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18. Oktober 2018

Geld stinkt nicht

von Gabriel Weber

Es ist wieder einmal ein „wahres Märchen“ fällig:

Es war einmal ein Mann mit Namen John. 1671 in Schottland geboren, wird er schon bald bekannt durch sein Talent in Mathematik, im Fechten, im Glücksspiel – und im Umgang mit Damen. Nachdem er sein Vermögen verspielt und im Duell einen Mann getötet hat, muss er das Land verlassen und strandet schliesslich in Paris. König Louis XIV ist kürzlich gestorben und hat zerrüttete Staatsfinanzen hinterlassen. John legt dem Regenten Philippe d’Orléans eine für damalige Begriffe revolutionäre Idee vor: Die Gründung einer Bank, die Papiergeld herausgibt – sogenannte Banknoten, eine Art Gutscheine, die man bei der Bank gegen „richtiges Geld“, also Münzen, eintauschen kann. Reduktion des Defizites mit der Druckerpresse! Zunächst geht alles gut, die Wirtschaft wird durch die erhöhte Geldmenge angekurbelt, das Land prosperiert wieder. Aber Johns Bank bringt viel mehr Geld in Papierform in Umlauf, als sie in Metall vorrätig hat. Irgendeine Deckung muss her, deshalb erwirbt John die Konzession für die französische Kolonie Louisiana und gründet eine Aktiengesellschaft, um sie auszubeuten. Und dann geht es los! Die Aussicht auf gigantische Gewinne aus Amerika verdreht den Leuten den Kopf; der Aktienkurs schiesst senkrecht in die Höhe; ganz Paris spekuliert, ohne Rücksicht auf Verluste; Kutscher verdienen im Handumdrehen ein Vermögen; Dienstmädchen werden über Nacht reicher, als ihre Herrschaften es je gewesen sind… Es ist eine der grössten Spekulationsblasen der Wirtschaftsgeschichte – und wie jede Spekulationsblase platzt auch diese eines Tages. Als die Riesengewinne aus Louisiana ausbleiben, bricht Johns System krachend zusammen. Der Aktienkurs stürzt ins Bodenlose, riesige Vermögen lösen sich in Luft auf. John, noch vor Kurzem steinreicher Nationalheld, kann sich mit knapper Not ins Ausland retten und stirbt 1729 verarmt in Venedig.

Finanzgenie, Visionär, Spieler, Frauenheld… John Law war all das und noch viel mehr. Claude Cueni erzählt im Historischen Roman Das grosse Spiel seine Geschichte.

16. Oktober 2018

Und bei Beerdigungen regnet es

von Gabriel Weber

Christian Georg Salis hat in seinem Buch Der Böse steht noch einmal auf typische Klischees aus Hollywood-Filmen zusammengetragen. Es folgen einige Beispiele:

Wenn man alleine zuhause ist und ein verdächtiges Geräusch hört, kann man sich die Frage „XY, bist du das?“ sparen – es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht XY. Bei Polizisten nimmt mit jedem höheren Dienstgrad der Körperumfang zu. Selbst die bravsten, seriösesten Frauen werden ganz andere Menschen, sobald sie die dicke Brille abnehmen und das hochgesteckte Haar öffnen. Wenn es von jemandem heisst „Seine Leiche wurde nie gefunden“, dann kann man Gift darauf nehmen, dass der Betreffende noch lebt. Leute, die beim Essen ohnmächtig werden oder sterben, fallen mit der Nase voran geradeaus in ihre Teller. Auf der Flucht sollte man sich nie rückwärts bewegen – man läuft dem Monster oder dem Mörder direkt in die Arme. In Paris sieht man von jedem Fenster aus den Eiffelturm. Ein Ober-Schurke tötet mindestens einen seiner Untergebenen vor den Augen der anderen. Wer einen Schlag auf den Kopf bekommt, wird für eine Weile bewusstlos, trägt jedoch keine weiteren Schäden davon. Explodierende Autos fliegen meterweit durch die Luft.

