Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen
15. Februar 2018

Der Gustav, der Walter und der Franz

von Gabriel Weber

Es gibt wieder einmal ein „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Fräulein Schindler (ich weiss, das ist politisch unkorrekt, aber damals sagte man es eben so). Dieses Fräulein Schindler erblickt am 31. August 1879 in Wien das Licht der Welt. Ihr Vater ist ein bekannter und erfolgreicher Kunstmaler, der stirbt, als seine Tochter 13 Jahre alt ist. Der spätere Stiefvater ist ebenfalls Maler. 1902 heiratet Fräulein Schindler den Direktor der K. K. Hofoper, der heutigen Wiener Staatsoper. Mit ihm führt sie eine turbulente Ehe – und bringt nebenbei zwei Kinder zur Welt. Mit 32 Jahren ist die geborene Schindler zum ersten Mal Witwe, eine prominente Witwe, die „Witwe eines grossen Mannes“; eine Rolle ganz nach ihrem Geschmack. Trotzdem dauert es nicht lange, bis ein neuer Mann in ihr Leben tritt, ein höchst umstrittener Maler. Was folgt, ist eine leidenschaftliche, geradezu filmreife Affäre. Als nächstes kommt ein berühmter Architekt. Die Witwe heiratet ihn 1915 in Berlin, während er Sonderurlaub hat; anschliessend muss er wieder zurück an die Front. Die Ehe hält nicht besonders lange. Schon bald beginnt Madame eine Affäre mit einem Mann, der, nach der Scheidung vom zweiten, 1929 ihr dritter und letzter Gatte wird. Dieses Mal ist es ein Schriftsteller. Sie begleitet ihn, als er während des Zweiten Weltkriegs nach Amerika emigriert. Am 11. Dezember 1964 stirbt die Schindler, seit 1945 erneut verwitwet, in New York.

Im letzten Abschnitt ihres Lebens hiess das einstige Fräulein Schindler Alma Mahler-Werfel. Gustav Mahler, Walter Gropius, Franz Werfel, Oskar Kokoschka, Bruno Walter, Hans Pfitzner, Arnold Schönberg, Gustav Klimt, Gerhart Hauptmann, Alban Berg – die Liste der Künstler, die Alma über den Weg liefen, ist fast endlos. Doch sie war nicht nur die ewige Gattin, Geliebte und Witwe, sondern ausserdem auch eine starke, vielseitig begabte Frau. Jetzt bei buchplanet.ch: Alma von Berndt W. Weissling und Alma Mahler oder die Kunst, geliebt zu werden von Françoise Giroud.

13. Februar 2018

Nur nicht aus Liebe weinen

von Gabriel Weber

Ich kann Teenager-Romane nicht ausstehen. Nicht nur, weil ich inzwischen ein bisschen zu alt dafür bin. Aber man sollte für alles offen sein und manchmal sind solche Schmalz-Ergüsse (absichtlich oder unabsichtlich) doch ganz ulkig. Zum Beispiel Flames ’n‘ Roses von Kiersten White.

Evelyn, genannt Evie, ist ein ganz normales Mädchen. Mit drei kleinen Ausnahmen. Erstens: Ihre beste Freundin ist eine Meerjungfrau; zweitens: ihr Exfreund, der ihr immer noch sehr an ihr hängt, ist eine männliche Fee; und drittens: sie arbeitet schon seit Jahren für die IBKP, die Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler.  Das heisst, sie lebt in der streng geheimen IBKP-Zentrale und reist in der Welt herum, um Vampire, Werwölfe, Zombies und ähnliches Gelichter unschädlich zu machen. Jawohl, die gibt es nämlich wirklich! Dass die meisten Menschen das nicht wissen, liegt daran, dass diese Wesen sich normalerweise tarnen, um nicht aufzufallen. Evie hat jedoch die besondere Fähigkeit, jede solche Tarnung zu durchschauen, dadurch ist sie zu ihrem Beruf gekommen. So etwas wie ein „normales“ Leben hat sie nicht, ihr gesamtes Wissen in dieser Richtung bezieht sie aus Fernsehserien. Jetzt lernt Evie endlich einen Gleichaltrigen kennen, einen Burschen namens Lend. Und wie nicht anders zu erwarten, hat auch dieser eine ausgesprochen paranormale Eigenschaft – er kann jede beliebige Gestalt annehmen. Bald geht alles drunter und drüber. Evie ist zum ersten Mal verliebt (immerhin kann Lend so attraktiv und sexy aussehen, wie er will. Praktisch, was? Aber im Original gefällt er Evie am besten), doch die Hormon-Krise ist momentan ihr kleinstes Problem. Schlimmer ist, dass die IBKP angegriffen wird und Evie plötzlich so ziemlich alles hinterfragen muss, was sie je über sich selbst zu wissen glaubte.

