb Arthur C. Clarke in der wissenschaftlichen Zeitschrift »Wireless World« unter dem Titel »Geostationary Satellite Communications« für die Idee, geostationäre Satelliten zur technischen Kommunikation zu nutzen. Knapp zwanzig Jahre nach dieser Publikation, am 19. August 1964 konnte er miterleben, wie der erste Satellit – Syncom 3, ein Kommunikationssatellit der USA – mit einer vom Kennedy Space Center gestarteten Delta-D-Trägerrakete in eine geostationäre Umlaufbahn gebracht wurde. Die Übertragungen der Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio bildeten das erste Fernsehprogramm, welches via Satellit den Pazifischen Ozean überquerte. In einem Interview im Jahr 1974 beschreibt Clarke – wieder visionär denkend – die Zukunft von vernetzten Personal Computer.

 

Das Bild oben zeigt den US-amerikanischen Kommunikationssatelliten Syncom 3 – Synchronous Orbit Communications Satellite. Er war der erste Satellit der auf eine geostationäre Umlaufbahn gebracht wurde. Heute sind etwa 200 Satelliten über der geografischen Breite 0° – dem Äquator – »platziert«.

Der in Anerkennung seines literarischen und wissenschaftlichen Schaffens als Knight Bachelor zum Ritter mit dem Titel »Sir« geschlagene Autor griff nicht nur nach den Sternen und mit schrieb über visionäre Techniken, sondern er beschäftigte sich zudem mit dem Meer und dem Maritime. Sir Arthur Charles Clarke starb am 19. März 2008 infolge einer Kinderlähmung, die bei ihm im Jahr 1988 diagnostiziert wurde, in einem Krankenhaus in Sri Lanka.

Sein eingangs zitierter Satz: «Entweder sind wir allein im Universum oder nicht. Beide Vorstellungen sind beängstigend.», weckt auch Gedanken an »Unbekannte Flug-Objekte«. Am 17. April 1897 – heute vor 115 Jahren – schrieb der freie Journalist Haydon in der Tageszeitung »Dallas Morning News«, dass am Vortag ein Raumschiff über den Ort Aurora (Texas) gesichtet worden sei. Infolge offensichtlicher Manövrier-Schwierigkeiten sei es in eine Windmühle geflogen und dabei explodiert. Echte Zeugenberichte gab es jedoch keine und so stellt sich auch in diesem Fall die immer-grüne Frage: «Gibt es Ausserirdische oder nicht?»

 

Obenstehende Fotografie zeigt – rot eingekreist – ein »Undefiniertes Flug-Objekt«. Bilder können täuschen – es handelt sich bei den Fotografien oft um Luftspiegelungen oder Fälschungen.

Nachforschungen ergaben, dass es im Ort Aurora nie eine Windmühle gegeben hatte und viele Jahre später erklärte der Journalist, er habe sich, um seinen Geburtsort bekannt zu machen, einen Scherz erlaubt. Die Mehrheit der Forscher gingen schon vor der Erklärung Haydons von einem Hoax aus. Die These, dass der Absturz des UFO tatsächlich stattgefunden hat, wird allerdings auch heute noch vertreten. Eine Bronzetafel auf dem vom Staat Texas unter Denkmalschutz gestellten Friedhof von Aurora erinnert an den UFO-Zwischenfall.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild E: Wikipedia

 

 

16. April 2012

Die Stadt im Schatten von Madrid – ?

by Josef Beda

Madrid, die Hauptstadt der siebzehn Autonomen Gemeinschaften umfassenden Parlamentarischen Monarchie Spanien, zählt etwa 3,3 Millionen Einwohner. Sie bildet mit ihrem Ballungsraum die aus der – einzigen – Provinz Madrid bestehende rund 6,5 Millionen Einwohner zählende Autonome Gemeinschaft Madrid. Geografisch liegt die Stadt auf 667 Meter über Meer, inmitten der Meseta, der zentralen Hochebene von Kastilien und auch ziemlich in der Mitte des Staatsgebietes von Spanien. Madrid ist die drittgrösste Stadt und höchstgelegene Hauptstadt in der Europäischen Union. Die Stadt kann mit vielen Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Zeitepochen aufwarten – zum Beispiel mit dem Königspalast »Palacio Real«, der offiziellen Residenz des spanischen Königshauses. Der Grossraum Madrid zählt zu den grössten Metropolen Europas.

 

Der Königliche Palast in Madrid wurde in den Jahren 1734 bis 1764 errichtet. Auf dem Gelände des heutigen Palastes stand ein maurisches Burgschloss, welches am 24. Dezember 1734 in einem Flammenmeer zerstört wurde. Das Bild oben zeigt die Südseite des Schlosses mit seinem Eingang und den dem Schloss vorgelagerten Ehrenhof.

