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8. Dezember 2016

Ich bin (k)ein Berliner!

von Gabriel Weber

Lange galt Frankreich als der „Erbfeind Deutschlands“. Aber in Berlin haben schon immer  – oder doch jedenfalls seit der Zeit der Hugenotten – relativ viele Franzosen gelebt und die örtliche Sprache, den berühmten Berliner Jargon (da fängt es schon an!), mitgeprägt.

Friedrich der Grosse, einer der berühmtesten Monarchen in der deutschen Geschichte, sprach besser und öfter französisch als deutsch. Dass der höchste preussische Militärorden Pour le Mérite hiess, ist kein Zufall, dann gibt es das Berliner Krankenhaus Charité, ferner die Schlösser Sanssouci und BellevueEenen uff de Lampe giessen kommt von lamper (übermässig trinken). Mutterseelenallein hat weder mit Müttern, noch mit Seelen etwas zu tun, sondern stammt von moi tout seul (ich ganz allein) ab. Der Gebrauch von Ick und Icke entspricht in etwa dem französischen Je und Moi. Das Portepee spielte im preussischen Militär eine wichtige Rolle. Noch heute wird in Berlin manchmal von einer Chose, einer Chaussee oder von einem Milieu (beziehungsweise einem Miljö) gesprochen. Dann gibt es auch noch den Effee (effet) und das Karree (carré). Man isst Buljong (bouillon), bis man davon de Neese pleng (plein) hat oder bis sie schlicht und einfach alle (allé) ist.

Interessierten sei Französisch im Berliner Jargon von Ewald Harndt empfohlen.

6. Dezember 2016

Glaub nicht alles, was du siehst!

von Gabriel Weber

Ob in der Zeitung, im Fernsehen oder im Internet: Bilder prägen die öffentliche Meinung. Von Willy Brandts Kniefall in Warschau bis zu Pippa Middletons Allerwertestem an der Hochzeit ihrer Schwester – Bilder, die um die Welt gingen. Dass solche Aufnahmen aber mit Vorsicht zu geniessen sind, dokumentiert das Buch Bilder, die lügen.

„Die Kamera lügt nicht“, sagt man. Deshalb gelten Fotos als absolut objektive Wiedergabe der Realität. Doch sind sie das wirklich? Schon lange vor der Computer-Ära erfreute sich das Retuschieren grosser Beliebtheit. Stalin liess Trotzki im grossen Stil aus Bildern entfernen und dafür sich selber in Lenins Nähe zeigen. Hitler liess sich fotografisch in drei Phasen inszenieren, nämlich so, wie er jeweils gesehen werden wollte: vom rührigen Parteiführer im Braunhemd (vor 1933) über den seriösen Staatsmann im feinen Anzug (1933-1939) bis zum Feldherrn in Uniform (ab 1939). Das berühmte Foto, wie russische Soldaten 1945 auf dem Reichstag in Berlin die rote Fahne hissen, mag zwar ganz spontan aussehen, ist in Wirklichkeit aber ebenso inszeniert wie das Hissen der amerikanischen Fahne auf Iwo Jima. Bilder wurden schon immer bearbeitet, sei es nun aus ästhetischen, aus politischen oder aus moralischen Gründen. Es ist daher äusserst wichtig, sich zu fragen, von wem, mit welcher Absicht und unter welchen Umständen ein Bild gemacht worden ist – bevor man alles glaubt, was man sieht!

Auch den Comics erging es puncto Bildbearbeitung nicht besser. In einem Fall musste Tarzan sogar mit blossen Händen gegen einen unsichtbaren Hai kämpfen. Sowohl das Messer als auch der Fisch waren der Zensur zum Opfer gefallen…

5. Dezember 2016

Gefundenes – Panzerauslese!

von Julia S.

Panzerfreunde aufgepasst! Tja, was man (auf) unserem Buchplanet.ch nicht alles finden kann… ein *Schwupps* in die Vergangenheit zu aufregenden Maschinen… in diesem Taschenbuch werden mit 77 Skizzen und 164 Lichtbildern von Dr. F. v. Senger u. Etterlin gezeigt welche Panzer es zur Zeit von 1943-1954 gegeben hat.