Der Zusammenstoss der ach so „normalen“ Realität mit dem Übernatürlichen – ein fast unerschöpfliches Thema, das mich immer wieder fasziniert (und zwar viel mehr als die romantische Schnulze!).

8. Februar 2018

Die anderen Sherlocks

von Gabriel Weber

Haben Sie gedacht, Sherlock Holmes sei der einzige Krimi-Detektiv im viktorianischen London? Weit gefehlt! Einige seiner weniger bekannten Kollegen kann man bei buchplanet.ch kennen lernen.

Da gibt es zum Beispiel einen gewissen Doktor John Thorndyke. Dieser, der Feder von Richard Austin Freeman (1862-1943) entstammend, scheint in der Tat ein Verwandter jenes Meisterdetektivs aus der Baker Street zu sein. Ein alter Junggeselle, der ein beneidenswertes Talent für logische Schlussfolgerungen besitzt, sich mit chemischen Experimenten auskennt – und stets einen etwas depperten Mitarbeiter bei sich hat, dem er alles erklären muss. Der Detektiv Max Carrados, kreiert von Ernest Bramah (1869-1942), ist blind. Die Geschichte Der rätselhafte Tod in der Stadtbahn, verfasst von der ungarischen Baronin Emmuska Orczy (1865-1947), ist recht ungewöhnlich: Ein namenloser alter Mann sitzt in einer Teestube und erzählt einer ihm völlig unbekannten jungen Dame namens Polly den ganzen Fall mitsamt der Lösung, setzt dann den Hut auf und geht, die Dame namens Polly verblüfft zurücklassend. Mehr eine Grusel- als eine Kriminalgeschichte im eigentlichen Sinn ist Das Geisterpferd von William Hope Hodgson (1877-1918). Eine alte Familien-Legende scheint sich plötzlich zu bewahrheiten, als eine junge Dame sich von einem unsichtbaren Pferd verfolgt fühlt…

Sir Hugh Greene hat in Die Rivalen des Sherlock Holmes viktorianische Detektivgeschichten gesammelt.

6. Februar 2018

Wissen Sie es?

von Gabriel Weber

Sind Sie möglicherweise ein Superhirn und wissen es gar nicht? Mit dem Buch Genierätsel von Abbie Salny und Marvin Grosswirth können Sie das leicht feststellen.

Das Buch enthält Rätsel und Quizfragen aus der Werkstatt von Mensa, einem Verein von Leuten mit besonders hoher Intelligenz. Einige Kostproben gefällig? „Unter welchem Namen ist François Marie Arouet besser bekannt?“ (Voltaire), „Was misst ein Dolorimeter?“ (Schmerzen), „Wenn Sie im Restaurant ein Gericht bestellen, das ‚Florentiner‘ im Namen hat, welche Zutat können Sie darin erwarten?“ (Spinat). Es gibt jedoch nicht nur reine Wissensfragen, sondern auch mathematische Knobeleien: „Welche Zahl der folgenden Reihe hat am wenigsten mit den anderen gemeinsam? 1, 3, 5, 7, 11, 13, 15“ (15 ist keine Primzahl), Logikrätsel: „Vier Paare gehen zusammen ins Kino. In jeder Reihe sind acht Plätze. Betty und Jim wollen nicht neben Alice und Tom sitzen, Alice und Tom nicht neben Gertrude und Bill, Sally und Bob nicht neben Betty und Jim. Wie können sich die Paare arrangieren?“ (Alice, Tom, Sally, Bob, Gertrude, Bill, Betty, Jim bzw. umgekehrt) und, nicht zu vergessen, auch Scherzfragen: „Was war am 6. Dezember 1854?“ (Samichlaus).

Keine Sorge: Hinten im Buch stehen die Lösungen. Und man kann (ganz besonders wohltuend!) auch nachlesen, wie viele Mensa-Mitglieder die jeweilige Frage nicht richtig beantworten konnten.