Madrid wurde in der Zeit nach dem Mittelalter ein bedeutungsvolles Schicksal beschieden, entwickelte sie sich doch, immer mit dem Ziel grösser und mächtiger zu werden, von einer maurischen Siedlung zur Hauptstadt einer Provinz, einer Autonomen Gemeinschaft und zur Hauptstadt eines Landes, dessen Ursprünge mehrere hundert Tausend Jahre zurückliegen. Jedoch im Mittelalter war es Toledo, die etwa 65 Kilometer südwestlich von Madrid liegende, hundert Meter über den Ufern des Flusses Tajo thronende Stadt, die Geschichte schrieb. Toledo ist eine historisch gewachsene Stadt in der sich der Orient des Islams, das westliche Christentum wie auch das Judentum vereinen. Die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, auch »Stadt der drei Kulturen« genannt, in der Christen, Mauren und Juden ihre Spuren hinterlassen haben und die durch ihre epochalen Bauten wie ein einziges grosses Museum wirkt, wurde vom spanischen Staat zum »Nationalen Monument« und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wohl ist Madrid eine moderne Grossstadt, lockt mit ihren Sehenswürdigkeiten und weckt das Interesse der Besucher, doch sie kann sich mit der vom Tajo umspülten Stadt Toledo nicht messen.

 

Hundert Meter über dem Ufer des Flusses Tajo, der sich in Mäandern – einer Abfolge von Flussschlingen – tief in den Felsen der Hochebene der Südmeseta eingeschnitten hat, liegt die Stadt Toledo.

Jahrhundertelang lebte Madrid im Schatten von Toledo, der grossen westgotischen und maurischen Königs- und späteren Kaiserstadt. Madrid war für die Araber eine, zum Schutz der lebenswichtigen Verbindungsstrasse nach Alcarria, vorgeschobene Festung von Toledo. Zusammen mit Segovia und Avila gehört Toledo zu den drei historischen Metropolen in der Umgebung der spanischen Hauptstadt. Die Stadt mit ihren etwa 85’000 Einwohnern ist bekannt durch seine Altstadt mit der Kathedrale Santa Maria, den vielen weiteren Kirchen und der auf einem Felsen errichteten Festung, welche die ganze Stadt überragt und dominiert – dem Alcázar.

Das Panorama der Stadt Toledo wird geprägt von der mächtigen Kathedrale und dem Alcázar, der auf Felsen errichteten Festung mit vier Türmen.

Die Stadt ist wirklich fantastisch – und die Menschen die dort leben auch. Bei den Spaziergängen durch die von Synagogen, maurischen und arabischen Bauten, Kapellen und Kirchen gesäumten Gassen und Strassen trifft man auch auf viele interessante Geschäfte, handwerkliche Betriebe und Souvenirläden, in denen Schwerter, Rüstungen und Vasen und andere aus Toledo-Stahl hergestellte Güter gekauft werden können. Broschen und Anhänger werden dem Wunsch des Käufers entsprechend in seiner Anwesenheit – vor seinen Augen – geformt, gefräst und veredelt.

 

Bei einem Bummel durch die engen und verschlungenen Gassen von Toledos Altstadt trifft der Besucher auf alte Häuser mit reich verzierten Fassaden, auf prächtige Paläste, eindrucksvolle Kirchen, Moscheen und Klöster.

 

 

Mit dem Bau der Kathedrale von Toledo – Catedral de Santa Maria de la Asunción de Toledo – wurde 1m Jahr 1227 begonnen. Der Bau der gewaltigen Kathedrale, welche als reichste und bedeutendste gotische Spanies gilt, dauerte über 250 Jahre. Mehr als 750 bemalte Fenster lassen das detailliert ausgeschmückte Innere der Kathedrale in einem diffusen Licht erscheinen.

