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14. August 2018

Kleine graue Zellen

von Gabriel Weber

Mein Lieblingsdetektiv Hercule Poirot (ordnungsliebender Belgier mit makellosem Schnurrbart und gesundem Selbstbewusstsein, erdacht von Dame Agatha Christie) ist zurück! Sophie Hannah hat ihn in ihrem Kriminalroman Die Monogramm-Morde wiederaufleben lassen.

Hercule Poirot sitzt eines Abends gemütlich in einem Café und macht dort die Bekanntschaft einer verängstigten Dame namens Jennie. Jennie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie erstens demnächst ermordet werden wird und dass es ihr zweitens ganz recht geschieht. Begreiflicherweise wundert Poirot sich ein wenig. Umso alarmierter ist er, als sein Freund, der Polizist Edward Catchpool, ihm von dem geheimnisvollen Dreifachmord im Hotel Bloxham erzählt. Zwei Frauen und ein Mann starben dort beinahe gleichzeitig an Gift, wurden geradezu hingerichtet – und im Mund jeder Leiche befand sich ein goldener Manschettenknopf mit dem eingravierten Monogramm PIJ. Hercule bringt seine berühmten kleinen grauen Zellen in Schwung und seinen „Watson“ Catchpool durch seine pedantische Genauigkeit beinahe zur Verzweiflung. Bald stellt sich heraus, dass zwischen den drei Mordopfern durchaus eine Verbindung besteht. Sie stammten nämlich alle aus dem gleichen Dorf und haben sich offenbar gut gekannt. Ausserdem ist Poirot felsenfest davon überzeugt, dass sein Jennie-Erlebnis irgendwie mit diesem Fall zusammenhängt. Wird sie vielleicht schon bald das vierte Opfer des geheimnisvollen Giftmörders? Eigentlich wäre es ja nur allzu logisch, wenn eine gerade Anzahl Manschettenknöpfe im Verkehr wäre…

Eine der zentralen Fragen im Fall Bloxham: Warum haben die drei zukünftigen Mordopfer (immerhin Engländer!) im Hotel Five o‘ clock Tea aufs Zimmer bestellt – zu einem Zeitpunkt, als eigentlich ein Dinner fällig gewesen wäre? Das ist doch höchst seltsam!

13. August 2018

Haben Farben Macht?

von Julia S.

Farben erzeugen Stimmungen, erwecken Sympathien, manipulieren Eindrücke und beeinflussen Entscheidungen. Das Buch von Harald Braem DIE MACHT DER FARBEN soll den Umgang mit Farben schärfen und bewusster machen. Wenn Sie Farbpsychologie ablehnen, können Sie sich dieser doch nicht entziehen. Und im Kaleidoskop der Farben, erfahren Sie, ob man Farben schmecken kann und ob es möglich ist, das Blinde Farben erfühlen können.

