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27. April 2017

Ein gut integrierter Ausländer

von Gabriel Weber

Das ist er, der Sechseläutenmarsch. Zürichs Lokalhymne ist nämlich kein Schweizer Produkt, sondern hat französische, deutsche und russische Wurzeln. Das Zürcher Frühlingsfest, das Sechseläuten, das übrigens erst kürzlich wieder stattgefunden hat, ist undenkbar ohne diese Melodie.

Der Anlass wird durchgeführt – auf Biegen oder Brechen, auch wenn es giesst, hagelt oder schneit! Dann ziehen die Zünfte durch die Stadt, einst Handwerker-Vereine und politische Mächte, heute so eine Art Herrenclubs. Ob auch Damen mitmachen dürfen, ist umstritten. Hauptsächlich sind und bleiben es Männer (vom Alter, in dem sie noch kaum, bis zum Alter, in dem sie kaum noch laufen können), die in mehr oder weniger kleidsamen historischen Kostümen daherkommen (trotz des weit verbreiteten Vorurteils sind es nicht nur Millionäre, sondern auch ganz gewöhnliche Normalverbraucher). Zum Schluss wird ein Schneemann (der in Wirklichkeit gar nicht aus Schnee besteht), der sogenannte Böögg, auf einem Scheiterhaufen verbrannt (Mein Gott, wie brutal!), wobei die Brenndauer unfehlbare Rückschlüsse auf die Qualität des kommenden Sommers zulässt (an diesem Dogma wird nicht gerüttelt!). Von essentieller Wichtigkeit ist die Blumenfrage. Vom St. Galler Kinderfest unterscheidet sich das Sechseläuten nämlich nicht nur durch die Unabhängigkeit vom Wetter, sondern auch durch die Tatsache, dass man als Zuschauer Blumen an die Umzugsteilnehmer verteilen darf. So sitzen die Leute mit ganzen Wagenladungen von Blumen am Strassenrand – und wenn im Umzug ein Bekannter am Horizont auftaucht, dann ist kein Halten mehr.

Als Möchtegern-Zürcher liebe ich das Sechseläuten. Auch bei buchplanet.ch ist es aktenkundig. Zum Beispiel mit Zürcher Sechseläuten. Constaffel und die 25 Zünfte von Andreas Honegger.

25. April 2017

Die Sterne lügen nicht!

von Gabriel Weber

Es ist wieder einmal Zeit für ein „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Franzose namens Michel. Michel kommt am 14. Dezember 1503 in der Provence zur Welt und entstammt einer zum Christentum konvertierten Familie jüdischer Kaufleute. Er studiert Medizin in Montpellier und befasst sich auch schon früh mit Astrologie, der damals nämlich eine Beziehung zur Medizin nachgesagt wird. Nach vielen Jahren, in denen er herumreist und sich als Arzt grosses Ansehen erwirbt, lässt sich Michel 1547 in Salon nieder, auf halber Strecke zwischen Avignon und Marseille, wo er eine Familie gründet. Dort beginnt er damit, einen Almanach herauszugeben, in dem er Naturereignisse und andere Vorzeichen deutet. Sehr schnell wird Michel berühmt, nicht nur als simpler Sterndeuter (von denen es damals viele gibt), sondern als Seher und Orakel im antiken Stil. Sein Hauptwerk sind die Prophéties oder Centurien, Prophezeiungen in Versform (Vierzeiler in altertümlichem Französisch, die, wie es sich für anständige Prophezeiungen gehört, erst interpretiert werden müssen), die zum Teil Jahrhunderte in die Zukunft weisen. 1566 stirbt Michel – der natürlich schon zu Lebzeiten nicht nur bewundert, sondern auch angefeindet wird – in Salon.

