Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Aberglauben, Volksdeutungen, Bauernregeln – (Fortsetzung)

von Urs Steiner

Wichtig sind die Tage der   k i r c h l i c h e n   F e s t e .   Das Weihnachtsfest schliesst sich mit seinen Festfreuden deutlich an das heidnische Julfest an, zur Erinnerung an die neu erstandene Sonne gefeiert. In dieser Zeit kommen die verborgenliegenden Schätze zum Vorschein und können von Leuten, die zu schweigen wissen, gehoben werden. Das Wasser der Brunnen verwandelt sich zu Mitternacht für drei Minuten in Wein. Dieser muss schweigend geschöpft werden. Eine Jerichorose, in’s Wasser gestellt, geht unfehlbar auf. Weihnachtsschnee, auf die Fussböden gestreut, vertilgt das lästige Ungeziefer.

Grüne Weihnacht, weisse Ostern (Sarganserland 1916).

Frohnfastenkinder sehen Geister. In den Zwölften, deren Bedeutung wir eingangs kennengelernt, legt der Bauer auch bei uns in 12 Zwiebelschalen Salz, um aus dem schnelleren oder weniger schnellen Flüssigwerden desselben zu ersehen, welche Monate nass und welche trocken sein werden.

Stephan ist der Pferde-Heilige. Wenn man am Stephanstag den Pferden zu Ader lässt, bleiben sie das ganze Jahr gesund. Reitet man an diesem Tage zu Pferd um die Kirche herum, so bleibt man vor allem Bösen bewahrt. Macht man den Bannritt über die Felder und streut dabei geweihtes Brot und Salz, so werden die Felder fruchtbar. Geht die am Neujahrstag ins Wasser gestellte Jerichorose auf, so bedeutet das ein gutes Jahr; geht sie nicht auf, so wird das Jahr unfruchtbar sein. Wer Glück haben will im neuen Jahr, muss vor dem Neujahrstage noch seine Schulden bezahlen.

Schaltjahre sind Unglücksjahre, Schalttage ebenfalls Unglückstage.

Viele Vorbedeutungen schliessen auch der Tauf- und Hochzeits-Tag in sich. Regnet es am Hochzeitstag, so haben die Eheleute so viel zu weinen. Der Regen bedeutet auch grossen Kindersegen. Ist auf dem Friedhof ein Grab offen, so stirbt bald eines der Ehegatten.

Es bedeutet Unglück, wenn der Hochzeitszug einer Leiche begegnet.

Beim Hochzeits-Mahle darf eine grüne Platte nicht fehlen; diese bringt Glück. Am Morgen trinkt man Glühwein.  –  Läutet der Messmer lang zur Taufe, so wird das Kind klug. Merkwürdigerweise soll das Kind (in Graubünden) auch klug werden, wenn man es lange ungetauft lässt, obwohl die Taufe das Judenkind erst zum Christenkind macht, ihm ein Anrecht auf die Seligkeit gibt und es ferner der Gewalt des Bösen entreisst. Ein Kind, das bei der Taufe schreit, stirbt bald. Die Taufnamen müssen vor der Taufe geheim gehalten werden, sonst wird das Kind vorwitzig. Knaben und Mädchen darf man nicht in dem gleichen Wasser taufen, sonst bekommt das Mädchen einen Bart und läuft später den Knaben nach.

Z a u b e r h a f t e   O r t e   sind allererst die vorspringenden Felskanzeln und die erratischen Blöcke, die Teufelssteine im Wald oder Feld. Solche haben unzweifelhaft schon den Heiden als Versammlungsorte gedient und haben bis weit herein in’s Mittelalter noch heimliche nächtliche Zusammenkünfte gesehen. So blieben sie im Rufe der Zauberstätten bis auf unsere Zeit. Dass diese Blöcke Fremdling sein müssen, sah auch der ganz Ungebildete, und da musste sich bei dem den Menschen anhaftenden Hang zum Sagenhaften der Glaube an sie heften, dass diese Steine von den Göttern hergetragen worden seien und dass sie hier verehrt zu werden wünschten. Das Christentum schreibt sie dem Teufel zu und lässt namentlich die Hexen an denselben ihren Tanz ausführen. Auch die Dorflinde dient ihnen als Sammelplatz. Der unheimlichste Ort ist aber zur Nachtzeit der Kirchhof, der allerdings bei allerlei Zauber besucht werden muss. Geister erscheinen in grünen Zimmern, besonders auch auf den Kreuzwegen, d.h. sie gehen jede Strasse, auf den Kreuzwegen aber kann man sie ohne Gefahr begegnen, namentlich wenn man das Kreuz schlägt und sich auf die Erde legt. Die Seelen der Wucherer sitzen nicht ungern auf den Dachfirst und werden von den Zauberern unter das Dach hinauf gebannt. Der Herd mit seinem Feuer entkräftet den Zauber. Zauberische Dinge begräbt man unter der Dachtraufe, unter der Türschwelle oder unterm Holunderbusch. So vertreibt man die Warzen, indem man in eine Seidenschnur so viele Knoten macht, als man Warzen hat und hernach die Schnur an einem der genannten Orte begräbt. Legt man die Schnur nur auf den Weg, so bekommt derjenige die Warzen, der sie aufhebt und die Knoten auflöst. Auch die Äpfel, mit denen man die Hühneraugen vertreibt, werden unter der Dachtraufe begraben; fällt aber ein Tier im Stalle, so begräbt man es oder statt seiner auch den Haushund unter der Türschwelle, so ist der Viehstand vor weiterm Unglück geschützt. Unter den Holunder begräbt man namentlich die abgeschnittenen Haare und Nägel.

Z a u b e r i s c h e   Z a h l e n   sind 3, 7, 9, 13, 33, 77, 99. In den drei höchsten Namen spricht man den Zauber; wirkt er so nicht, so zaubert man in des Bösen Namen. Sieben ist überhaupt eine heilige Zahl. Zu einem Zauber nimmt man neunerlei Kräuter. Von dreizehn Personen, die um einen Tisch sitzen, stirbt eine. Wo 3, 7 und 9 zu wenig sind, da nimmt man das 11fache davon. Störche brüten nur in gerader Zahl, den Hühnern aber muss man die Eier in ungerader Zahl unterlegen.

Fortsetzung folgt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.