1. Februar 2018

Die Macht der Sprache

von Gabriel Weber

Moby Dick (Blog vom 30. Januar 2018) spielt auch in einem Jugendbuch von Michael Gerard Bauer eine wichtige Rolle. Das sieht man schon am Titel: Nennt mich nicht Ismael!

Der vierzehnjährige Ismael Leseur leidet unter seinem Namen. Seine Eltern sind grosse Fans von Herman Melville und seinem berühmten Roman Moby Dick, deshalb haben sie ihren Sohn Ismael genannt – ausgerechnet! Ständig wird Ismael in der Schule wegen seines Namens gehänselt, besonders der Klassentyrann Barry Bagsley hat ihn zu seinem Lieblingsopfer erkoren. Ismael duckt sich, zieht den Kopf ein und versucht, den Terror zu ertragen – bis eines Tages ein Neuling in die Klasse kommt: James Scobie. Dieser kuriose Kauz setzt Barry und seine Clique im Handumdrehen schachmatt. Nicht durch Gewalt, sondern durch sprachliche Gewandheit und die Tatsache, dass er (nach eigener Aussage) gar keine Angst empfinden kann, selbst wenn er wollte. Ismael ist sehr beeindruckt. Allerdings fällt ihm das Herz in die Hose, als Scobie an der Schule einen Debattierklub gründet und ausgerechnet ihn, Ismael Leseur, unbedingt mit ins Boot holen will. Vor einem Publikum zu sprechen ist nämlich so ziemlich das Schlimmste, was es für den armen Ismael gibt. Aber wenn er beim Debattieren nicht mitgemacht hätte, dann wäre er Kelly Faulkner nicht begegnet und das wäre doch wirklich schade…

In diesem Buch kann man viel über die Kraft der Sprache lernen und darüber, wie man damit rohe Gewalt besiegen kann. Ein weiterer interessanter Punkt ist das Geheimnis von James Scobies Furchtlosigkeit. Ach, übrigens: Ismael ist eigentlich ein sehr hübscher Name, finde ich.

30. Januar 2018

Das ist die Liebe der Matrooosen…

von Gabriel Weber

Nennt mich Ismael“ ist wahrscheinlich einer der berühmtesten Anfangssätze der Weltliteratur. Er stammt aus Herman Melvilles Klassiker Moby Dick.

Ismael ist Matrose, und zwar Matrose auf der „Pequod„, einem Walfangschiff unter dem Kommando von Kapitän Ahab. Ein seltsamer Mensch, dieser Ahab. Als die „Pequod“ in See sticht – es dauert einige Kapitel, bis es soweit ist – , lässt er sich erst einmal tagelang nicht auf Deck blicken. Dann taucht er auf und erklärt der Mannschaft, er jage nicht irgendeinen Wal, sondern einen ganz bestimmten. Einen weissen Wal mit gefurchter Stirn und dreifach durchlöcherter Steuerbordflosse: Moby Dick. Den jagt Kapitän Ahab nicht aus kommerziellen, sondern in erster Linie aus persönlichen Gründen, und das schon lange; ein Bein hat er dabei bereits eingebüsst. Moby Dick hat nämlich gar keine Lust, sich erlegen zu lassen (vernünftiges Tier!), und er weiss sich zu wehren. Doch das stört den Kapitän nicht, im Gegenteil. Das Schiff ist also unterwegs. Es dauert recht lange, bis man den gesuchten Wal endlich sichtet (in der Zwischenzeit erfährt das Publikum viele mehr oder weniger interessante Dinge über Wale); Ahab stösst seinen zum bekannten Zitat gewordenen Ruf aus: „Dort bläst er!„, greift zur Harpune und ist kaum noch zu bremsen. Dann beginnt die wilde, verwegene Jagd.

Der Legende nach, so berichtet Ismael, ist Moby Dick weit mehr als einfach nur ein gewöhnlicher Wal. Man sagt, er sei unsterblich und allgegenwärtig… Der uralte Kampf des Menschen gegen die Natur, eine epische Schlacht. Und das Ende? Kaufen Sie das Buch (buchplanet.ch) und lesen Sie selbst.

25. Januar 2018

Friede auf Erden

von Gabriel Weber

Eines der (in mehrfacher Hinsicht) imposantesten Bücher, die ich in meiner Buchplanet-Karriere je auf dem Schreibtisch hatte, ist Pax Mundi. Livre d’or de la paix.