Michel de Notredame ist unter seinem lateinischen Namen Nostradamus in die Weltgeschichte eingegangen. Er ist bis heute eine Legende, der Inbegriff des Propheten; für seine Anhänger gibt es kaum ein historisches Ereignis in den letzten 500 Jahren, das er nicht vorausgesagt hätte. Elmar R. Gruber nimmt in Nostradamus nicht nur Michels Leben, sondern auch seine Prophezeiungen und deren spätere Interpretation kritisch unter die Lupe. Auch weniger kritische Literatur zum Thema ist bei buchplanet.ch erhältlich.

24. April 2017

Wir sind alle gleich

von Julia S.

Ich fand das Buch über „Flawil – Anno dazumal“ mit den Gasthäusern und Wirtschaften von früher. Zuerst über das alte Flawil forschend, blieb mir fast der Kaffeelöffel im Hals stecken, als ich folgendes las. Im 19. Jahrhundert traf es Wirtsleute die nicht ortsansässig waren, also keinen Flawiler Bürgerbrief besaßen besonders hart. Bei jenen die ein kleines Einkommen hatten konnte dieser Umstand ehrverletzende Auswirkungen haben. Der Verzug von Zahlungen, aus welchem Grund auch immer und nach mehrmaliger Aufforderung die Schuld zu begleichen, die aber nicht erbracht werden konnte, erteilte man ihnen ein zweijähriges Wirtshausverbot, sie wurden amtlich als ehrlos betrachtet, sie waren ausgeschlossen von Ausübungen ihrer demokratischen Rechte und die Namen dieser ausgeschätzen oder ehrlosen Schuldner wurden öffentlich bekannt gegeben und in Gaststätten angeschlagen. Manchen drohte sogar die Heimschaffung in ihren Heimatort. Ausländer oder Fremdbürger hatten es offensichtlich seit jeher schwer in der Schweiz Fuß zu fassen. Wie mir scheint, dies heute nicht anders ist. Warum ist das so? (Eine Frage, die ich jedem ans Herz legen möchte.) Man hört von vielen Ländern, dass sie sehr gastfreundlich sind. Gehört etwa die Schweiz nicht dazu? Wie behandeln wir Menschen, die nicht Schweizer sind? Nun gut. Interessanter Weise ist es tatsächlich so, dass alle Menschen dazu neigen, das Unbekannte zuerst einmal abzulehnen. Ich empfehle, wenn Sie nicht geübt sind in Fremdem anzunehmen, gehen Sie auf Reisen, lernen Sie andere Kulturen und Traditionen kennen. Ich glaube so lernen wir zu schätzen, wenn etwas oder jemand anders ist oder handelt wie wir selbst sind oder es tun würden. Gerade im Heute mit unseren politischen Umständen und der vielen Zuwanderer lohnt es sich, darüber nachzudenken und ein bisschen aufgeschlossener zu sein. Oder es lohnt sich zu sein und darüber aufgeschlossener zu denken. Ich kenne die Schweiz als sehr gastfreundlich. Witziger Weise sind ebenso die Länder die als gastfreundlich gelten auch bei Massenzuwanderung auf einmal nicht mehr so tolerant. Apropos tolerant, ich wünsche Ihnen liebe Leser einen fröhlichen Frühling mit dem Wunsch; Seid lieb zueinander! 🙂 Wer kein Ausländer sein möchte, also lieber nicht verreist, vergnüge sich doch mit dem Buch FLAWIL – ANNO DAZUMAL über Wirtshäuser die es mal gab und florierten, die noch stehen oder abgerissen wurden, einem neuen Haus oder sogar einer Strasse weichen mussten. Aufschlussreiche Veränderungen, nicht nur spannend für Flawiler.

 

 

 

20. April 2017

Die Urahnen des Roboters

von Gabriel Weber

Die Idee, künstliche Wesen herzustellen, die sich selbständig bewegen und vielleicht sogar für den Menschen arbeiten, ist sehr alt. Die Geschichte dieser Automaten ist das Thema von Herbert Heckmanns Buch Die andere Schöpfung.