11 22

33

Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Sowjetunion und die USA sind aufgelistet

 

44

Der Jagdpanzer, Porsche-Tiger „Elefant“

55

Panzerwagen Sterv und Sturmpanzer aus Schweden

 

66

Selbstfahrlafetten; 24cm Haubitze SF (KING KONG) auf gepanzertem Sattelschleppzug und Zwillingsflak aus den USA

 

88

Tabellenerklärung

77

Fahrzeugsdatenübersicht von Grossbritannien

 

1. Dezember 2016

Dichtung unter der Lupe

von Gabriel Weber

Hans Weigel betrachtet in Götterfunken mit Fehlzündung klassische deutsche Literatur einmal etwas genauer.

Als erstes kommt Friedrich von Schillers Ode an die Freude dran. Was ist eigentlich ein „Götterfunken“? Und kann ein solcher „schön“ sein? Wie kann man von Feuer „trunken“ werden? Wieso für ein einziges Verdienst gleich mehrere Kronen, eine würde doch schon genügen? Dann müssen Heinrich Heines Grenadiere dran glauben. Wie können zwei Grenadiere nach Frankreich ziehen, wenn sie in Russland gefangen sind? Warum lassen sie die Köpfe schon hängen, bevor sie die traurige Neuigkeit erfahren? Wie kann Frankreich verloren gehen (hat vielleicht irgendjemand es verkramt und noch nicht wiedergefunden?)? Und wie kann ein Dichter (ich betone: ein Dichter!) „mein Grab“ auf „aus dem Grab“ reimen? Auch Richard Wagners Lohengrin wird nicht verschont. Lauter unvollständige und missverständliche Sätze, die jeder Deutschlehrer rot anstreichen würde! In Hugo von Hofmannsthals Elektra fällt einem die geradezu inflationäre Verwendung des Wortes „Blut“ auf. Liegt das vielleicht am berühmten „Wiener Blut“?

Ludwig Uhlands Des Sängers Fluch demontiert der Autor sogar in Versform, und zwar Strophe für Strophe:

Es stand in alten Zeiten ein Schloss so hoch und hehr,
Weit glänzt‘ es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft’gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Das Schloss stand hoch und glänzte, die Brunnen sprangen frisch,
Was tat der Kranz von Gärten? Das Verb fiel unter’n Tisch;
Und wo geschah das Springen? Hier fehlt es an Prägnanz;
Sie sprangen zweimal in: in Gärten und in Glanz.

30. November 2016

Mehr davon bitte!

von Julia S.

Konvolutekuerbis

Bei uns im www.buchplanet.ch sind eine Reihe von Konvoluten zu finden. Konvolut bedeutet, eine Gruppe von Gegenständen, die gemeinsam verkauft werden sollen, Bündel von Schriftstücken oder Sammelband. Zum Beispiel die KONVOLUT TOURISTENKARTEN UND BROSCHÜREN II darin finden Sie Schweizer Städte und Ausflugsziele. Bastelanleitungen über – wie baue ich einen Dynamo selber mit KONVOLUT • SPIEL UND ARBEIT. In SHORT STORIES – KONVOLUT (14 HEFTE) sind Kurzgeschichten verfasst um 1940. Oder Sie kennen noch die Literaturzeitschrift AKZENTE, JAHRGÄNGE 1954-1973 oder Sie möchten diese neu entdecken?!

Unsere Kreativ-Konvoluts sind durchgehend für alle Jahreszeiten bestückt mit unendlich vielen Bastelmöglichkeiten und Vorlagebogen! Hier finden Sie einige davon: KREATIV-KONVOLUT # 1KREATIV-KONVOLUT # 5KREATIV-KONVOLUT # 7, KREATIV-KONVOLUT # 8KREATIV-KONVOLUT # 9KREATIV-KONVOLUT # 10KREATIV-KONVOLUT # 11blumen-windbrn30055c2c3a89_042997_2

29. November 2016

Die Gräfin am Plafond

von Gabriel Weber

Im Allgemeinen sind Frauen in Märchen ja nicht sehr emanzipiert. Sie sitzen meistens schluchzend herum und warten darauf, von einem Mann gerettet (und natürlich auch geheiratet) zu werden. Eine löbliche Ausnahme ist der klassische Märchenroman Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (Puh!), den die Schriftstellerin Bettina von Arnim zusammen mit ihrer Tochter Gisela verfasst hat.