Wenn alles ruhig ist und sich nur eine Kinderschaukel quietschend bewegt, dann ist grösste Vorsicht geboten!

11. Oktober 2018

Der goldene Mund

von Gabriel Weber

1930 erschien Narziss und Goldmund von Hermann Hesse, dem „Gärtner von Montagnola“ und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946.

Irgendwann im Mittelalter, irgendwo im deutschsprachigen Raum: Im Kloster Mariabronn begegnen sich zwei junge Menschen, zwei Gegensätze: Da ist einerseits Narziss, der Novize und Hilfslehrer. Ein brillanter Intellektueller und scharfsinniger Denker, dabei sehr vornehm, streng und zurückhaltend. Dann andererseits Goldmund, der Klosterschüler. Eine Künstlernatur, voller Leben und Fantasie. Es dauert eine ganze Weile, bis die beiden Gegensätze Freundschaft schliessen, dann jedoch hängen sie ihre Herzen so sehr aneinander, dass ihre Beziehung von Aussenstehenden zuweilen sogar als „naturwidrig“ geschmäht wird – übrigens hat Narziss durchaus auch körperliches Interesse an Goldmund, gestattet sich als strenger Asket jedoch auch hier keine Schwachheiten. (Überhaupt scheinen homoerotische Gefühle in diesem Kloster gar nicht mal so aussergewöhnlich zu sein!) Narziss, neben seinen vielen übrigen Talenten offenbar auch ein gewandter Psychoanalytiker, erkennt schon bald (noch bevor Goldmund sich dieser Tatsache selber ganz bewusst wird), dass sein Freund nicht für das Klosterleben geschaffen ist, dass seine sprühende Vitalität hinter den Mauern von Mariabronn verdorren würde. Deshalb hält er Goldmund auch nicht zurück, als dieser eines Tages aus dem Kloster türmt. Für den jungen Burschen beginnt eine lange Odyssee, eine Wanderung durch die Welt, mit vielen Begegnungen und vielen Liebschaften. Ausserdem entdeckt er seine künstlerische Begabung als Holzschnitzer.

Es wird lange dauern, bis die Beiden sich eines Tages wiedersehen; Narziss, nicht nur sympathisch in seinem ganzen intellektuellen Dünkel, und Goldmund, nicht nur unsympathisch in seinem überströmenden Lebenshunger. Narziss und Goldmund ist übrigens mein persönlicher Lieblings-Hesse.

9. Oktober 2018

Halleluja!

von Gabriel Weber

In seinem Buch Sternstunden der Menschheit beschreibt Stefan Zweig zwölf historische Augenblicke.

  1. 1513 erblickt der spanische Eroberer Vasco Nunez de Balboa als erster Europäer an der Westküste Amerikas den Pazifik.
  2. 1453 fällt Byzanz. Die Türken erobern die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, das heutige Istanbul.
  3.  1741 gesundet Georg Friedrich Händel nach langer Krankheit (körperlich und seelisch) und kann den „Messias“ komponieren. Darin enthalten ist das berühmte „Halleluja“ (siehe Titel).
  4.  1792 dichtet der französische Offizier Rouget in einer einzigen Nacht die „Marseillaise“.
  5. 1815 besiegelt die Niederlage bei Waterloo Napoleons Schicksal. Marschall Grouchy hat, ohne es zu wollen oder auch nur zu ahnen, wesentlichen Anteil an diesem Ergebnis.
  6.  1823 arbeitet Johann Wolfgang Goethe an der Marienbader Elegie. Er (74) hat um die Hand von Ulrike von Levetzow (19) angehalten, doch ohne Erfolg.
  7. 1848 wird auf dem Besitz von Johann August Suter (einem Schweizer) in Kalifornien Gold gefunden. Dieses Ereignis löst den Goldrausch aus, der Suter ruiniert.
  8.  1849 wird Fjodor Dostojewski, zum Tode verurteilt, vom Richtplatz weg begnadigt.
  9. 1858 kann man zum ersten Mal von Europa nach Amerika und umgekehrt telegrafieren – dank der Initiative von Cyrus Field.
  10. 1910 brennt der greise Leo Tolstoj von zuhause durch und stirbt wenig später in einem kleinen Provinzbahnhof. Dieser Teil des Buches ist als Theaterstück gestaltet.
  11.  1912 erreicht Captain Scott mit seiner Expedition den Südpol und muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass Amundsen schon früher dort war.
  12.  1917 schleust man Lenin in einem plombierten Zug aus der Schweiz nach Russland (ob das wirklich eine Sternstunde war, ist eine andere Frage).