Sobald man die Vorgänge im menschlichen oder tierischen Körper mechanisch erklären konnte, lag die Frage nahe, ob man so etwas nicht vielleicht auch künstlich herstellen könnte. Schon im alten Griechenland wurde an solche Apparate gedacht; Dädalus soll welche konstruiert haben, auch Homer berichtet davon. In 1001 Nacht kommen Automaten vor. Später gab es dann unter Anderem Musikautomaten und Spieluhren. Zur Zeit des Barock wurden die im ewig gleichen Hofzeremoniell à la Versailles gefangenen Höflinge oft und gern als „Automaten“ verspottet. Jacques de Vaucanson verblüffte im 18. Jahrhundert die Leute durch seine mechanische Ente, die sogar Körner frass  – und sie wieder ausschied! Wolfgang von Kempelens Schachtürke hingegen, der erste Schachcomputer der Welt, mit dem angeblich zum allerersten Mal eine Maschine die menschliche Intelligenz besiegte, war ein Schwindel.

Im weiteren Sinn gehören auch der Golem, Frankensteins Monster, der Homunculus in Goethes Faust und Pinocchio zu diesem Thema – nämlich dem Thema der künstlich hergestellten Lebewesen, immer wieder eine heikle und umstrittene Sache. Heute müsste man wohl auch selbstfahrende Autos und dergleichen hinzuzählen.

18. April 2017

Einer für alle – nach wie vor!

von Gabriel Weber

Die Abenteuer von Athos, Aramis und Porthos sowie dem Neuling D’Artagnan kennt jede/r. Doch mit den Drei Musketieren ist die Geschichte nicht zu Ende. In Nach zwanzig Jahren erzählt Alexandre Dumas père (siehe Blog vom 9. März 2017) von weiteren Abenteuern seiner Helden.

Manches hat sich geändert, vieles ist gleich geblieben. Der König von Frankreich heisst nicht mehr Louis XIII, sondern Louis XIV; der eigentliche Machthaber im Land ist immer noch ein Kardinal, aber nicht mehr Richelieu, sondern Mazarin; D’Artagnan, schon leicht ergraut, dient immer noch bei den Königlichen Musketieren. Und auch die Intrigen am königlichen Hof in Paris sind immer noch die gleichen wie ehedem. Die Königinmutter Anna (die zwar als Anna von Österreich bzw. Anne d’Autriche bekannt ist, aber in Wirklichkeit Spanierin war) erinnert sich noch gut an die fechtenden Helden von damals. Ihr Günstling Mazarin will die berühmten Musketiere in seine Dienste nehmen (man weiss ja nie, wann man solche Männer einmal brauchen kann), deshalb macht D’Artagnan sich auf die Suche nach seinen Freunden, die schon lange den Dienst quittiert haben. Aramis ist in ein Kloster eingetreten, nimmt es aber mit dem geistlichen Leben nicht allzu genau. Porthos hat reich geheiratet und geniesst seinen Ruhestand in vollen Zügen. Athos führt ein zurückgezogenes Leben als Landedelmann und kümmert sich um seinen Adoptivsohn Raoul. Doch nur Porthos, den D’Artagnan mit der Aussicht auf einen Adelstitel ködert, lässt sich für die Sache des Kardinals begeistern. Die Zeiten sind problematisch: Der nicht besonders populäre Mazarin hat Feinde. Selbst der König, noch ein kleiner Bub, kann ihn nicht leiden, und den kann der Kardinal ja schlecht in die Bastille sperren. Rebellion liegt in der Luft. Und bald beginnt das, was man in der französischen Geschichte die Fronde nennt…

Auch weitere alte Bekannte wie Rochfort und Planchet tauchen auf. Einer für Alle, Alle für Einen!

13. April 2017

Schachmatt!

von Gabriel Weber

Das königliche Spiel, das Schach, eines der ältesten Spiele der Welt… populär und faszinierend, schon seit Jahrtausenden. In der Literatur gibt es zunächst einmal natürlich Stefan Zweigs berühmte Schachnovelle. Aber auch in dem Thriller Das Montglane-Spiel von Katherine Neville dreht sich alles um das karierte Brett mit 64 Feldern und um die 32 Figuren.