Die kleine Hochgräfin Gritta lebt in einem uralten, zerfallenen Schloss. Ihr Vater, ein verarmter Sonderling und Witwer, bastelt die seltsamsten Apparaturen, die er gerne an Gritta und an dem alten Diener Müffert ausprobiert – auch wenn das bedeutet, dass die beiden manchmal stundenlang von der Decke baumeln müssen. Trotzdem und trotz der Armut gefällt es Gritta in ihrem Zuhause, mit ihrem Vater, dem treuen Müffert, den vielen Ratten (daher der Name) und mit Peter, ihrem besten Freund. Doch eines Tages taucht das blasierte Fräulein Nesselkrautia mitsamt einem Schwarm herausgeputzter Pagen auf und heiratet den Grafen, gegen alle Widerstände. Die neue Stiefmutter will das Mädchen zwecks anständiger Erziehung (und um sie los zu sein) in ein Kloster schicken. Doch im Gegensatz zu manchen ihrer Kolleginnen im Märchen schmachtet Gritta nicht etwa still leidend vor sich hin, bis ein Prinz kommt und sie rettet, nee! Sie ergreift selber die Initiative! Zusammen mit einigen Leidensgenossinnen türmt sie aus dem Kloster. Ein Prinz kommt dann allerdings auch noch vor – vielmehr ein Prinzchen, und zwar ein eher untypisches Exemplar.

Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns (wer hat sich bloss diesen Namen ausgedacht?) ist ein sehr ungewöhnliches, aber zauberhaftes Märchen.

24. November 2016

Von Adamstöchtern und Evassöhnen

von Gabriel Weber

Homosexuelle Menschen wurden jahrhundertelang verfolgt, diskriminiert und ausgestossen – und werden es bedauerlicherweise vielerorts auch heute noch. Selbst hier in unserem ach so modernen, fortschrittlichen Abendland sind Homosexuelle immer noch Diskriminierungen ausgesetzt. Die unzähligen Begriffe (vornehme und weniger vornehme), die es in Bezug auf Homosexualität gibt, hat Jody Skinner in Warme Brüder, Kesse Väter zusammengefasst.

Dass gleichgeschlechtliche Liebe früher als etwas Verbotenes, ja Verbrecherisches galt, hat sich natürlich in der Sprache niedergeschlagen: unnatürliches Laster, namenlose Sünde, objektive Verwirrung, Ausschweifung gegen die NaturKetzerei sind nur einige Ausdrücke. Oft werden in diesem Zusammenhang Wörter verwendet, die mit falsch- oder verkehrt- beginnen, wie um zu beweisen, Schwule und Lesben seien grundsätzlich „lätz gwicklet“. Viele Begriffe betonen das „Anderssein“ von Homosexuellen („die sind einfach anders als wir“): vom anderen Ufer, vom anderen Bahnsteig, von der anderen Fakultät. Andere suggerieren, Homosexualität sei etwas fremdes, ausländisches („bei uns gibt es sowas nicht“): griechische Liebe, welsche Hochzeit, italienisches Laster. Dann gibt es natürlich auch noch Ausdrücke, die schlicht beleidigend sind, wie Sodomit oder Knabenschänder. Auch schwul ist leider für viele Männer (und Jungen) immer noch ein Schimpfwort.

Gurke ist eine Bezeichnung für den Penis. Dementsprechend ist ein Homosexueller ein Gurkenheinrich und eine homosexuelle Orgie ein Gurkensalat.

22. November 2016

Die Elite

von Gabriel Weber

Das Wort „Elite“ bedeutet gemäss Duden „Auslese der Besten“. Anlässlich meines 300. Blog-Eintrags habe ich eine Auswahl von 30 Blogs – 15 belletristische und 15 sachbezogene – aus meiner Produktion zusammengestellt, die ich (in aller Bescheidenheit, versteht sich!) für besonders gelungen halte. Es folgt die Liste in chronologischer Reihenfolge:

  • Politik im Kinderbuch (16. August 2013)
  • Verne und die Deutschen (22. August 2013)
  • Geh’n wa Taubn vergiften im Park (12. November 2013)
  • Haut ihn, dass die Fetzen fliegen (21. November 2013)
  • Jack und sein Schrank (2. Dezember 2013)
  • Der Gang in den Keller (16. Dezember 2013)
  • Der junge Ehemann (20. Januar 2014)
  • Millionärsmarotten (23. Januar 2014)
  • Mit Stock, Schnauz und Melone (30. Januar 2014)
  • Das bisschen Garten, oh wie wohl das tut (4. Februar 2014)
  • Die 2000 Schafe auf dem Hollywood Boulevard (19. Juni 2014)
  • Die tiefsten Abgründe menschlicher Existenz (1. Juli 2014)
  • Von Amadeus bis Zwischensaison (4. September 2014)
  • Von der Zahnbürste für Zahnrückseiten bis zum Tandem für zwölf (12. März 2015)
  • Brüderlein Fein (31. März 2015)
  • (Un)ordnung um sieben (27. April 2015)
  • Der Sohn des Leibarztes (28. Mai 2015)
  • Heinrich, mir graut vor dir! (21. Juni 2015)
  • Salz nach Belieben! (13. August 2015)
  • Wenn das stille Örtchen nicht mehr still ist (8. September 2015)
  • Elf Automobilisten geben Gas (20. Oktober 2015)
  • Die Tücken der Damenunterwäsche (10. November 2015)
  • Kalter Krieg im Kleinformat (17. November 2015)
  • König werden ist nicht schwer… (19. November 2015)
  • Entfesselt (7. Januar 2016)
  • Königlich böhmische Religion (14. Januar 2016)
  • Wagners wilde Walküren (16. Juni 2016)
  • Widewidewitt, bumm bumm! (5. Juli 2016)
  • Märchenhafte Machenschaften (9. August 2016)
  • Schauderhaft schauriger Schauer (18. Oktober 2016)
21. November 2016

Schon wieder ein Juhubiläääum…

von Julia S.

Zu Deinem 300. Blogeintrag am 22. November Gabriel Weber – HERZLICHE GRATULATION – (ich denke mal – es grüssen dich deine begeisterten Leser) und natürlich dein komplettes buchplanet-team!!!

img_0003Wir hoffen auf weitere 300 prächtig formulierte Blogs von dir, viiielen herzlichen Dank für dein Engagement der bisherigen 300 Stück (hihi man kann es gar nicht oft genug sagen, gell! 🙂

17. November 2016

Grauenhaft grusliger Grusel

von Gabriel Weber

Machen wir doch wieder einmal einen kleinen Ausflug in das Reich des Unheimlichen, und zwar mit Böses Blut von Rhiannon Lassiter.

Die Kinder einer Patchwork-Familie – die Geschwister Katherine und John einerseits und die Geschwister Catriona und Roley andererseits (man beachte die beiden „Cats“) – machen mit ihren (Stief-)Eltern Harriet und Peter Urlaub. Und zwar (bitte eine Fanfare!) in einem riesigen, uralten Landhaus (bitte einen Tusch!). Doch erstens können sich die beiden Mädchen gegenseitig nicht ausstehen und zweitens ist ausser den Eltern niemand besonders erpicht darauf, die Ferien mitten in dieser Einöde zu verbringen. Es kann also nett werden… Und es wird auch nett, und wie! Mit dem Haus stimmt nämlich etwas nicht (welch eine Überraschung!). Seltsame Dinge ereignen sich und bald stellen sich unzählige Fragen. Was war mit Katharines und Johns verstorbener Mutter Anne, die in dem Haus aufgewachsen ist und später geisteskrank wurde? Was haben Annes Jugendfreundinnen Emily und Charlotte zu verbergen? Wer ist dieser geheimnisvolle junge Mann, der mitten im Sommer einen Pelzmantel trägt? Können sich Puppen wirklich selbständig bewegen? Welche Ereignisse haben sich früher in dem geheimen Zimmer zugetragen? Was hat es mit diesem Buch auf sich, dessen Titel Das Spiel lautet? Und welche Rolle spielt Alice, das Mädchen aus dem Dorf, bei der ganzen Sache? Die (Stief-)Geschwister machen eine fürchterliche Entdeckung: Anne, Emily und Charlotte haben sich einst ein reichlich makaberes Spiel ausgedacht, bei dem es darum ging, Erfundenes Realität werden zu lassen. Doch damit haben die Mädchen etwas Unheilvolles aufgeweckt – und dieses Etwas lauert immer noch in der Nähe. Denn das Spiel wurde nie beendet…

Der plötzliche Einbruch des Unheimlichen in unsere ach so normale, geordnete Alltagswelt – immer wieder ein interessantes Thema. Die Macht eines Namens – auch sehr spannend. Und das Ganze schön gruslig, aber doch nicht gerade so, dass man hinterher nicht mehr schlafen könnte.