Die Zwölf Historischen Miniaturen, so der Untertitel des Buches, sind kleine Meisterwerke.

8. Oktober 2018

Reim dich durch die Ostschweiz

von Julia S.

In Paul F. Portmanns Buchsammlung von Schweizerdeutschen Sprichwörtern kommt zutage, was früher und heute noch gelebt wird. Die Menschen beschäftigt seit jeher das Leben, die Liebe, Fragen zu Gott und dem Tod. Von Geiz, Dummheit, Laster und Mängel wird ebenfalls gern erzählt.

Was en Avikat tuet, das schämt si der Tüfel nu z dänke. Was der Advokat tut, das schämt sich der Teufel nur zu denken. Äh ja, das hat sich wohl nicht geändert. Bitter Trank verzieht eim s Muul, doch macht er gsund! / Bitter Chrut hät cheini süesse Wurzeln. Bitterer Trank verzieht einem den Mund, doch er macht gesund. Bitteres Kraut hat keine süssen Wurzeln. Altbekannt; Sie erinnern sich, als Sie jung waren, wie grässlich die Medizin schmeckte. Wer hürnet ine Trichter, isch no lang kei Dichter. Wer in den Trichter spricht, ist noch lange kein Dichter. Mänge cha ke Floig lyde und hed de Chopf voll Mugge. Mancher mag nicht eine Fliege, hat aber den Kopf voller Mücken. Es gibt zu jedem Spruch bestimmt mehrfache Bedeutungen, lassen Sie sich inspirieren und raten und diskutieren Sie drauf los. Gott lood sinke, aber nid vertrinke. Gott lässt sinken, aber dich nicht ertrinken. Na hoffentlich… mir steht das Wasser bis zum Hals. Gott hilft de Arme, di Ryche hälffid si sälber. Er hilft den Armen, die Reichen helfen sich selber. Gott und gnueg sind binenand. Gott und genug sind beieinander. Also eigentlich würde es vollkommen reichen, nur Gott zu haben. Vorbei ‘nur’ nicht klein zu deuten ist. Denn was haben wir gelernt – wenn auch am Rande – Gott ist unendlich gross?! Der lieb Gott cha d Sach im Iszapfe erhalte. Der liebe Gott kann die Sache im Eiszapfen erhalten. Das ist ja eine grosse Hoffnung, also wenn der Wunsch nicht gleich in Erfüllung geht… ist es vielleicht nur auf Eis gelegt? Da bin ich doch gleich zuversichtlicher! Wer nüd hed, hed Rueh, aber sunst nüd derzue. Wer nichts hat, hat Ruhe, aber sonst nichts dazu. Wir haben gerade gelernt – wir brauchen gar nicht mehr zu besitzen. Wo nüt isch, isch gly teilt. Wo nichts ist, ist’s schnell geteilt. Vielleicht ratsam für Paare. Vor Wöhli chotzet niemer. Bei höchstem Wohlbefinden kotzt niemand. Ähm… Wer zvil will, däm wird zletst zwenig. Wer zuviel will, dem bleibt am Schluss wenig. Aber uns bleibt viel, ich hoffe Sie bleiben uns erhalten und schauen sich das Buch «Di letschti Chue tuets Törli zue»: SCHWEIZERDEUTSCHE SPRICHWÖRTER mal aus der Nähe an. Viel Vergnügen mit mehr Zungenbrecher aus unserem www.buchplanet.ch.