Das Montglane-Spiel ist ein Schach, das früher einmal Karl dem Grossen gehört haben soll. Aber es besitzt nicht nur historischen und künstlerischen Wert, oh nein; angeblich sollen die Schachfiguren der Schlüssel zu einem uralten Geheimnis sein. Zu einem Geheimnis, das Macht bedeutet – grosse Macht. Deshalb waren schon sehr viele Leute auf dem Suche nach dem verschollenen Montglane-Spiel. Richelieu, Voltaire und Talleyrand haben sich damit befasst; auch Katharina die Grosse wusste davon. 1790, mitten in den Wirren der französischen Revolution, wird der jungen Novizin Mireille eine der Schachfiguren anvertraut. Sie soll das Ding in diesen turbulenten Zeiten sicher aufbewahren, was weiss Gott keine leichte Aufgabe ist. 1973 wird die New Yorker Unternehmensberaterin Katherine Velis in eine Geschichte verwickelt, an der auch der KGB, die Freimaurer und andere übliche Verdächtige, ferner der russische Schach-Grossmeister Alexander Solarin und eine mysteriöse Wahrsagerin beteiligt sind. Die Jagd nach dem verschollenen Schach wird Katherine bis nach Algerien führen, wo auch Mireille landet. Für die beiden Frauen, deren Geschichten parallel erzählt werden, wird die Berührung mit dem Montglane-Spiel weitreichende Folgen haben. Denn es suchen nicht nur viele Leute nach dem Spiel; manche würden deswegen auch töten…

Mord und Totschlag, Verschwörungstheorien, verschlüsselte Botschaften, die hohe Politik – und immer wieder die hohe Kunst des Schachs. Man begegnet Madame de Staël, Johann Sebastian Bach, Leonhard Euler, Jacques-Louis David, Maximilien de Robespierre, Jean-Paul Marat, der Familie Bonaparte und anderen Personen der Weltgeschichte. Es ist interessant, wie die Autorin historische Ereignisse, zum Beispiel die Ermordung Marats in der Badewanne, mit Fiktion verbindet.

11. April 2017

Ach du gute alte Zeit

von Gabriel Weber

In Sensationen von Gestern – Geschichte heute kann man Bildreportagen aus der Leipziger Illustrierten Zeitung aus den Jahren 1848-1900 nachlesen.

2. Februar 1850: Die Raubtierbändigerin Helene Bright wird von einem ihrer eigenen Tiger attackiert und stirbt. 30. August 1853: Eine totale Sonnenfinsternis erregt in ganz Europa Aufsehen. 19. Dezember 1857:  Die britische Königin Victoria empfängt in Windsor Castle eine Gesandtschaft aus Siam. Die Herren erregen Heiterkeit dadurch, dass sie buchstäblich auf allen Vieren zum Thron kriechen – und sich in der gleichen Manier wieder entfernen. 15. April 1871: Die deutschen Truppen kehren im Triumph in die Heimat zurück. 19. Januar 1878: In Wien findet der erste Opernball statt. 1. Juli 1882: Ein Schiffskapitän sichtet in der Nähe der Hebriden angeblich ein Seeungeheuer. 19. September 1896: In einem Panoptikum in Berlin wird der „Löwenknabe“ Stephan Sedlmayer ausgestellt, der am ganzen Körper mit dichtem Haar bedeckt ist. Damals ist es üblich, Menschen mit körperlichen Anomalien öffentlich zur Schau zu stellen wie Tiere im Zoo. Und dann die Attentate! Erfolgreich auf Abraham Lincoln (27. Mai 1865) und auf den russischen Zaren Alexander II. (2. April 1881), erfolglos auf den preussischen König Friedrich Wilhelm IV. (1. Juni 1850) und auf Otto von Bismarck (26. Mai 1866). Umgekehrt schiesst in Budapest ein Abgeordneter auf einen demonstrierenden Studenten (6. April 1889).

Ja, in der sogenannten „guten alten Zeit“ war auch schon einiges los!