Auch die Spanier hatten sich, wie wir Eidgenossen, gegen die Habsburger zur Wehr gesetzt. Am 16. April 1520 brach in Toledo unter der Führung von Juan de Padille der »Comuneros-Aufstand«, der sich gegen die unter König Karl I. stehende Herrschaft der Habsburger richtete, aus. Es kam zu dieser Erhebung, weil der noch sehr junge, aus dem Hause Habsburg stammende, Karl – am 24. Februar 1500 geboren – aufgrund des Ablebens von König Ferdinand II. von Aragon im Jahr 1516 und den fehlenden Nachkommen aus dessen Linie, zum König über Spanien wurde und dies den Spanier aufgrund seiner Herkunft missfiel. Als der junge absolutistisch regierende König drei Jahre später als Karl V. noch zum deutschen König gewählt wurde, stieg das Habsburgerreich zur europäischen Grossmacht auf. Frankreich sah sich durch diese Entwicklung herausgefordert, was zu kostspieligen Kriegen zwischen den beiden Konkurrenten führte. Um seine Kriegskasse zu äufnen erhöhte König Karl I./V. in Spanien die Steuern, obwohl das Land durch Trockenheit und Ernteausfälle geschwächt war. Zudem verliess Karl Spanien und setzte zur Verwaltung des Landes einen Statthalter ein. Die unzufriedenen Spanier nutzten diese Situation für den Aufstand, der anfangs 1522 jedoch von den Habsburgern niedergeschlagen wurde.

Toledo bildet die literarische Kulisse für verschiedene Romane – beispielsweise für »Die Hakima  – Ärztin zwischen Kreuz und Halbmond« von Kari Köster-Lösche. «Der Roman beschreibt den schicksalhaften Lebensweg eines jungen Mädchens aus dem mittelalterlichen Lübeck, das nach gefahrvollen Irrfahrten in Toledo von berühmten muslimischen Ärzten in der Heilkunde unterwiesen wird und trotz Angst vor Verfolgung und Bedrohung durch einen Ritter den Sinn ihres Lebens in der Behandlung kranker Menschen und dem Erwerb von Wissen findet. Der Roman, glänzend recherchiert, gibt auch einen Einblick in die verschiedenen damals herrschenden Geistesströmungen, den Fanatismus eifernder Kreuzzugsprediger, das Schicksal der Katharer und das farbenprächtige christlich-muslimisch-jüdische Spanien. Ein spannender Abenteuerroman, der bis zur letzten Seite reich an Überraschungen ist.» (Rezension)

Der historische Roman »Die Hakima – Ärztin zwischen Kreuz und Halbmond« wurde von der deutschen Schriftstellerin Kari Köster-Lösche (* 23. Januar 1946 in Lübeck) verfasst. Es ist in unserem Online-Shop für gebrauchte Bücher – buchplanet.ch – als Taschenbuch, erschienen 2001 im Econ Ullstein List Verlag erhältlich.

 

Nachstehende Bildmontage zeigt von links nach rechts die Wappen der Stadt Toledo, der Provinz Toledo und der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, Nachfolgerin der historischen Region Neukastilien, die ihrerseits dem Königreich Toledo folgte.

 

Toledo, eine Stadt mit grosser Vergangenheit, Heimat dreier Weltreligionen, einstige Hauptstadt Spaniens, heute Hauptstadt der Provinz Toledo, Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha, UNESCO-Weltkulturerbe und Nationales Monument der Erbmonarchie Spanien, die »Mutterstadt« von Madrid – gar nicht im Schatten ihrer »Tochter« stehend – eine Reise wert!

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia
Bild D:
Bild E: Buchdeckel
Bild F: Wikipedia; Bildmontage: buchplanet.ch (JBS)

 

 

12. April 2012

»Probleme mit em Vreneli«

by Josef Beda

In den Jahren 1883 bis 1896 wurden insgesamt 1’750’050 Zwanzig-Franken-Münzen mit dem Namen »Helvetia« in Gold geprägt. Die Goldmünzen wurden mit einem Gewicht von 6,45 g, einem Durchmesser von 21 mm und einer Dicke von 1,25 mm gefertigt. Sie bestehen aus einer Legierung, welche einen Goldgehalt von 90% und einen Anteil von 10% Kupfer aufweist.

Das Bild unten zeigt die Vorder- und die Rückseite der Goldmünze »Helvetia«. Auf der Vorderseite ist der Kopf der »Libertas«, die in der römischen Mythologie personifizierte Göttin der Freiheit, abgebildet. – In den gerippten Rand sind dreizehn Sterne und die Worte »Dominus Providebit« (Der Herr wird versorgen) geprägt.

 

Die Goldmünze »Helvetia« entsprach somit den Normen der »Lateinischen Münzunion«, welche zwischen den Ländern Belgien, Frankreich, Italien, Griechenland und der Schweiz abgeschlossen wurde. Bis zur faktischen Ausserkrafttretens des Vertrages galt sie entsprechend den Bedingungen als offizielles Zahlungsmittel.

 

Die obenstehende Abbildung zeigt den Vertrag der »Lateinischen Münzunion«, die vom 23. Dezember 1865 de facto bis 1914 und formal bis zum 31. Dezember 1926 dauerte. Mit dem Ersten Weltkrieg befolgten – ausser der Schweiz – die Mitgliedstaaten den Vertrag nicht mehr. Dieser wurde nach und nach aufgehoben und am 1. Januar 1927 setzte auch die Schweiz die Münzen der anderen Staaten ausser Kraft.