 

 

4. Oktober 2018

Die Königin der Instrumente

von Gabriel Weber

So wird sie genannt: Die Orgel. Und Die Orgel heisst auch ein kleines Buch von Friedrich Jakob.

Orgelmusik, die durch den Raum braust: Erhaben und unheimlich zugleich. Zur Begleitung von Gottesdiensten ebenso geeignet wie zur Untermalung von Gruselfilmen. Aber was ist eigentlich eine Orgel? Ein Koloss mit vielen Pfeifen, vielen Tasten und mehr Pedalen als jedes Auto? Auch, aber nicht nur. „Die Orgel ist ein Aerophon aus skalamässig gestimmten Eintonpfeifen, die durch ein Gebläse gespeist und durch Klaviaturen eingeschaltet werden.“ (Curt Sachs) Sie war bereits in der Antike bekannt. Eine Orgel besteht aus vielen verschiedenen Teilen: Pfeifenwerk, Gebläse, Windlade, Prospekt etc. Ein klassisches Kircheninstrument war sie ursprünglich ganz und gar nicht – die frühen Christen hegten eine tiefe Abneigung gegen Instrumentalmusik im Gottesdienst – und es ist bis heute nicht ganz klar, wodurch die religiöse Karriere der Orgel eigentlich begann. Natürlich wurde sie, so alt sie ist, auch weiterentwickelt: Heute muss man nicht mehr wie einst per pedes den Blasebalg bedienen, um Luft in die Pfeifen zu kriegen. Spezialfälle sind Drehorgeln, Handorgeln usw.

Auch in der Literatur hat die „Königin der Instrumente“ Spuren hinterlassen. Kapitän Nemo (Blog vom 20. August 2015) ist ein ebenso leidenschaftlicher Orgelspieler wie das Phantom der Oper (Blog vom 3. Mai 2018).

2. Oktober 2018

Nobel gepriesen

von Gabriel Weber

Es ist mal wieder soweit: In Stockholm und Oslo werden die Nobelpreise verteilt. Sie gehören zu den begehrtesten Auszeichnungen der Welt – und die Frage, wer einen bekommt (und wer nicht), sorgt seit je für Diskussionen. Brisante Affairen, umstrittene Entscheidungen lautet der Untertitel von Heinrich Zankls Buch Nobelpreise.

Warum bekam Fritz Haber 1918 den Chemiepreis, kurz nachdem im Krieg Tausende von Soldaten an dem Giftgas draufgegangen waren, das er entwickelt hatte? Wieso heimste Otto Hahn den Chemiepreis 1944 ganz alleine ein, ohne seine Mitstreiterin Lise Meitner? Robert Andrews Millikan (Physikpreis 1923) hatte, so stellte sich viel später heraus, Versuchsergebnisse manipuliert, damit sie zu seiner Theorie passten. Als Konrad Lorenz 1973 mit dem Medizinpreis geehrt wurde, kamen einige unschöne Tatsachen aus seiner Vergangenheit im Dritten Reich ans Licht. Auch Knut Hamsun (Literaturpreis 1920) machte sich durch seine Sympathien für die Nazis unmöglich. Die Verleihung des Literaturpreises an Winston Churchill (1953) erregte Aufsehen. Wollte man die „lebende Legende“ Churchill unbedingt irgendwie auszeichnen und wich notgedrungen auf die Literatur (nämlich seine Bücher über den Zweiten Weltkrieg und seine Reden) aus, weil er für den Friedenspreis seiner Einstellung wegen kaum in Frage kam? Überhaupt ist der Friedenspreis, der naturgemäss immer einen politischen und moralischen Unterton hat, zweifellos am umstrittensten. Warum beispielsweise erhielt der brutale Machtpolitiker Theodore Roosevelt den Preis (1906), Mahatma Gandhi, der gewaltlos das britische Empire in die Knie zwang, hingegen nie? Zu den ewigen Beinahe-Preisträgern gehörte auch der amerikanische Chemiker Gilbert Newton Lewis, der bis zu seinem Tod 1946 nicht weniger als zweiundvierzigmal in die engere Auswahl kam und doch scheiterte.