Was wir auch tun, die geheime Macht der Farben ist ständig um uns, wenn wir Einkaufen uns für ein Kleid entscheiden, ein Auto kaufen, zur schnellen Orientierung im Strassenverkehr, in der Werbung und gerade dann, wenn wir am wenigsten darauf bedacht sind.  Natürlich spielt das subjektive Empfinden eine wichtige Rolle. Ebenso der persönliche Geschmack, der Reiz und die Ablehnung und bewusstes Abgrenzen davon, individuelle Note und Mode. Aber wenn wir meinen, das wäre schon alles, verwechseln wir Ursache und Wirkung. Nach allem was man darüber weiss, ist Rot tatsächlich die älteste Farbe der Menschheit. «Rot wie Blut» bezeichnet der Volksmund. Und Goethe lässt Mephisto den Dr. Faust mit Blut unterschreiben: «Blut ist ein ganz besonderer Saft…» Wir wissen das, Wir sind zivilisiert, wir können kein Blut sehen, die einen fallen schon fast in Ohnmacht, wenn sie beim Blutabnehmen einen Tropfen davon sehen. Das macht die «Kulturschranke». Blut vergiesst man nicht.  Rot steht für die Erfahrungen mit den Urerlebnissen Blut, Feuer und Liebe. Orange ist eine aufregende lebensfrohe Farbe, in der etwas aufreizend Neues entstehen könnte. Sie wirkt mitteilsam und berstend voll Aktivität. Wer sie vertragen kann, findet in Orange einen Charakter, der offen und großzügig, intim, direkt, vereinnahmend und überschwänglich ist. Deshalb steht Orange im verstärkten Masse für Kommunikation, Wärme und herzliche Sinnlichkeit. Schon seit dem frühen Altertum taucht Silber stets als Schwester des Goldes auf und wird mit ihm in einem Atemzug genannt. Was Silber mit Gold verbindet, ist seine Tendenz zu glänzen, also aufmerksamkeitsstark hervorzutreten. Doch ist Silber nicht wie Gold so deutlich auf übergreifende Wärme, Herzlichkeit und den Wunsch zu gefallen ausgerichtet Silber ist wesentlich kühler, introvertierter und rationaler.

Ich habe selbst miterlebt, dass Lieblingsfarben sich im Laufe des Lebens ändern können, als Mädchen war vieles Rosa, auch weil man Geschenke in dieser Farbe erhalten hat, obwohl offensichtlich war, dass ich kein Junge bin. Über die Zeit waren es Grün- und Brauntöne – der klassische Herbsttyp. Lange Jahre hielten sich konstant Rot, Gelb, Orange und Grün. Vor einigen Monaten befiel mich wieder das Rosa – das ich sehr geheimnisvoll empfand. Nun flippe ich wieder gewohnt mit Orange aus, mutig und aufregend!

Von welchen Farben werden Sie gerade befallen?

9. August 2018

Scheiden tut weh

von Gabriel Weber

Der Titel dieses Romans von Hera Lind ist sozusagen Programm: Das Superweib.

Franziska sitzt mit zwei kleinen Kindern brav zuhause, während der Herr Gemahl, Regisseur von Beruf, in der Karibik weilt und Fernsehserien dreht. So kann das doch nicht weitergehen! Deshalb reicht Franziska kurzerhand die Scheidung ein und setzt sich hin, um für ihren Anwalt die Geschichte ihrer missglückten Ehe aufzuschreiben. Mehr oder weniger durch Zufall gerät das Manuskript in die Hände eines Verlages – und wird, zum Roman mit dem Titel „Ehelos glücklich“ umgearbeitet, ein riesiger Erfolg! Allerdings benutzt die Verfasserin nicht ihren eigentlichen Namen Franziska Herr (ja, Herr wie Dame), sondern das Pseudonym Franka Zis. Mit dem Rechtsanwalt Dr. Enno Winkel (welch passender Name für einen Advokaten, haha!) tritt natürlich auch prompt ein interessanter neuer Mann in das Leben der frischgebackenen Bestseller-Autorin. Hach, so ein netter, gutmütiger, attraktiver, tüchtiger, wohlhabender Mann! Ein Muttersöhnchen zwar, aber mit einer Mutter gesegnet, neben der jedes Bilderbuch-Grosi vor Neid erblassen würde! Ferner gibt es da auch noch den Lektor von Franziskas Verlag, der auch gar nicht übel ist – also der Lektor, nicht der Verlag… Doch dann steht ganz plötzlich ihr zukünftiger Ex-Mann Wilhelm Grosskötter (wie kann man nur so heissen!) vor der Tür. Er hat ein neues Projekt für seine Regie-Tätigkeit. Und zwar will er einen Roman verfilmen, diesen erfolgreichen neuen Roman von Franka Zis, „Ehelos glücklich“. Das Drehbuch für den Film will Wilhelm mit der Autorin zusammen schreiben. Wer das ist, weiss er (noch) nicht.