Das Buch, 1932 von der Ligue Mondiale pour la Paix herausgegeben, enthält Faksimiles von handschriftlichen Botschaften zum Thema Frieden, und zwar von den prominentesten Leuten jener Zeit. Unter den Beiträgen für Deutschland findet man Albert Einstein und Thomas Mann, aber auch den Luftfahrt-Pionier Hugo Eckener und den Präsidenten des Reichstags, Paul Löbe. Für Frankreich haben sich u. a. Paul Doumer, der Präsident der Republik, ferner Aristide Briand und Marschall Philippe Pétain eingetragen. Die Delegation von Grossbritannien umfasst beispielsweise Ramsay MacDonald, Premierminister Seiner Majestät, und „Ober-Pfadfinder“ Robert Baden-Powell. Gekrönte Häupter wie König Carol von Rumänien und König Alfonso von Spanien, ja sogar der König des Irak und der Kaiser von Annam, dem heutigen Vietnam, haben ihre Unterschriften in das Goldene Buch gesetzt. Ebenso Geistesgrössen wie Marie Curie (Frankreich, eine der wenigen Frauen), Rabindranath Tagore (Indien), George Bernard Shaw (Irland), H. G. Wells (Grossbritannien) und Maurice Maeterlinck (Belgien). Autofabrikant André Citroën (Frankreich) fehlt ebenso wenig wie Opernsänger Fjodor Schaljapin („Weisses Russland“, also nicht die Sowjetunion). Der Maharadscha von Kapurthala (Indien) bringt es kurz und bündig auf den Punkt: „Je déteste la guerre et j’aime la paix.“ Vizepräsident Charles Curtis und Franklin Roosevelt, damals noch Gouverneur von New York, gehören zu den Leuten, die Amerika repräsentieren. Die Schweiz ist u. a. durch die Bundesräte Giuseppe Motta, Jean-Marie Musy und Edmund Schulthess vertreten. Minister, Diplomaten, Bischöfe, ja selbst Generäle melden sich zu Wort. Die Lektüre ist nicht nur deswegen interessant, weil einige dieser Herrschaften beim Gedanken an den Frieden geradezu poetisch wurden, sondern auch wegen der verschiedenen Handschriften.

Rund 4 Kilo wiegt dieses Buch. Schön, wenn dem Frieden ein solches Gewicht beigemessen wird! Aber wie viel da wohl auch geheuchelt wurde…

23. Januar 2018

Da gab’s einen Maurer aus Flims…

von Gabriel Weber

César Keiser war einer der am längsten aktiven Kabarettisten der Schweiz. Zusammen mit Margrit Läubli, seiner Partnerin (sowohl auf der Bühne als auch im Leben), war er jahrzehntelang ein scharfsinniger Beobachter der kleineren und grösseren Katastrophen des Alltags.

Unvergesslich ist der arme Herr Kunz aus Bünzen bei Boswil, der bei der Telefongesellschaft anruft, dann von Pontius zu Pilatus weiterverbunden wird und irgendwann (nachdem er sein Anliegen immer wieder vorgetragen hat) selber nicht mehr so genau weiss, wie er heisst und was er will. Der Mann, der eine Rede übt und gleichzeitig mit seinem (seidenen!) Schlips kämpft. Der gewissenhafte Vater, der seinen Sohn über die Sexualität aufklären will und dieses Gespräch sorgfältig einstudiert. Wenn die ganze Geschichte mit den Bienen und den Blüten nur nicht so kompliziert wäre… Am bekanntesten sind aber zweifellos Keisers Limericks. Mein persönlicher Favorit: Da vermisste ein Herr in La Spezia / Eines Tags seine Gattin Lukrezia / Plötzlich sah er sie wandern / Am Arm eines Andern / Und schrie ganz erfreut: Seht, da geht sie ja!

Für Fans hat buchplanet.ch jetzt Das Grosse César Keiser Cabaret Buch im Angebot. Leider ist César (oder Cés) inzwischen längst dahingeschieden und hat auf dem Friedhof Enzenbühl in Zürich seine letzte Ruhestätte gefunden.