10. April 2017

Was für eine Hühnerei

von Julia S.

Im Leben der Autorin Tatjana Adams spielen Tiere eine zentrale Rolle, neben ihrem Beruf als Kinder- und Physiotherapeutin. Sehr interessant, dass Hühner uns Menschen etwas sagen wollen, so ihr Buchtitel VON HÜHNERN UND MENSCHEN. Hören wir also was uns das Huhn sagen will…

Sechs Hühnerautorinnen sind abgebildet, drei davon sind Fortuna, Brunella und Agnetha. Dieses Buch ist wahrlich wunderlich. In ihrem Einführungskapitel ist erwähnt, dass beim Verteilen der Leseprobe, es die ersten Zweifler gab, weil unter den Menschen die Tierkommunikation noch sehr fremd ist. Wenn Tatjana mit den Tieren anderer Menschen spreche – sei es Hund, Katze, Pferd oder was auch immer, ist die Akzeptanz der Menschen deutlich grösser. Die Hühner selbst (wie Tiere generell) sind problemlos in der Lage, ununterbrochen auf dem Weg der Telepathie zu kommunizieren und sind darin wahre Meister. Aus dem Hasenerlebnis heraus, das Adams sehr erschütternd empfand und zwei weitere Tode ihrer Hühner, die sie aber zu neuen Erkenntnissen führten für das Verständnis über Leben und Tod, entstand ihr Buch, wofür hauptsächlich ihr Huhn Brunella verantwortlich war – sagen wir mal, den meisten Inhalt beigesteuert hat.
 Fortuna
meint über ‚Pech‘: Pech ist nämlich nicht gleich wie Schicksal, das darf man nicht verwechseln. Über Angst; Angst ist irreal, und doch hat sie uns voll im Griff. Wir Tiere leiden sehr unter ihr. Sie treibt uns an, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht wollen und die unnötig sind. Sie kostet sehr viel Energie und hat nichts Produktives. Es ist schwer sie zu beherrschen. Klug finde ich. Brunella sagt über ‚Anders sein‘: Anders sein ist eine Kunst, ich übe sie täglich aus. Es fällt nicht immer leicht, andere legen einem Steine in den Weg. Aber ich bin trotzdem gerne anders. Und über ‚Stinkig‘: Manchmal bin ich stinkig. Wenn ich nicht früh genug rauskomme zum Beispiel. Ich habe meine Zeit nicht zum Vertrödeln. Wenn das Tageslicht da ist, möchte ich mit meinem Tun beginnen. Ich mag es nicht zu warten. Ich habe immer viel vor….(denken Sie dasselbe wie ich?). Fortuna über ‚Gelassenheit‘: Gelassenheit ist eine Kunst, die uns Hühnern leider oft abgeht. Sobald ein Mensch oder ein Fuchs in die Nähe kommt, ist es vorbei mit der Gelassenheit. Agnetha ergänzt über ‚Frieden‘: Ich möchte euch ermutigen, den inneren Frieden wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Und euch dabei nicht von so vielen Dingen ablenken zu lassen. Und über ‚Lebenskunst‘: Das Leben ist wie ein Gemälde. Wir können es selbst gestalten und vor allem selbst die Farben aussuchen. Es ist schon vorgegeben, was für eine Art Bild es wird, aber wie wir es im Endeffekt umsetzten und ausführen, liegt an uns.

Am Anfang las ich noch sehr skeptisch, vertiefte mich jedoch schnell in die spannenden Hühnereien. Ein Huhn äh Buch der Sonderklasse, einzigartig neues Terrain wahrscheinlich für die meisten Leser. Zu Ostern auch passend, mögen Sie sich vertiefen bei uns im www.buchplanet.ch über Hühner, Ostern oder ähnliches. 🙂

6. April 2017

„Mein Königreich für ein Pferd!“

von Gabriel Weber

Neben Henry VIII ist er der berüchtigste Monarch, den England je hatte: Richard III. Schuld daran ist u. a. ein gewisser William Shakespeare, der ihn als skrupellosen Bösewicht darstellte. Doch wie steht es mit der historischen Wahrheit? Jetzt bei buchplanet.ch: Richard III. von Paul M. Kendall.