Auch wenn die Geschichte hin und wieder bedenklich in Groschenroman-Nähe absackt (besonders, was Franziskas komplizierte Beziehungen zum männlichen Geschlecht und dessen diversen Vertretern betrifft), so ist der Roman doch sehr unterhaltsam. Die Erzählerin hat nämlich einen ausgesprochen schrägen Humor, garniert mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Und die beiden Knirpse Franz (4 Jahre) und Willi (2 Jahre) sind einfach unschlagbar!

8. August 2018

Warum Ihr Kind Entspannung braucht

von Julia S.

Immer mehr Kinder leiden unter Anspannung und Stress. Sie sind nervös und haben oft Probleme in der Schule. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, mit den täglichen Anforderungen besser klar zu kommen. Der Trick bei diesen Übungen sind so unauffällig, dass kein anderer etwas davon mitbekommt.

Viele Kinder und Jugendliche sind häufig unkonzentriert, lustlos oder erschöpft. Ein hohes «Lebenstempo», Reizüberflutung, unsichere Familienbindungen, hoher Fernseh-/Videokonsum, Computerspiele, schulischer Leistungsdruck, Zeitmangel der Eltern – das sind nur einige Stichworte, die deutlich machen, welchen nervlichen Belastungen Kinder und Jugendliche heute ausgesetzt sind. Um die Verbindung zwischen der Psyche und dem Körper besser zu verstehen, ist eine Betrachtung unseres Nervensystems sinnvoll. Der Autor Dr. Dietmar Ohm, diplomierter Psychologe aus Lübeck, erklärt den Eltern mit seiner praktischen Anleitung wie sie die Tiefmuskelentspannung mit Ihrem Kind üben können. Lernen Sie das lokalisieren von positivem und negativem Stress (Eustress und Distress). Wie lange hält die Stressphase an und wo ist Stress normal. Das Zusammenspiel von inneren und äusseren Einflüssen bei Stress wird erklärt und mit kurzen Fallbeispielen ergänzt. ‘Ist Hyperaktivität immer eine Entwicklungsstörung?’ dürfte für viele Familien eine spannende Überschrift sein. Und für manche Eltern wird dieser Satz eine Erleichterung darstellen: ‘Aggressives Verhalten ist grundsätzlich zur Lebensbewältigung notwendig.’ Wenn Sie das von Ihrem Kind kennen, das bei Wut die Türen zuwirft, mit wörtlichen Sticheleien nicht geizt, sie anschreit, zynische Bemerkungen macht oder offen in der Gegend herumboxt. In diesem Buch bei uns im buchplanet.ch finden sie auch für sich selbst die viel beliebte Anwendung der Tiefmuskelentspannung der PROGRESSIVE RELAXATION FÜR KIDS.

Ich finde es unglaublich wichtig, auf sein Kind einzugehen, seine Einzigartigkeiten zu erkennen und zu fördern. Darauf zu achten, ob es sich in seinem Leben angenommen und wohl fühlt. Die Kindheit ist der Ursprung eines jeden Menschen, wie er später fühlt, denkt und handelt.