18. Januar 2018

Der magnetische Doktor

von Gabriel Weber

Das erste „wahre Märchen“ des neuen Jahres:

Es war einmal ein Mann, der 1734 in Iznang zur Welt kommt (das liegt in der Gegend von Radolfzell, nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt). Der Sohn eines fürstbischöflich-konstänzischen Jagdaufsehers studiert in Ingolstadt und Wien zunächst Theologie, dann Medizin und promoviert 1766. Im Stephansdom heiratet der süddeutsche Arzt am 10. Januar 1768 Anna Maria von Bosch, eine der reichsten Frauen Wiens. Einige Jahre lang arbeitet er als gewöhnlicher Schulmediziner, dann jedoch entwickelt er eine eigene medizinische Theorie, den „animalischen Magnetismus“. Genau zu explizieren, was das ist, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen; es hat jedenfalls etwas mit Magneten, Elektrizität und Wasser zu tun. Die Fachwelt mit ihren Aderlässen und ähnlichen Methoden ist zwar entsetzt, aber die Patienten strömen in Scharen herbei. Der Entdecker dieses „Universalheilmittels“ kann einige aufsehenerregende Erfolge verbuchen (was sein Selbstbewusstsein beträchtlich ankurbelt). Doch die Feindschaft der Herren Kollegen ist zu gross, deshalb zieht der Doktor 1778 nach Paris. Sein Erfolg ist sensationell, die ganze vornehme Gesellschaft geht bei ihm ein und aus (man bietet ihm sogar Geld dafür, dass er nicht wegzieht), die ersehnte Anerkennung der Ärzteschaft hingegen erreicht er auch dort nicht. Zur Zeit der Französischen Revolution ist der Doktor wieder in Wien, wird vorübergehend verhaftet (er betätigt sich nämlich auch politisch) und kehrt, aus Österreich ausgewiesen, in die Bodenseeregion zurück. Eine Weile lebt er in Wagenhausen bei Stein am Rhein, zeitweise auch in Frauenfeld, zuletzt in Meersburg, wo er am 5. März 1815 stirbt.

Er machte Furore und wurde zur Legende: Franz Anton Mesmer. Ganz Europa sprach seinerzeit von ihm. Der Spiritismus wurde ebenso von ihm beeinflusst wie die Psychoanalyse und die Hypnose. Übrigens war Mesmer auch sehr musikalisch, spielte mehrere Instrumente und zählte, besonders in Wien, zahlreiche Künstler zu seinem Freundeskreis. Ernst Florey verfolgt in Ars Magnetica den Werdegang des „Magiers vom Bodensee“.

16. Januar 2018

Mädchen, anständig, sucht…

von Gabriel Weber

Die gesammelten Ausgaben des Schweizerischen Katholischen Sonntagsblattes aus dem Jahr 1892 sind eine kulturhistorisch hochinteressante Lektüre.

Besonders spannend sind die Inserate beziehungsweise die Annoncen. Oft ist da von Hausangestellten die Rede. „Rechtschaffene Eltern“ sind dabei sehr wichtig (uneheliche Kinder sind also nicht erwünscht), auch auf das Wort „katholisch“ wird grosser Wert gelegt (als ob damals ein Nicht-Katholik dieses Blatt gelesen hätte). Zukünftige Dienstmädchen sollten „treu„, „brav“ und „willig“ sein. Manche Inserate entbehren aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Komik, etwa wenn ausdrücklich „Gute Behandlung wird zugesichert“ steht oder wenn die Stellensuchende betont, es werde „mehr auf gute Behandlung als auf grossen Lohn gesehen„. Am besten gefällt mir das „Mädchen mit schöner häusl. Einrichtung„, das eine „Stelle bei einem H. Geistlichen“ sucht. Erschütternd ist hingegen die Frage, wer einer „armen Wittwe eines ihrer 4 braven Kinder abnehmen“ würde. Das Ganze verläuft übrigens äusserst diskret; meistens wird für nähere Informationen auf die Expedition des Blattes (Firma L. Gegenbauer in Wil) verwiesen. Nur ganz selten werden Namen genannt.

Doch nicht nur die Stellenanzeigen sind lesenswert. Am 27. Februar wollte jemand eine „ca. 50 Kilo schwere, ältere Glocke zu Verwendung für eine überseeische Missionsstation“ erwerben. „Der ächte Eisencognac Golliez“ wird immer wieder als „das anerkannt beste Eisenpräparat“ angepriesen.