Geboren wird Richard 1452. Es ist die Zeit der Rosenkriege, des Machtkampfes zwischen zwei verfeindeten Linien der Dynastie Plantagenet, dem Haus Lancaster (dessen Vertreter Henry VI gerade König ist) einerseits und dem Haus York (dem Richard angehört) andererseits. Seine ersten Lebensjahre sind recht turbulent, bis sein älterer Bruder 1461 als Edward IV den Thron besteigt. Richard, nunmehr Duke of Gloucester, betritt die grosse Bühne 1483, als sein königlicher Bruder stirbt. Er wird Regent für seinen noch unmündigen Neffen Edward V und nach dessen Tod selber König. Doch bereits 1485 stirbt Richard III auf dem Schlachtfeld (der letzte englische Monarch, dem das passiert) im Kampf gegen die Truppen von Henry Tudor, dem Thronprätendenten der Lancaster-Partei.

Henry Tudor, nun König Henry VII, musste, um sein Vorgehen gegen den rechtmässigen König von England zu rechtfertigen und seinen eigenen, nicht ganz zweifellosen Thronanspruch zu untermauern, seinen Vorgänger zum Verbrecher stempeln. Das tat er, und zwar gründlich! So entstand das Bild des Schurken, der Brüder und Neffen (die legendären „Prinzen im Tower“) aus dem Weg räumte, um auf den Thron zu kommen. Henry VII heiratete Elizabeth, die Tochter von Edward IV, und beendete durch diese „Fusion“ von Lancaster und York die Rosenkriege. Seine Nachkommen sitzen bis zum heutigen Tag auf dem englischen Thron.

4. April 2017

Sonst spielt‘ ich mit Zepter, mit Krone und Stern

von Gabriel Weber

Einer der bedeutendsten Monarchen in der russischen Geschichte war Peter I., auch Peter der Grosse genannt. Daniil Granin betrachtet in seinem historischen Roman Peter der Grosse diese faszinierende Persönlichkeit.

Fünf Herren sitzen beisammen und sinnieren über den grossen Peter, tragen Episoden und Anekdoten zusammen. Der Zar, der diesen traditionellen Titel durch den Europa-kompatiblen „Kaiser“ ersetzt und eine neue Hauptstadt gründet, ist ein sehr trinkfester Frauenheld. Er hat in seiner Kindheit Schlimmes erlebt; die brutalen Machtkämpfe innerhalb des Adels, ja sogar innerhalb seiner eigenen Familie verfolgen ihn sein ganzes Leben lang. Als Zar verordnet Piotr Alexeiewitsch Romanow, wie er mit vollem Namen heisst, seinem Land eine radikale Modernisierung. Russland soll ein fortschrittliches, europäisches Land werden – und zwar ohne Rücksicht auf Verluste! Zu diesem Zweck unternimmt der Zar sogar Reisen ins Ausland, was keiner seiner Vorgänger je getan hat (berühmt ist die Zeit, die er inkognito als Zimmermann auf einer Werft in Holland verbringt). Peter pfeift auf sämtliche Konventionen und heiratet eine Bauerntochter; Es ist seine zweite Ehe, seine erste Frau hat er verstossen und in ein Kloster gesteckt. Seine überschäumende Energie investiert er in eine Leidenschaft für alles, was mit Handwerk und Technik zu tun hat. Ausserdem „erfindet“ Peter die russische Marine und lässt seinen eigenen Sohn im Kerker zu Tode foltern.

Er machte Russland zur Grossmacht. Modernisierer und Despot, Aufklärer und Tyrann – Peter der Grosse war in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung (nicht nur puncto Äusseres, mit seinen gut zwei Metern überragte er die meisten Zeitgenossen), eine schillernde Figur der Weltgeschichte.