7. August 2018

Der 2. Juni 1743

von Gabriel Weber

Wieder ein „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann namens Giuseppe. Geboren wird er am 2. Juni 1743 in Palermo, doch über seine frühen Jahre weiss man nur wenig. 1768, soviel steht fest, taucht Giuseppe in Rom auf. Am 20. April dieses Jahres heiratet er dort Lorenza Feliciani. Das Ehepaar reist quer durch Europa; er betätigt sich als Betrüger und Fälscher, sie knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten. Während eines Aufenthaltes in London 1776/1777 kommt es zur Zäsur: Fortan ist Giuseppe ein Graf, der mit alchemistischen Experimenten und spiritistischen Séancen, als Wunderheiler und Wahrsager Aufsehen erregt. Er wird Freimaurer und gründet bald seine eigene Loge, die geradezu sektenähnliche Züge annimmt. Seitdem die Religion von der Aufklärung „entthront“ wurde, besteht in Europa nämlich eine grosse Nachfrage nach Esoterik, Okkultismus usw. Von den Einen abgöttisch verehrt, von den Anderen abgrundtief gehasst, so zieht Giuseppe mit seiner Frau durch die Lande (1787/1788 halten sie sich übrigens in der Schweiz auf) und feilt dabei immer weiter an der Kunstfigur, die er kreiert hat. Einen besonders publikumswirksamen Auftritt hat er vor Gericht während der Halsbandaffäre (siehe Blog vom 18. Juni 2018). Am 27. Dezember 1789 wird Giuseppe in Rom verhaftet. Nicht wegen seiner Betrügereien, sondern als Ketzer und Revolutionär verurteilt ihn die Inquisition zum Tode. Von Papst Pius VI. zu lebenslanger Haft begnadigt, verbringt der Sizilianer seine letzen Jahre im Gefängnis. Giuseppe stirbt am 26. August 1795 an einem Schlaganfall – doch sein Mythos lebt weiter.

Giuseppe Balsamo hiess er ursprünglich, doch einst kannte ihn ganz Europa als den Grafen Cagliostro. Thomas Freller untersucht in Cagliostro. Die dunkle Seite der Aufklärung die vielen Mythen, die es über diesen Mann gibt. Im deutschen Spielfilm Münchhausen (1943) tritt Cagliostro auf, dargestellt von Ferdinand Marian (vergleiche Blog vom 18. August 2016). Baron Münchhausen, dargestellt von Hans Albers, sagt über ihn: „Was sollten die Dummen ohne ihn anfangen? Er pumpt ihnen seine Fantasie, allerdings gegen Wucherzinsen.

26. Juli 2018

Lasset uns graben!

von Gabriel Weber

Die Familie Gruber macht ihrem Namen Ehre. Vater, Mutter, Tochter Fabienne und Sohn Henrik – alle graben neuerdings mit Leidenschaft Löcher im Garten. Warum? Tja – um das zu erfahren, muss man das Buch Hilfe! Ich will hier raus! von Salah Naoura lesen.

Eines schönen Tages steht Oma Cordula vor der Tür. Diese alte Dame, die je nach Situation geistig mehr oder weniger verwirrt ist, quartiert sich bei den Grubers ein und stellt das Leben ihrer sterbenslangweiligen Verwandtschaft gewaltig auf den Kopf. Unter Anderem behauptet sie, irgendwo im Garten seien Goldbarren versteckt. Die Grubers greifen zum Spaten und bald hat der Garten (den Frau Gruber wohlgemerkt bisher immer mit so viel Hingabe gepflegt hat) mehr Löcher als ein Emmentaler Käse. Nun gut, das ginge ja noch. Doch als die Nachbarn Wind von dem Gold bekommen, gerät die Sache ausser Kontrolle! Da der Kurpark direkt an den Gruberschen Garten angrenzt und der Schatz nach Oma Cordulas Aussage auch irgendwo dort vergraben sein könnte, bricht ein regelrechter Goldrausch aus. Die ganze Stadt schaufelt im Kurpark herum, die Strassen sind leer, das öffentliche Leben kommt beinahe zum Erliegen. Es wird gebuddelt, was das Zeug hält! (Goethe, Faust I: „Am Golde hängt, zum Golde drängt…„) Doch von den Goldbarren fehlt jede Spur…

Und Oma Cordula liegt unterdessen seelenruhig im Liegestuhl und schaut zu! Aber wer weiss, vielleicht bringt sie bei den Grubers endlich mal ein bisschen Leben in die Bude – unabhängig davon, ob der Schatz nun gefunden wird oder nicht (und ob es ihn überhaupt gibt).