Es „menschelt“ in den verschiedenen Preis-Komitees. Vorurteile, Missgunst und persönliche Eitelkeit sind auch Nobelpreis-Verleihern nicht fremd. Die Ausgezeichneten haben ebenfalls ihre Schwächen. Allerdings muss man zugeben, dass zumindest die wissenschaftlichen Nobelpreise in erster Linie als fachliche Ehrungen und nicht unbedingt als Gütesiegel für den persönlichen Charakter der Preisträger gedacht sind.

1. Oktober 2018

Rätsel des Alltags

von Julia S.

Heute geht es um zwei Bücher und die besten Fragen der Welt – glücklicherweise auch mit den Antworten! Wissen Sie, WOHER WEISS DIE SEIFE, WAS DER SCHMUTZ IST? oder „warum sie noch nie einer quadratischen Seifenblase begegnet sind!?“ Vielleicht haben sie sich schon gefragt „welch ein prächtiges Feuerwerk! Aber wie kommen all diese Farben zustande?“ Gute Fragen, kennen Sie die Antwort, nein nicht? Dann begeben Sie sich in unsere beliebte Rubrik Lernen & Nachschlagen. Der Autor Robert L. Wolke Professor der Chemie aus Amerika erklärt wissenschaftlich fundiert, aber leicht verständlich mit einer Mütze voll Humor, wie die besonderen Fragen zu beantworten sind. «Die schmutzige Herkunft der Seife» Ich kann mir vorstellen, dass das heutige Seifenbasteln wesentlich farbenfroher und duftvoller verläuft, als die Herstellung wie vor zweitausend Jahren. Auch die gruseligen Materialien dürften sich verändert haben. Trotzdem klingt es immer noch unappetitlich und dass wir davon sauber werden ist ein Kunst! Ob die Grillen die besseren Wetterfrösche sind testen Sie mit der richtigen Übersetzungsformel. Zählen Sie einfach das Zirpen der Grillen und haben «voilà», die exakte Temperatur errechnet, dort wo Sie gerade stehen. Unter dem Titel: «Wetten, dass…? In meinem Rezept steht, man soll zwei Tassen Zucker in einer Tasse Wasser auflösen. Das ist doch bestimmt ein Druckfehler, oder?» Mit Ansätzen wie «Probieren Sie es selbst» oder einem «Wettansatz für Kneipengänger», werden Sie selbst zum Professor der Chemie. Lassen Sie sich inspirieren mehr über unsere alltäglichen Begebenheiten zu erfahren.

WARUM FALLEN KATZEN IMMER AUF DIE FÜSSE? dürfte unsere jüngeren Leser interessieren. Wer eine Katze hat kann ja mal ausprobieren (hey das kommt nicht von mir, das steht hier auf den Seiten! – Haha, und ebenso steht auch dort in Klammern: ‘Tierschützer bitte den folgenden Satz überspringen!’) gut also das Phänomen bleibt – man sagt auch, dass das Konfibrot immer mit der schmackhaften Seite auf den Boden fällt. Wie beides physikalisch funktioniert und ‚warum Kleber kleben‘ oder ‚warum isst man die Süssspeise nach dem Hauptgericht‘, ausserdem ‚warum ist die Banane krumm?‘ Und ‚warum werden aufgetaute Früchte matschig‘ oder ‚vom Träumen und Sterben und anderen Endlichkeiten‘. Und zu guter Letzt – falls du kürzlich mal beobachtet hast, ‚warum ist der aufgehende Mond so riesig?‘ – ja, das interessiert mich auch schon lange, also entschuldigt mich, das lese ich gleich mal nach. Viel Spass auf eurer eigenen Entdeckungsreise!

 

27. September 2018

Ich bin das Nachtgespenst…

von Gabriel Weber

Da wir gerade beim Thema „Klassische Französische Kriminalliteratur“ sind (Blog vom 25. September 2018): Ebenfalls bei buchplanet.ch erhältlich (und ebenfalls in der Sprache Molières gehalten) ist ein Sammelband von Maurice Leblanc mit Geschichten rund um den eleganten Meisterdieb Arsène Lupin (intelligent, gebildet, gut erzogen, charmant, mehr Künstler als Krimineller).