Als im Jahr 1895 der Bundesrat beschloss die Herstellung der Goldmünze »Helvetia« per 1896 einzustellen und festlegte, dass die neue Zwanzig-Franken-Münze ein schweizerisches, nationales Motiv – eine allegorische oder historisch-symbolische Darstellung – der Schweizerischen Eidgenossenschaft tragen solle, begutachtete eine von ihm einberufene Jury im gleichen Jahr die einundzwanzig eingegangenen Entwürfe. Da die Jury am Entwurf des aus Neuenburg stammenden Künstlers Fritz Ulysse Landry einiges zu bemängeln hatte, empfahl sie dem Bundesrat Landry »nur« den zweiten Preis zu vergeben. Der Künstler überarbeitete daraufhin seinen Entwurf. Die junge Frau, die er als Vorderseite der Münze wählte, wirkte nun, wie von der Jury gefordert, älter. Sie trug das Haar nicht mehr offen, sondern zu einem Zopf gebändigt und um den Hals trug sie nun statt eines Kranzes aus Rhododendronzweigen einen Kranz aus Edelweissblüten. Nach erneuter Beurteilung empfahl die Jury dem Bundesrat diesen neuen Entwurf zur Ausführung.

Zum nachstehenden Bild: In den ersten Probeprägungen des überarbeiteten Entwurfes des Künstlers Fritz Ulysse Landry besass die Frau noch eine Stirnlocke. Ein besorgter Bundesrat bemängelte das Ergebnis: «Die Stirnlocke gibt dem Frauenzimmer ein frivoles Aussehen.» Bei der definitiven Prägung wurde die Stirnlocke daher weggelassen.

Einem der Bundesräte missfiel jedoch die Stirnlocke der Frau. Die Münze wurde schlussendlich, nach Beseitigung der Stirnlocke, zur regulären Prägung freigegeben. Heute vor 115 Jahren, am 12. April 1897 wurden die ersten 20-Franken-Goldmünzen, die den Kopf der Helvetia tragen, in den Umlauf gebracht. Vorerst stiess die neue Goldmünze auf Ablehnung; Fachleute empfanden die Frau als zu jung – als unwürdig die Schweiz zu repräsentieren und meinten: «Besser wäre unser Land durch Wilhelm Tell oder durch die Mannen vom Rütli dargestellt worden.»

Bei der Bevölkerung kam die neue 20-Franken-Münze jedoch gut an und erhielt bald den Namen »Vreneli«. Ab Beginn der Herstellung bis ins Jahr 1949 sind 58,6 Millionen dieser Goldmünzen in den Umlauf gebracht worden. Das »20-Franken-Vreneli« ist die bekannteste Goldmünze unseres Landes. Von 1911 bis 1922 prägte man 2,6 Millionen »10-Franken-Vreneli«. Heute sind die »Zehner- und Zwänzger-Gold-Vreneli« – als Geschenke und kleinere Wertanlagen sehr beliebt.

Das eigentliche »Vreneli« ist die Zwanzig-Franken-Münze. Die Goldmünze entspricht in Gewicht und Grösse, wie auch in der Legierung – die beiden anderen »Vreneli« ebenfalls – den Vertragsbestimmungen der »Lateinischen Münzunion«.

 

 

Im Jahr 1925 wurden zudem 5000 »100-Franken-Vreneli« geprägt. Diese Prägungen stellen einen ganz besonderen Sammlerwert dar, denn, von den hergestellten Stücken wurden 1200 Exemplare im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank wieder eingeschmolzen. – Eine Randbemerkung sei noch erlaubt: «Wer war wohl im Besitz der 3800 übriggebliebenen »100-Franken-Vreneli«, die im Wert infolge der Reduzierung des Bestandes an Wert zugenommen haben? In unserer heutigen Gesellschaft könnte die Einschmelzung ein Indiz für unlautere Machenschaften sein – gegebenenfalls müsste eine PUK eingesetzt werden.»

Hinweis: Wenn Sie mehr und fundierte Informationen über das Goldvrenelei erfahren möchten, empfehle ich Ihnen die entsprechende Seite »Das Goldvreneli« der selbständigen Einheit der Eidgenössischen Finanzverwaltung – Eidgenössische Münzstätte Swissmint – aufzusuchen.

 

Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Wikipedia
Bild C: Wikipedia (modifiziert: buchplanet.ch; JBS)
Bild D: Wikipedia