24. Juli 2018

Miss Universum

von Gabriel Weber

Es gab eine Zeit, in der Menschen mit körperlichen Anomalien vor zahlendem Publikum zur Schau gestellt wurden wie Tiere im Zoo. Daran erinnert nicht nur Tod Browning in seinem Film Freaks (1932), sondern auch Margrit Schriber in ihrem Roman Die hässlichste Frau der Welt.

Rösli aus Morschach in der Zentralschweiz wollte eigentlich nach Amerika auswandern. Doch es kommt ganz anders. Das Mädchen strandet in der englischen Hafenstadt Southampton (während der Rest ihrer Gruppe davonsegelt) und läuft dort einem Herrn namens Theodore Fairchild Lent über den Weg. Lent ist Schausteller und hat gerade eine neue Errungenschaft aus Amerika mitgebracht: Julia Pastrana. Mit ihrem deformierten, haarigen Gesicht wird Julia dem Publikum als „Affenfrau“ und „Hässlichste Frau der Welt“ präsentiert und ist eine enorme Attraktion im Varieté. Doch nicht nur das Publikum, sondern auch die Wissenschaft interessiert sich brennend für Julia – schliesslich befindet man sich gerade in der Zeit von Darwins Evolutionstheorie, da sind Affen grosse Mode. Lent engagiert Rösli; ihre Aufgabe besteht darin, für das Publikum durch ihre Schönheit den Effekt von Julias Aussehen zu unterstreichen. Ausserdem wird „Rosie la Belle“, wie man sie nun nennt, sozusagen das Faktotum von Mr. Lent und die Zofe des Stars. So tut Rösli manche Einblicke ins Showbusiness. Am Anfang hat sie Angst vor Julia, doch dann erkennt sie den Menschen hinter dem „Monster“. Einen Menschen mit Gefühlen, Empfindungen – und einer Leidenschaft für Handarbeit.

Diese menschenverachtende Sensationsgier, diese makabere Schaulust… Da sieht man wieder einmal, das in der „guten alten Zeit“ eben doch nicht alles besser war!

19. Juli 2018

Marlenes Suppe

von Gabriel Weber

À propos Essen (Blog vom 17. Juli 2018): Interessant ist auch die Frage, was berühmte Leute vor ihrem Ableben gespeist haben.

Es gibt Leute, die ganz genau wissen, welche Mahlzeit ihre letzte sein wird. Marie Antoinette nimmt vor ihrer Enthauptung nur ein Mignonette-Brötchen und ein Tasse Schokolade zu sich. Aus Hühnchen mit Pommes Frites und Erbsen besteht die Henkersmahlzeit von Bruno Richard Hauptmann, ehe der angebliche Mörder des Lindbergh-Babys den Gang zum Elektrischen Stuhl antritt. Heinrich von Kleist isst eine heisse Bouillon, bevor er sich das Leben nimmt. Maria Stuart lässt sich Haferbrot und Wein servieren. Die berühmteste Henkersmahlzeit überhaupt besteht ebenfalls aus Brot und Wein: jene von Jesus. In anderen Fällen ist es eher Zufall. Am Abend vor der Katastrophe, die für ihn tödlich enden wird, geniesst John Jacob Astor auf der Titanic ein Menü mit sage und schreibe elf Gängen. Franklin D. Roosevelt verzehrt einige Löffel Haferschleim. Ein amerikanisches Frühstück ist das letzte, was John F. Kennedy konsumiert. Menelik II., Kaiser von Äthiopien, isst (kein Witz!) einige Seiten aus dem Alten Testament, bevor er dahinscheidet. Marlene Dietrich lässt sich noch einmal ihr Leibgericht zubereiten: Hühnersuppe.

Richard Fasten (welch passender Name!) hat in Das letzte Gericht diese Fakten zusammengetragen, inklusive Rezepte.