Besonders interessant finde ich den Roman La Comtesse de Cagliostro. Arsène Lupin (oder Raoul d’Andrésy, wie er sich auch nennt), Sohn einer Adligen und eines bürgerlichen Gymnastik-Lehrers, ist 1894 ein junger Mann von 20 Jahren, noch ganz am Anfang seiner Karriere als Gentleman-Nachtgespenst. Er macht Clarisse d’Etigues den Hof, doch zunächst tritt eine andere Frau in sein Leben – Josephine Balsamo, angeblich Tochter des legendären Grafen Cagliostro (Blog vom 7. August 2018) und von Josephine de Beauharnais, der späteren Gattin Napoleons. Ob das wohl stimmt? Und ob die Dame tatsächlich 1788 zur Welt gekommen ist, wie behauptet wird, obwohl sie immer noch sehr jung aussieht? Ist die Gräfin Cagliostro eine Spionin, eine Mörderin oder möglicherweise beides? Jedenfalls ist sie auf der Suche nach einem siebenarmigen Leuchter, welcher der Schlüssel zu einem sagenhaften Schatz sein soll. Hochinteressant, findet Lupin, sogar fast noch interessanter als diese Frau! Deshalb rettet er die seltsame Gräfin, als sie getötet werden soll. Doch ausser Lupin und Josephine sind auch noch andere Leute auf der Suche nach dem fortune des rois de France.

Der Dritte im Bunde der französischen Krimiautoren von anno dazumal ist Gaston Leroux, vertreten durch einen Sammelband mit Geschichten (natürlich auch in der Originalsprache) rund um seinen Detektiv Joseph Rouletabille (Blog vom 2. April 2015).

25. September 2018

Meine Tante wohnt im Russischen Reich…

von Gabriel Weber

Erinnern Sie sich noch an Fantomas, den französischen Groschenroman-Verbrecherkönig aus der Belle Époque (Blog vom 27. September 2016)? Für Interessierte hat buchplanet.ch jetzt einen Sammelband mit vier Romanen (den Nummern 29 bis 32 der Serie) von Marcel Allain und Pierre Souvestre im Angebot – allerdings wohlgemerkt im Original, in der Sprache Molières!

In La cravate de chanvre (wörtlich Die Hanfkrawatte, also der Galgen) treibt Fantomas sein Unwesen in Russland. Gleich zu Beginn ermordet er Boris Pokroff, den Chef der kaiserlichen Geheimpolizei, und kremiert ihn in seinem eigenen Ofen. Dann nimmt er, ein Meister der Verkleidung, Pokroffs Platz ein. Doch wo Fantomas ist, da sind seine beiden ewigen Widersacher nicht weit: Kommissar Juve von der französischen Kriminalpolizei und der Journalist Jérôme Fandor von der Zeitung La Capitale sind ihrer Nemesis auf den Fersen. Und sogar Seine Majestät Zar Nikolaus II. höchstpersönlich tritt auf! Aber natürlich kommt es so, wie es kommen muss – am Ende steht der gute Juve in St. Petersburg am Bahnhof und sieht zähneknirschend dem Zug nach, mit dem Fantomas verduftet. In La Fin de Fantomas folgt schliesslich das ganz grosse Finale: Als der Luxusdampfer Gigantic mit einem Eisberg zusammenstösst und sinkt (kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor, geschätztes Publikum? Das Buch erschien erstmals 1913!) gehen Fantomas und Juve gemeinsam zugrunde. Im letzten Moment teilt der Oberschurke dem Polizisten noch im Vertrauen mit, er sei – nein, nicht sein Vater! Aber sein Zwillingsbruder… Dann versinken die Beiden im Ozean.

Doch keine Sorge, die Todesfälle von Juve und Fantomas sind ebenso vorübergehend wie jener von Sherlock Holmes.