17. Juli 2018

Än Guätä!

von Gabriel Weber

Auguste Escoffier war zu seiner Zeit der berühmteste Koch der Welt. Sein Kochkunstführer (Guide Culinaire) war bis vor Kurzem bei buchplanet.ch erhältlich. Kaum hatte ich das Buch ins System eingespeist und mit dem Blog angefangen, schon wurde es bestellt.

Wissen Sie,  was ein Sauté de Veau aux Nouilles ist? Nein? Kalbsragout mit Nudeln (Seite 406). Und wissen Sie, was ein Soufflé aux Avelines ist? Was, auch nicht? Haselnuss-Auflauf (Seite 634). Aber dann ist Ihnen doch wenigstens die Potage d’Orge au Céleri ein Begriff? Na, Sie wissen aber auch gar nichts! Das ist Gerstensuppe mit Sellerie (Seite 149). Escoffiers Buch ist sehr gründlich: 82 weisse Saucen, 56 braune Saucen. 11 einfache Salate, 57 zusammengesetzte Salate. Selbstverständlich gibt es nicht nur Rezepte, sondern auch technische Erläuterungen, zum Beispiel folgende: Suppen werden in zwei Kategorien eingeteilt, nämlich klare und gebundene Suppen. Die gebundenen wiederum werden in fünf Arten eingeteilt. Ausserdem ist es in jedem Fall äusserst wichtig, dass die Suppe sehr heiss serviert wird. Neben der Kochkunst kann man hier zugleich auch die französische Sprache erlernen, die Gerichte haben nämlich (auch in der deutschen Version) alle klangvolle französische Namen.

Also, auf in die Küche! Arbeiten wir den ganzen Escoffier systematisch durch, von den Vorspeisen bis zu den Desserts. Guten Appetit!

12. Juli 2018

Nur für Fortgeschrittene!

von Gabriel Weber

Es gibt viele Bücher über das Schach (vergleiche Blog vom 13. April 2017), auch solche für Anfänger. Schachphilosophie von Josef Seifert hingegen ist definitiv nur etwas für Fortgeschrittene.

Es gibt viele interessante philosophische Knacknüsse beim Schach. Man stelle sich vor: In der Realität nur ein kariertes Brett (sozusagen das Brett, das die Welt bedeutet) und 32 komische kleine Figürchen – in der Fiktion des Spiels eine ganze Miniaturwelt. Der König als schwache und angreifbare Figur, die aber dennoch direkt oder indirekt das ganze Geschehen bestimmt. Die Dame als starke, dominante Figur, die meistens eine sehr zentrale Rolle spielt (ausgesprochen feministisch). Eine fast unendliche Vielfalt an Möglichkeiten. Regeln, die im Grunde völlig willkürlich sind, aber trotzdem von jedermann eingehalten werden (der Läufer zieht so, der Turm zieht so, der Bauer zieht so…). Daneben gibt es auch noch „inoffizielle“ Faustregeln (zum Beispiel: Möglichst früh das Zentrum besetzen), die nicht willkürlich, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Erfahrung sind. So geht es über 100 Seiten weiter: „Anwendung allgemeiner logischer, ontischer und mathematischer Wesensgesetze beim Schach“ (Du lieber Himmel!), „Empirische und apriorische Erkenntnis notwendiger Gesetze“ (Wie bitte?)… Ein eigenes Kapitel ist der Ethik des Schachspiels gewidmet (es gibt nämlich eine solche!), ein weiteres dem Schach in der Kunst. Ebenfalls betrachtet wird die Frage, ob der Computer je den menschlichen Schachspieler verdrängen wird. Ich persönlich glaube das nicht. Ausserdem macht das Schachspielen gegen Menschen viel mehr Spass, von den Erfolgschancen mal ganz zu schweigen.

Sind Sie noch da, geschätztes Publikum? Lassen Sie sich durch dieses ganze Gequassel ja nicht vom Schachspielen abhalten!